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China registriert Coronavirus-Fälle aus dem Ausland – Angst vor Neuinfektionen steigt

Mit der Ausbreitung des Coronavirus in anderen Ländern wächst in China die Angst vor Neuinfektionen aus dem Ausland. Peking steht dabei besonders im Fokus.

Die 31-jährige Restaurantmitarbeiterin Wang wies bereits am 16. Februar erste Symptome einer Covid-19-Erkrankung auf. Sie hustete, klagte über Kopfschmerzen. Dennoch schaffte sie es, Ende Februar aus dem norditalienischen Bergamo nach Mailand zu fahren und von dort einen Flieger über Moskau nach Schanghai zu nehmen. Erst als sie in der ostchinesischen Stadt Qingtian angekommen war, wurde sie auf den Virus getestet und unter Quarantäne gestellt.

Sie gehört zu den sieben Chinesen, die das Coronavirus aus der Lombardei wieder nach China eingeschleppt haben. Sechs weitere ihrer Kollegen kehrten auf derselben Route wie Wang nach Qingtian zurück, ein weiterer flog mit Lufthansa von Mailand über Frankfurt nach Schanghai. Keiner von ihnen hatte in den vergangenen Monaten die zentralchinesische Provinz Hubei besucht.

Sie gehören zu den rund 100.000 Chinesen, die nach Einschätzungen der örtlichen Regierung derzeit in Italien leben und arbeiten. Trotz der Epidemie sollen sie erst einmal dort bleiben, da sie mit ihrer Rückkehr die Gesundheit ihrer Familienangehörigen zu Hause gefährden könnten.

Zu groß ist derzeit die Angst in China vor einer zweiten Welle durch Neuinfektionen, die aus dem Ausland eingeschleppt werden. Auf Weibo, eine Art chinesisches Twitter, war sie eines der beliebtesten Themen. „China sollte früh mit Präventionsarbeit beginnen und die infizierten Leute daran hindern, das Land zu betreten, ansonsten waren die Bemühungen der 1,4 Milliarden Chinesen hier umsonst“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer plädierte dafür, die Grenzen gleich dichtzumachen.

Unter einem Video der Pekinger Tageszeitung „Xinjing Bao“, das die Rückkehr von sechs aus Italien kommenden Chinesen am Montag zeigt, mischen sich Willkommensrufe mit sarkastischen und rassistischen Kommentaren. „Wie viel Geld hat die italienische Regierung euch eigentlich gegeben, damit ihr uns schadet“, fragt ein User mit rund 7700 Likes. Ein anderer, der fast 14.000 Likes bekam, schlug vor, dass sie einfach in Italien bleiben sollten, weil auf der Reise noch weitere Menschen angesteckt werden könnten.

Erst am Dienstag vermeldeten die Gesundheitsbehörden zwei weitere Fälle, die aus Italien und dem Iran nach Peking gekommen waren. Dementsprechend ordneten mehrere Stadtregierungen bereits am Dienstag an, dass Menschen, die aus neuen Krisenherden wie Italien, Südkorea, Japan oder dem Iran kommen, sich erst einmal 14 Tage lang in Quarantäne begeben sollen. Zurzeit gibt es aber keine Hinweise, dass die chinesische Regierung Einreiseverbote auferlegen wird.

Peking schaut nun genauer hin

Zwar ist der Abwärtstrend bei den Fallzahlen – es wurden 119 Neuerkranken und 38 Todesopfer am Dienstag in China gemeldet – positiv, doch die neuesten Zahlen aus Peking selbst bezüglich der importierten Fälle sind besorgniserregend.

Auf der einen Seite fordert Staats- und Parteichef Xi Jinping den Großteil Chinas dazu auf, die Arbeit wieder aufzunehmen. Auf der anderen Seite hob er jedoch auch zwei Regionen hervor, die seiner Meinung nach der Eindämmung des Coronavirus weiterhin Vorrang einräumen sollen.

Eine davon ist die Provinz Hubei, wo sich der Krisenherd der Epidemie befindet, die andere ist Peking. „Die Sicherheit und Stabilität der Hauptstadt ist von direkter Relevanz für die Gesamtarbeit der kommunistischen Partei und des Landes“, sagte er.

Peking ist schließlich nicht nur Chinas politisches Zentrum, sondern auch die Heimat von großen Staatsunternehmen und Tech-Riesen wie den Suchmaschinenanbieter Baidu, dem sozialen Netzwerk ByteDance oder dem PC-Hersteller Lenovo.

Während die meisten Provinzen ihre Alarmstufe für Notfälle herabsetzten, begann Peking, genauer hinzuschauen. So sollen Kunden in Supermärkten zum Beispiel mindestens zwei Quadratmater Abstand voneinander halten. Taxen sowie der Mitfahrdienst Didi dürfen sich nur noch innerhalb Pekings bewegen, aber nicht mehr in andere Städte fahren.

Von den rund 22 Millionen Einwohnern der Stadt sind mehr als ein Drittel außerhalb Pekings gemeldet. Viele von ihnen sind wahrscheinlich vor den Feiertagen des chinesischen Neujahrs nach Hause gereist und kehren nun erst langsam wieder in die Hauptstadt zurück, wo sie sich erst einmal zwei Wochen lang in Quarantäne begeben können. Bisher traten in Peking 417 Erkrankungen und acht Todesfälle auf.

Bereits Ende Februar vertagte die chinesische Regierung den alljährlich in Peking stattfindenden Volkskongress, eines der wichtigsten politischen Ereignisse des Landes. Auch die für Ende April angesetzte Automesse wurde erst einmal verschoben. Neue Daten wurden bisher nicht festgelegt. Der EU-China-Gipfel Ende März wiederum soll nach offiziellen Angaben noch immer stattfinden. Zumindest gibt es bisher keine gegenteiligen Informationen dazu.