Ein britischer Verkäufer leidet an Depressionen - und vertraut sich eines Tages seiner Chefin an. Wenige Stunden später wird er gefeuert. In der Twitter-Gemeinde löste der Fall von Roy Ward in den vergangenen Tagen große Empörung aus. Doch kann man wirklich wegen einer Depression seinen Job verlieren? Yahoo! Finanzen hat dazu einen Experten befragt.

Vor einigen Tagen twitterte Roy Ward aus Leeds, Großbritannien: "Dear Twitter, I just opened up to my boss about my depression and she's indicated she might have to fire me. Erm, help?" ("Liebe Twitter-Gemeinde, ich habe meiner Chefin von meinen Depressionen erzählt und sie kündigte an, mir nun möglicherweise zu kündigen. Ähm… Hilfe?") Den Worten folgten Taten: Wenig später veröffentlichte er das Kündigungsschreiben seiner Chefin auf der Social Networking-Plattform.

Empörung unter Twitter-Nutzern
Innerhalb weniger Stunden wurde sein hashtag @badlydrawnroy zum "trending topic" bei Twitter. Tausende Nutzer drückten ihre Empörung über die Kündigung aus und boten Ward, der nach eigenen Angaben inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet hat, ihre Hilfe an.  Neben Entrüstung und Mitleidsbekundungen war vor allem immer wieder eine Frage zu lesen: "Ist das überhaupt legal?"

Lesen Sie auch: Gekündigt - wegen verweigerter Mittagspause

Depression kein Kündigungsgrund
"Eine Depression als solche ist - zumindest in Deutschland - kein Kündigungsgrund", sagt dazu Joachim Oppertshäuser, Rechtsanwalt von der Kanzlei  für Arbeitsrecht Schweier in München.  Generell sei eine krankheitsbedingte Kündigung nur dann zulässig, wenn ein Mitarbeiter sehr häufig oder sehr lange fehlt und es außerdem Gründe gibt, anzunehmen, dass sich aufgrund der Depression (oder einer anderen Krankheit) auch in Zukunft erhebliche Fehlzeiten ergeben werden. Keinesfalls gekündigt werden könne jedoch einem Mitarbeiter, der nicht länger als sechs Wochen im Jahr krankheitsbedingt gefehlt hat - vorausgesetzt, der allgemeine Kündigungsschutz gilt in seinem Betrieb.

Bild: FotoliaBild: Fotolia

Aber selbst häufige krankheitsbedingte Fehlzeiten rechtfertigen laut Oppertshäuser noch keine Entlassung. Denn erst wenn die betrieblichen Interessen eines Arbeitgebers durch das Fehlen eines Mitarbeiters stark beeinträchtigt sind, kann dieser eine Kündigung durchsetzen. Sprich: Der fehlende Mitarbeiter verursacht hohe Kosten der Entgeltfortzahlung, ist nur schwer ersetzbar oder seine Abwesenheit stört den Betriebsablauf so sehr, dass dem Arbeitgeber eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses "nicht zumutbar" ist. Nach Abwägung der beiderseitigen Interessen kann es in diesem Fall theoretisch zu einer Kündigung kommen.

"Vereinfachend kann man sagen, dass die Voraussetzungen einer krankheitsbedingten Kündigung recht streng sind und die Wirksamkeit einer krankheitsbedingten Kündigung für den Arbeitgeber schwer kalkulierbar ist", erläutert Oppertshäuser. "Zumal der Arbeitgeber die Krankheitsursache und Diagnose oft gar nicht oder nicht genau kennt."  Denn niemand ist verpflichtet, seinem Chef die Diagnose oder Art seiner Erkrankung mitzuteilen. "Selbst die konkrete Frage des Chefs, ob man depressiv sei, muss der Arbeitnehmer weder überhaupt noch wahrheitsgemäß beantworten", so Oppertshäuser. Eine solche Frage sei schlichtweg unzulässig.

Ausnahmen: kleine Betriebe und kurzes Arbeitsverhältnis
Anders sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter in einem Kleinbetrieb angestellt ist. Von einem "Kleinbetrieb" ist die Rede, wenn in einem Betrieb höchstens zehn regelmäßig beschäftigte Mitarbeiter angestellt sind. "In diesen Fällen ist es für einen Arbeitgeber wesentlich leichter, im Zusammenhang mit einer Erkrankung zu kündigen", so Oppertshäuser.

Auch wenn ein Mitarbeiter erst weniger als sechs Monate bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, benötige der Arbeitgeber praktisch keinen Grund, um einen Mitarbeiter zu entlassen.  "Wenn ein Vorgesetzter in diesen Fällen mit spürbaren Ausfallzeiten, mit Mängeln in der Arbeitsleistung,  Beeinträchtigungen seines Betriebsablaufs oder Ähnlichem rechnet, wird die Kündigung wahrscheinlich wirksam sein". Auch wenn die Erfolgsaussichten eher gering sind, empfiehlt Oppertshäuser,  in diesem Fall die Kündigung von einem Fachmann einschätzen zulassen. Denn eine Kündigung kann auch an  Faktoren wie formellen Mängeln scheitern.

>>> Lesen Sie auf der nächsten Seite: Depression am Arbeitsplatz - was sollten Betroffene tun?

Top News

  • Deal mit Visa öffnet Paypal weg zu Ladenkassen
    Deal mit Visa öffnet Paypal weg zu Ladenkassen

    Der Online-Bezahldienst Paypal will über eine Partnerschaft mit Visa auch ins Geschäft an den Ladenkassen vorstoßen. Mit dem Deal sollen Paypal-Kunden grundsätzlich an allen Karten-Terminals bezahlen können, die kontaktlose Zahlungen mit Visa-Karten unterstützen. Dieser Service soll zunächst nur in den USA verfügbar sein, …

  • Vivendi und Berlusconis Mediaset: Gemeinsam gegen Murdoch
    Vivendi und Berlusconis Mediaset: Gemeinsam gegen Murdoch

    Der französische Medienkonzern Vivendi schließt seinen deutschen Online-Videoanbieter Watchever zum Ende des Jahres. Ein entsprechender Bericht der französischen Wirtschaftszeitung "Les Échos" wurde der Deutschen Presse-Agentur am Freitag aus informierten Kreisen bestätigt. Betroffen seien etwas weniger als 20 Mitarbeiter …

  • Wirtschaftsmetropole London
    Wirtschaftsmetropole London

    Die Stimmung in der britischen Wirtschaft hat sich wegen des überraschenden Ausgangs des Brexit-Votums schlagartig abgekühlt. Der von der Marktforschungsfirma Markit erhobene Einkaufs-Manager-Index sank von 52,4 Punkten im Juni auf 47,7 Punkte im Juli und damit auf den niedrigsten Stand seit April 2009, als die Finanzkrise …

  • Tengelmann/Edeka: Gabriel beharrt auf Rechtmäßigkeit der Erlaubnis
    Tengelmann/Edeka: Gabriel beharrt auf Rechtmäßigkeit der Erlaubnis

    Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) beharrt auf der Rechtmäßigkeit seiner Erlaubnis zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka.

  • Vodafone legt aus eigener Kraft zu
    Vodafone legt aus eigener Kraft zu

    Der britische Telekomkonzern Vodafone hat dank einer leichten Erholung in Europa zu Beginn seines Geschäftsjahres besser abgeschnitten als gedacht. Konzernweit zogen die Serviceumsätze aus eigener Kraft, also ohne Währungseinflüsse und Verkäufe, im ersten Quartal (Ende Juni) um 2,2 Prozent an, wie das Unternehmen mitte …

 

Sport Top News

  • Tobias Schweinsteiger
    Sportler reagieren geschockt auf Amoklauf in München Yahoo Sport Deutschland - vor 11 Stunden
    Tobias Schweinsteiger

    Zahlreiche Sportler haben auf den Amoklauf in München betroffen und geschockt reagiert. Auch Bayerns neuer Trainer Carlo Ancelotti brachte sein Mitgefühl zum Ausdruck.

  • Bundesliga: Frankfurt leiht Varela von Manchester United aus
    Bundesliga: Frankfurt leiht Varela von Manchester United aus

    Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat das uruguayische Abwehr-Talent Guillermo Varela von Manchester United ausgeliehen. Der 23-Jährige wird die Hessen bis zum Ende der kommenden Saison verstärken."Ich freue mich auf Frankfurt, die Mannschaft und auf das Stadion. Ich habe schon einige Spiele in der Bundesliga …

  • Nationalstürmer auf Vereinssuche: Zieht es Mario Gomez nach Barcelona?
    Nationalstürmer auf Vereinssuche: Zieht es Mario Gomez nach Barcelona?

    Foto: Getty Images ​Mario Gomez steht laut einem Bericht der spanischen AS hoch im Kurs beim FC Barcelona. Die Katalanen wollen den deutschen Nationalspieler dem Vernehmen nach als Back-Up für Luis Suarez verpflichten. Jüngst bekundete Mario Gomez, dass er einen Wechsel nach England oder Spanien priorisieren würde; zuvor …

  • Real Madrid: James bleibt trotz 85-Mio.-Euro-Angebot
    Real Madrid: James bleibt trotz 85-Mio.-Euro-Angebot Goal.com - Fr., 22. Jul 2016 14:26 MESZ
    Real Madrid: James bleibt trotz 85-Mio.-Euro-Angebot

    Das Rennen um den portugiesischen Nationalspieler Andre Gomes haben die Königlichen verloren. Die Alternative kommt aus den eigenen Reihen und ist hochmotiviert.

  • Dieses Mega-Angebot für David Alaba lehnte der FC Bayern München ab
    Dieses Mega-Angebot für David Alaba lehnte der FC Bayern München ab

    Foto: Getty Images ​Beim FC Bayern München gehört David Alaba mittlerweile zu den absoluten Leistungsträgern und gilt als unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft. Kein Wunder, dass die Münchener jedes noch so hoch dotierte Angebot für den Österreicher ablehnen. Obwohl David Alaba erst im März seinen Vertrag beim deutschen …