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Chef der größten Bank Russlands sagt, die Wirtschaft des Landes sei „definitiv stark überhitzt“

Sberbank-Chef Herman Gref und der russische Präsident Wladimir Putin. - Copyright: Mikhail Svetlov/Getty Images
Sberbank-Chef Herman Gref und der russische Präsident Wladimir Putin. - Copyright: Mikhail Svetlov/Getty Images

Nach mehr als zwei Jahren Krieg mit der Ukraine scheint sich das Problem der russischen Wirtschaft zu verschärfen: Sie ist überhitzt. Herman Gref, der Vorstandsvorsitzende der Sberbank – Russlands nach Vermögenswerten größter Bank – sagte, die Wirtschaft des Landes sei "definitiv und stark überhitzt". Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS am Dienstag.

Gref, der im Parlament sprach, sagte, die Produktionskapazität sei mit 84 Prozent auf einem historisch hohen Niveau. Er fügte hinzu, es sei einfach "unmöglich", diese Produktionskapazität zu überschreiten und noch mehr zu produzieren.

Russlands Wirtschaft ist robust, jedoch stark auf Kriegsgüter konzentriert

Auf den ersten Blick scheint die russische Wirtschaft trotz umfassender Sanktionen des Westens ungewöhnlich widerstandsfähig zu sein. Im vergangenen Jahr verzeichnete sie ein BIP-Wachstum von 3,6 Prozent. Berichte aus Russland deuten jedoch darauf hin, dass die Wirtschaft des Landes in erster Linie von kriegerischen Aktivitäten angetrieben wird. Diese erzeugen eine Nachfrage nach militärischen Gütern und Dienstleistungen. Außerdem liegt nahe, dass sie von Subventionen, die die Wirtschaft stützen, und von einer scharfen Politik stimuliert wird.

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Rosige BIP-Zahlen allein seien kein guter Maßstab für die Wirtschaftsleistung in Kriegszeiten, da Waffen und Munition weder die Lebensqualität der Russen verbesserten noch zum künftigen Wirtschaftswachstum beitragen würden. Das sagte Sergej Guriew, ein ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, im Januar.

Die Zinsen sind aktuell hoch

Gref sprach im Parlament im Zusammenhang mit der straffen Politik der russischen Zentralbank. Ihr Leitzins liegt bei 16 Prozent. Er sagte, dass die Zentralbank eine rationale Politik verfolge und dass die Wirtschaft den derzeitigen Hochzinszyklus überstehen müsse, auch wenn er "unangenehm" sei.

"Es gibt keinen anderen Weg. Wir wissen ungefähr, wann die Zinssätze aus politischen Gründen nicht angehoben wurden, und wie es dann endete", sagte er unter Bezugnahme auf die Türkei. Die türkische Zentralbank hat die Zinssätze bis auf 50 Prozent angehoben, um die anhaltende galoppierende Inflation in den Griff zu bekommen. Grefs Bedenken entsprechen denen von Elvira Nabiullina, Russlands oberster Zentralbankerin, die im Dezember vor einer Überhitzung der Wirtschaft des Landes warnte.

Es braucht mehr Arbeitskräfte, die Reallöhne steigen kräftig

Die Inflation in Russland ist zum Teil auf eine Arbeitskrise zurückzuführen. Der Krieg in der Ukraine entzieht der Wirtschaft des Landes Arbeitskräfte. Die russische Arbeitslosenquote erreichte im April ein Rekordtief von 2,6 Prozent, während die Reallöhne im März aufgrund des anhaltenden Arbeitskräftemangels um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind. So geht es aus offiziellen Daten hervor.

Der Arbeitskräftemangel hat sich so verschärft, dass das russische Militär jetzt Antrittsprämien und Gehälter anbietet. Diese sind so wettbewerbsfähig, dass selbst die lukrative Öl- und Gasindustrie des Landes nicht mithalten kann.

Dies wiederum trägt zum Preisanstieg bei. Vom 28. Mai bis zum 3. Juni lag die Inflationsrate in Russland bei 8,17 Prozent – gegenüber 8,07 Prozent in der Vorwoche. Die russische Zentralbank wird ihre nächste Zinsentscheidung voraussichtlich am Freitag bekannt geben.

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