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Britische Corona-Mutation verursacht 22 Prozent der Infektionen in Deutschland

Gillmann, Barbara
·Lesedauer: 3 Min.

Trotz des Lockdowns verbreitet sich die britische Covid-19-Mutation rasant. Ihr Anteil stieg innerhalb von zwei Wochen von 6 auf 22 Prozent. Gesundheitsminister Spahn warnt vor Öffnungsschritten.

Der Bundesgesundheitsminister betrachtet die Virus-Mutationen mit Sorge. Foto: dpa
Der Bundesgesundheitsminister betrachtet die Virus-Mutationen mit Sorge. Foto: dpa

Die ansteckenderen Varianten des Coronavirus breiten sich in Deutschland schnell aus. Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hat die in Großbritannien entdeckte Mutation mittlerweile schon einen Anteil von mehr als 22 Prozent – vor knapp zwei Wochen waren es noch knapp sechs Prozent.

„Wir müssen damit rechnen, dass die Variante bald auch bei uns die dominierende werden könnte“, warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Damit sei auch für alle Öffnungsschritte aus dem Lockdown große Vorsicht geboten.

Denn der Anteil der britischen Variante verdoppele sich etwa jede Woche, fügte Spahn hinzu. Dazu kommt noch eine weitere, zunächst in Südafrika aufgetretene Mutation. Diese habe in Deutschland jetzt einen Anteil von 1,5 Prozent erreicht. Dennoch nannte es Spahn „bis hierhin ermutigend“, dass die Infektionszahlen insgesamt gesunken seien. Das zeige ja, dass die Schutzmaßnahmen wirkten.

Gleichzeitig dämpfte Spahn mögliche Erwartungen auf rasche Öffnungen anhand eines festen Plans. Die Wege aus dem Lockdown müssten „mit ganz besonderer Vorsicht“ gegangen werden. Es sei richtig, dass als erstes die Kitas und Schulen wieder stärker öffneten. Nun müsse aber jeden Tag überprüft werden, was dies an der Dynamik verändere.

Spahn sagte, er habe zwar nichts gegen Öffnungspläne, die sich etwa nach Inzidenzwerten der Virusausbreitung richteten. Es sei aber zentral, dass sich alle Beteiligten bewusst seien, dass die Auswirkungen der Mutationen gravierend sein können. Alle zwei Wochen müsse hier überprüft werden, „wo wir stehen“. Eindringlich rief Spahn die Menschen in Deutschland zur Einhaltung der Regeln und zur Vorsicht auf. „Wir machen den Unterschied – jeden Tag.“

Bund und Länder hatten weitere Öffnungsschritte aus dem Lockdown ab dem 7. März beschlossen. Allerdings sollten solche Schritte erst dann folgen, wenn eine „stabile“ Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen erreicht ist. Dann sollen – so der Beschluss – der Einzelhandel, Museen und Galerien sowie Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen wie etwa Kosmetikstudios wieder aufmachen können.

Für Dienstag meldeten die Gesundheitsämter dem RKI binnen eines Tages 7556 Corona-Neuinfektionen. Das waren zwar rund 500 Fälle weniger als eine Woche zuvor. Rechnet man jedoch die rund 600 Fälle aus NRW heraus, die damals nachgemeldet worden waren, ergibt sich eine leichte Zunahme. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner fiel leicht von 59 auf 57. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 560 weitere Todesfälle verzeichnet.

Um die Verbreitung der Mutationen zu ermitteln, wertete das RKI 23.000 positive Testergebnisse in einer repräsentativen Stichprobe und weitere Daten aus, teilte Spahn mit. Die britische Virusvariante B.1.1.7 gilt nach Schätzungen von Virologen als mindestens 35 Prozent ansteckender als die herkömmliche.

Der Immunologe Michael Meyer-Hermann ist überzeugt, dass ihr Anteil derzeit exponentiell wächst, und warnt: „Die aktuellen Maßnahmen reichen nicht, um dies auszubremsen, über kurz oder lang wird B.1.1.7 dominieren.“ Dann drohe eine dritte Welle.

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