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Nach Wirecard-Beschränkungen: Prepaidkarten von Givve funktionieren wieder

Verbraucher konnten zwischenzeitlich nicht mit Zahlungskarten des Fintechs Givve bezahlen – wegen einer Kooperation mit der britischen Wirecard-Tochter. Nun läuft das Geschäft wieder.

Mehrere Tage lang bekamen auch Nutzer von Prepaidkarten des deutschen Finanz-Start-ups Givve die Folgen der Wirecard-Pleite zu spüren. Sie konnten mit den Karten nicht mehr bezahlen. In der Nacht zum Dienstag aber hob die britische Finanzaufsicht (FCA) die Beschränkungen für die Wirecard-Tochter Wirecard Card Solutions (WDCS) auf – wodurch die Karten wieder funktionieren.

Givve-Geschäftsführer Patrick Löffler sagte dem Handelsblatt am Dienstagmorgen: „Verbraucher können wieder bezahlen und Unternehmen die Karte wieder aufladen.“ Zuvor waren laut Löffler rund 450.000 Arbeitnehmer davon betroffen, dass die Givve-Karten nicht mehr funktionierten.

Die Prepaidkarten werden von vielen Arbeitgebern genutzt, um ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Bonus zukommen zu lassen. Pro Monat können die Firmen diese Karten mit bis zu 44 Euro aufladen, ohne dass darauf Steuern und Sozialabgaben fällig werden. Die Mitarbeiter können dann ihre Einkäufe damit bezahlen.

Hintergrund der Problematik ist eine Kooperation des Unternehmens mit Wirecard Card Solutions. Das E-Geld-Institut gibt für Givve die Prepaidkarten heraus. Als Tochterfirma der Wirecard AG in Deutschland ist die WDCS eigentlich nicht direkt vom Insolvenzantrag der Mutter betroffen. Doch am vergangenen Freitag hatte die Finanzaufsicht FCA dem Unternehmen vorübergehend die Geschäfte untersagt.

Die Karteninhaber mussten in der Zwischenzeit auch um die gesammelten Guthaben fürchten. Es war unklar, ob die Gelder auf separaten Bankkonten verwahrt werden. Auch dies ist nach Angaben von Löffler jetzt gesichert – und die FCA hat es zur Bedingung für die Weiterführung der Geschäfte der WDCS gemacht. Allein bei Givve ging es um eine Summe von rund 59 Millionen Euro.

Auch das Fintech Spendit war von der Entscheidung der britischen Finanzaufsicht betroffen, allerdings nur mit einem kleinen Teil seiner Zahlungskarten. Spendit teilte auf Anfrage mit: Der fünfstellige Restbestand an Karten, der über die englische Wirecard-Tochter gelaufen sei, „ist nun wieder voll einsatzbereit“. Eine sechsstellige Anzahl von Karten läuft bei Spendit über die deutsche Wirecard Bank und war von der Sperrung nicht betroffen.

Entwarnung gab inzwischen auch das britische Fintech Curve, das bereits im April angekündigt hatte, sich von der Wirecard-Tochter lösen zu wollen. Über das Wochenende seien die Kreditkarten vollständig umgestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Bereits seit Montag sollten die Karten wieder funktionieren. „Wir sind zu 100 Prozent frei von Wirecard“, hieß es. Am Dienstagnachmittag meldete zudem der Geschäftskonto-Anbieter Holvi, dass die Business Mastercard seiner Kunden wieder einsatzbereit sei.

Große Sorge bei Kunden in Schwellenländern

In Schwellenländern bangten im Zuge der WDCS-Beschränkungen Tausende Menschen um ihre Ersparnisse. Einer von ihnen ist der freiberufliche Web-Entwickler Mubasher Munir aus Pakistan. Er hatte rund 3000 Dollar auf einer Prepaid-Kreditkarte des US-Finanzdienstleisters Payoneer angesammelt, die von der britischen Wirecard-Tochter herausgegeben wurde. Seit Freitag konnte er auf das Geld nicht zugreifen und zweifelte daran, ob er seine Rechnungen bezahlen könne. Die Probleme kämen zur Unzeit, sagte er. Wegen der Coronakrise sei das Geld ohnehin knapp.

Die Entscheidung der FCA sollte nun aber für Beruhigung sorgen: Payoneer teilte am Dienstagmorgen mit, man gehe davon aus, dass die Kreditkarten binnen 24 Stunden wieder nutzbar seien.

Dienste wie die Prepaid-Kreditkarte von Payoneer sind bei Freiberuflern in Schwellenländern populär, weil sie eine der wenigen Möglichkeiten darstellen, kostengünstig an im Ausland gezahlte Honorare zu kommen. Asiatische Staaten wie Pakistan und Bangladesch, in denen viele freiberufliche Programmierer, Designer und Autoren ihre Dienste weltweit anbieten, sind nur schlecht an das internationale Finanzsystem angebunden. Auch Plattformen wie Paypal sind in den Ländern nicht aktiv.

Für zusätzliche Unsicherheit hatten die Vertragsbedingungen von Payoneer gesorgt. Darin hieß es: „In dem Fall einer Insolvenz von Wirecard Card Solutions Ltd. werden Guthaben möglicherweise wertlos und nicht nutzbar, und in der Folge können Sie Ihr Geld verlieren.“