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Börsencrash: Wiederholt sich die Geschichte?

Anleger blicken auf einen schwarzen September mit zweistelligen Verlusten zurück. Die Furcht vor einem Totalabsturz an den Weltbörsen wächst mittlerweile täglich.

A screen displays market news on the trading floor at the New York Stock Exchange (NYSE) in Manhattan, New York City, U.S., September 13, 2022. REUTERS/Andrew Kelly
Banger Blick auf die Märkte: Die Aktienmärkte befinden sich im freien Fall (Foto: REUTERS/Andrew Kelly)

Mit scheinbar jeder neuen Börsenwoche verfinstert sich die Großwetterlage an den Kapitalmärkten. Auch in der vergangenen Handelswoche zahlten Anleger wieder drauf und mussten mitansehen, wie die Leitindizes an der Wall Street auf den tiefsten Stand des Tages, der Woche, des Monats, des Quartals – und ja: – des Jahres abstürzten.

Der September ist seinem Ruf als historisch schlechtester Börsenmonat damit wieder einmal gerecht geworden – und damit eingeschlossen der schlechtesten Kursentwicklung eines Börsenmonats seit dem Corona-Crash im März 2020. Um mehr als 9 Prozent verlor der marktbreite S&P 500 an Wert, während die Techbörse Nasdaq gar knapp 11 Prozent an Wert einbüßte.

Dax, Dow, S&P 500 und Nasdaq einträchtig im Bärenmarkt

Nach drei Quartalen sind alle großen US-Indizes, aber auch der Dax einträchtig im Bärenmarkt-Terrain angekommen. Während der Dow Jones seit Jahresbeginn um 21 Prozent im Minus notiert, fallen beim S&P 500 bereits 25 Prozent an, wohingegen der techlastige Nasdaq 100 Anlegern seit Anfang Januar gar Kursverluste von 33 Prozent eingebrockt hatte.

Unter der Oberfläche sieht es freilich noch finsterer aus: Während Apple (– 24 Prozent) und Microsoft (-30 Prozent) noch besser als die Benchmark performten und Amazon, Alphabet und Tesla mit einem Minus von 34 praktisch so viel wie der Nasdaq an Wert verloren, kam die zweite Reihe von Big-Tech-Unternehmen regelrecht unter die Räder: PayPal büßte seit Jahresbeginn 56 Prozent an Wert ein, Nvidia und Meta jeweils 60 Prozent und Netflix gar 61 Prozent.

Wiederholt sich der Crash von 2008?

Keine Frage: Es sind Wertverluste wie sie nur sehr, sehr selten vorkommen – nämlich zuletzt in der großen Finanzkrise 2008. Tatsächlich werden die Parallelen zum großen Crash von vor 14 Jahren immer unheimlicher. Seit Wochen kursieren in den sozialen Medien Chartverläufe des S&P 500, die dem Vorbild von 2008 bereits das ganze Jahr über gleichen – und in den letzten Wochen abermals in den Sinkflug übergingen.

Wie der unabhängige Vermögensverwalter Michael Kramer von MOTT Capital herausarbeitet, könnte der S&P 500 charttechnisch schnell bis auf ein Niveau von 3200 Punkten durchgereicht werden, bevor ein Bodenbildungsprozess einsetzt. Das wäre vom gegenwärtigen Niveau ein weiterer Abschlag von 11 Prozent. Andere Chartmuster sehen eine Fortsetzung des Ausverkaufs auf ein noch deutlich tieferes Niveau.

Bärenmärkte können sich verstärken

Erschwerend kommt für Anleger hinzu, dass Bärenmärkte im vierten Quartal trotz vorangegangener Verluste ihre Abwärtsdynamik nochmals beschleunigen könnten. So notierten die Märkte 2008 per Ende des dritten Quartals ähnlich schlecht wie aktuell – in den letzten drei Monaten des Jahres kamen vor 14 Jahren aber nochmals Kursverluste von weiteren 25 Prozent hinzu.

Noch schlimmer kam es gar in Zeiten der Weltwirtschaftskrise: 1931 lag der S&P nach drei Quartalen sogar um 30 Prozent hinten. Im vierten Quartal kamen aber zusätzlich weitere Verluste von nochmals 25 Prozent hinzu.

Sorge um Credit Suisse belastet Märkte zu Wochenbeginn

Als würden die charttechnischen und historischen Argumente noch nicht ausreichen, kommt nun noch zu Wochenbeginn eine neue Hiobsbotschaft hinzu. Gerüchte über eine Schieflage bei der Schweizer Investmentbank Credit Suisse machten die Runde.

Droht damit zu Wochenbeginn ein neuer Lehman-Moment? Die Kapitalmärkte haben zumindest damit begonnen, ein Ausfallrisiko einzupreisen. CEO Ulrich Körner hatte die Belegschaft am Freitag nach dem harten Absturz der Bankaktie mit dem Verweis auf eine „starke Kapitalbasis und Liquiditätsposition" beruhigt. Die Credit Default Swaps (Derivate-Absicherung gegen Zahlungsunfähigkeit) erreichten jedoch mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 20 Prozent das höchste Niveau seit der großen Finanzkrise 2008/09. Ob sich Geschichte 14 Jahre später wiederholt oder – frei nach Mark Twain – reimt, werden Anleger ab heute mit dem Anbruch des Schlussquartals des laufenden Börsenjahres kritisch beäugen…