Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    26.431,55
    -722,28 (-2,66%)
     
  • Dow Jones 30

    29.260,81
    -329,60 (-1,11%)
     
  • BTC-EUR

    19.941,67
    +113,79 (+0,57%)
     
  • CMC Crypto 200

    440,14
    +7,04 (+1,63%)
     
  • Nasdaq Compositive

    10.802,92
    -65,00 (-0,60%)
     
  • S&P 500

    3.655,04
    -38,19 (-1,03%)
     

Börse: Droht Anlegern ein verlorenes Jahrzehnt?

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger

Es spitzt sich weiter zu an den Weltbörsen: Nach der schlechtesten Handelswoche an der Wall Street seit Monaten dämmert Anlegern, wie schwer und lang der Bärenmarkt werden könnte.

Wall Street: Die besorgten Blicke der Händler nehmen zu (Foto: REUTERS/Andrew Kelly)
Wall Street: Die besorgten Blicke der Händler nehmen zu (Foto: REUTERS/Andrew Kelly)

Es war wieder eine Woche der großen Negativschlagzeilen. Die amerikanischen Aktienmärkte verzeichneten die schlechteste Handelswoche seit Juni: Die Techbörse Nasdaq verlor fast 6 Prozent an Wert, der marktbreite S&P 500 knapp 5 Prozent. Ausgewählte Börsenschwergewichte wie FedEx und Adobe gingen mit Kursstürzen von mehr als 20 Prozent auf Wochensicht in den freien Fall über.

Vor allem die Äußerungen von FedEx-CEO Raj Subramaniam schockierten die Wall Street: „Wir sind auf dem Weg in eine weltweite Rezession“, erklärte der Vorstandschef des weltgrößten Express-Transportunternehmens, das als Indikator der globalen Konjunktur entsprechend viel Gewicht besitzt. „Mir ist die Kinnlade runtergefallen“, reagierte CNBC-Marktkommentator James Cramer erschüttert.

Hohe Inflation: Die Fed ist der Feind

Anleger taten es dem Börsenveteranen nach und verkauften Aktien weiter ab. Besonders die höher als erwartete Inflationsrate von immer noch 8,3 Prozent lösten den dramatischsten Kurssturz seit über zwei Jahren aus. Vor allem unter der Oberfläche dreht sich die Preisspirale immer schneller: Lebensmittel verteuerten sich im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent, Strom um 16 Prozent, die Kosten für medizinische Versorgung sogar um 24 Prozent.

Anleger rechnen daher nun damit, dass die US-Notenbank weiter rigide an der Zinsschraube drehen wird. Bei der nächsten Tagung der Fed in dieser Woche wird eine Anhebung von mindestens 75 Basispunkten erwartet, um der Geldentwertung entschieden zu begegnen. Sogar ein historisch großer Zinsschritt von gleich einem Prozent werde vom Markt nicht mehr ausgeschlossen.

Kommt der große Crash?

Die Folge: Die Sorgen vor dem großen Crash erhielten in der vergangenen Handelswoche neue Nahrung. Immer wieder wird der Vergleich zur großen Finanzkrise bemüht, die sich in der vergangenen Woche bereits zum 14. Mal jährte. Seinerzeit löste die Pleite der Investmentbank Lehman eine Kettenreaktion und einen Systemschock an den Kapitalmärkten aus.

Anno 2022 erscheint die Gefahr für viele Marktbeobachter nicht weniger augenscheinlich. So sehen einige Vermögensverwalter auffällige Parallelen im Chartverlauf zu 2008

„Keinen Bullenmarkt“, wie auch Fidelity-Analyst Jurrien Timmer. „Wenn ein KGV von 14 für 2023 die richtige Bewertung ist, dann sagt uns die einfache Mathematik, dass der faire Wert für den S&P 500 bei 3200-3400 und bei einem Gewinn je Aktie von 230 Dollar liegt. Dies deutet darauf hin, dass dieser Bärenmarkt noch nicht vorbei ist“, twittert Timmer. Aktuell notiert der marktbreite US-Leitindex bei 3873 Zählern, was einem weiteren Abwärtspotenzial von 12 bis 17 Prozent entspräche.

Droht eine neue verlorene Dekade?

Nach Einschätzung des legendären Investors müssen sich Anleger gar auf eine lange Dürreperiode einstellen. „Meiner Meinung nach gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Markt – bestenfalls – zehn Jahre lang seitwärts tendieren wird, wie er es von 1966 bis 1982 getan hat“, erklärte der 69-jährige Hedgefondsmanager in einem Interview mit Palantir-CEO Alex Karp. Die 20er-Jahre würden damit zur „Lost Decade“ werden.

In die gleiche Kerbe schlägt Fidelity-Analyst Jurrien Timmer. „Entschuldigen Sie die Enttäuschung, aber ich denke, die Analogie der 1940er-Jahre ist ein guter Spiegel für den heutigen Marktzyklus“, macht der Makro-Chef der US-Fondsgesellschaft wenig Hoffnung auf eine schnelle Erholung.

Vielmehr sieht Timmer viele Parallelen zur gebeutelten Weltkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg. „Damals, nach einem Rückgang um 26 Prozent, bewegte sich der Markt mehrere Jahre lang seitwärts, da die Nominalgewinne stabil blieben, während die Bewertungen fielen.“ Für Anleger wäre eine längere Seitwärtsbewegung in Zeiten der Crash-Sorgen vielleicht nicht einmal der schlechteste Ausblick…

Video: Apokalypse für Milliardäre: Schweizer Unternehmen baut Luxusbunker