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Blau oder grün? Streit um den besten Wasserstoff

Witsch, Kathrin
·Lesedauer: 4 Min.

Die Politik investiert Hunderte Millionen Euro in den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Experten diskutieren, ob die Herstellung CO2-frei sein muss.

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist in Deutschland in vollem Gange. Erst am Mittwoch verkündete das Bundesforschungsministerium zum Auftakt der Handelsblatt Energie-Tagung ein Investitionspaket in Höhe von 700 Millionen Euro in zukunftsweisende Projekte, und Unternehmen stellen ein Mega-Vorhaben nach dem anderen vor.

Aber obwohl sich Wirtschaft, Experten und Politik mittlerweile einig sind, dass die Energiewende ohne Wasserstoff nicht gelingen kann, gibt es noch Themen in der Umsetzung, bei denen die Meinungen weit auseinandergehen. Vor allem eine Frage spaltet: Muss Wasserstoff wirklich „grün“ sein, oder braucht es für den Übergang auch „blauen“ Wasserstoff auf Erdgasbasis?

„Wenn wir unseren CO2-Footprint reduzieren wollen, spricht nichts dagegen, blauen Wasserstoff beizumischen, denn das hilft, auch den Weg zu grünem Wasserstoff schneller zu erreichen“, argumentierte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck am Ende des ersten Tags des Handelsblatt Energie-Gipfels am Mittwochabend.

Grüner Wasserstoff ist durch den Einsatz von Ökostrom CO2-frei, bei der Produktion von blauem Wasserstoff auf Erdgasbasis dagegen entsteht CO2, das gespeichert werden muss. In Wirtschaft und Wissenschaft herrscht Streit darüber, ob die Zukunft nun allein grünem Wasserstoff gehört oder ob auch blauer Wasserstoff eine Rolle spielen soll.

Für den Bundesgeschäftsführer des Vereins Deutsche Umwelthilfe ist die Antwort klar: „Die erste Aufgabe ist, den Ausbau erneuerbarer Energien massiv zu beschleunigen, damit wir Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland haben und ihn dann auch gezielt einsetzen können“, sagte Sascha Müller-Kraenner auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel. Für ihn ist die Einfuhr von blauem Wasserstoff lediglich die „Fortführung fossiler Geschäftsmodelle“.

Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen, dabei entsteht das klimaschädliche Kohlendioxid. Es wird abgeschieden und unterirdisch gelagert (Carbon Capture and Storage, kurz CCS). Blauer Wasserstoff ist damit nach Definition des Bundeswirtschaftsministeriums klimaneutral. Grüner Wasserstoff wird mittels Strom aus erneuerbaren Quellen durch Elektrolyse hergestellt und ist CO2-frei.

Für Gaskonzerne wie Uniper und andere fossile Energieunternehmen ist blauer Wasserstoff eine Möglichkeit, auch mit fossilen Rohstoffen noch Geld zu verdienen. „Es geht nicht um Ideologie, sondern um CO2-Einsparung. Dafür müssen wir alle Wasserstoffmengen nutzen, die CO2-frei oder CO2-arm produziert werden können“, betont auch Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung des Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE).

Schließlich sehe man auf der Nachfrageseite erheblichen Druck, „da muss die Angebotsseite jetzt entsprechend nachziehen“. Er ist überzeugt, dass grüner Wasserstoff die hohe Nachfrage zunächst nicht allein erfüllen kann und das blaue Pendant deswegen „mindestens in der Hochlaufphase eine wichtige Rolle spielen wird“.

Unterstützung bekommen die Unternehmen vonseiten der Politik. Die Bundesregierung hält sich den Einsatz blauen Wasserstoffs in der Hochlaufphase in ihrer im vergangenen Juni vorgestellten Wasserstoffstrategie offiziell offen. Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter der Bundesregierung für grünen Wasserstoff, wird deutlicher: „Es ist jedem klar, dass wir in der Hochlaufphase auf blauen Wasserstoff nicht verzichten können“, ist er überzeugt.

So schnell, wie Industrie, Verkehr und Co. jetzt auf den Einsatz von klimaneutralem Wasserstoff angewiesen sind, um die nationalen und internationalen Klimaziele zu erreichen, können die notwendigen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien gar nicht ausgebaut werden.

Deswegen brauche es für den Übergang und einen schnellen Markthochlauf auch den bereits verfügbaren und günstigeren blauen Wasserstoff. Der müsse ja nicht in Deutschland hergestellt werden, „Länder wie Australien und Norwegen arbeiten aber schon längst an diesen Lösungen“.

Unternehmen wie der norwegische Equinor-Konzern verhandeln bereits mit deutschen Industriekonzernen über die Lieferung von blauem Wasserstoff. Equinor will gemeinsam mit OGE eine Infrastruktur zur Versorgung mit Wasserstoff aufbauen.

Das Unternehmen will das bei der Produktion abgeschiedene Kohlendioxid in unterirdischen Speichern in Norwegen lagern. Die Konzerne Shell und Total sind an dem bereits weit fortgeschrittenen CCS-Projekt beteiligt.

Norwegen verfügt seit mehr als 20 Jahren über Erfahrungen in der CCS-Technik, die dort auch von Umweltschutzorganisationen als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz angesehen wird. In Deutschland ist die CCS-Technologie hingegen umstritten.

Klar ist, dass die Bundesregierung schon an Partnerschaften für die Einfuhr sowohl von blauem als auch von grünem Wasserstoff arbeitet. Das gilt für Norwegen, aber auch für Projekte außerhalb von Europa. „Für die großen Mengen, die wir brauchen, werden wir uns auch über Europa hinaus um Partnerschaften kümmern müssen, zum Beispiel mit Afrika“, stellt Kaufmann klar.

Das Ziel sei dabei am Ende aber ganz klar eine rein grüne Wasserstoffwirtschaft.