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Biden-Effekt gibt Wall Street nach US-Vorwahl Auftrieb

Die US-Börsen notieren im Plus, als Reaktion auf Joe Bidens Sieg am „Super Tuesday“. Vor allem die Papiere privater Krankenkassen profitieren.

Mit Erleichterung haben Anleger auf den Sieg des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden bei den US-Vorwahlen reagiert und der Wall Street kräftige Zuwächse beschert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 4,5 Prozent höher bei 27.090 Punkten, die technologielastige Nasdaq rückte 3,9 Prozent auf 9018 vor und der breit gefasste S & P 500 4,2 Prozent auf 3130 Stellen.

„Für die Märkte sind Bidens gutes Abschneiden bei den Vorwahlen und die Erwartung von mehr geldpolitischer Lockerung weltweit wichtiger als die anhaltende Verbreitung des Coronavirus und die schlechten Wirtschaftsdaten aus China“, sagt Mohamed El-Erian, ökonomischer Chefberater der Allianz. 

Am „Super Tuesday“ hatte der zuvor abgeschlagene Biden in neun von 14 Bundesstaaten gewonnen. „Das ist Musik in den Ohren der Wall Street“, sagte Analyst Raffi Boyadjian vom Brokerhaus XM. Von Bidens moderaten Positionen habe sie weniger zu befürchten, als von der Agenda des selbst ernannten Sozialisten Bernie Sanders, der sich nun mit Biden ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nominierung als Herausforderer von US-Präsident Donald Trump liefert.

Die Sorge, dass Sanders seine Erfolgsserie am Dienstag hätte fortsetzen können, sei vergangene Woche mit ein Grund für den drastischen Einbruch gewesen, sagte der unabhängige Ökonom Ed Yardeni. „Sanders Programme beinhalten eine Reihe von Steuererhöhungen und Regulierungen, die die Wirtschaft und die Gewinne der Konzerne belasten würden“, so Yardeni. Die Markterholung am Mittwoch zeige, dass die US-Politik für die Anleger genauso wichtig ist wie die Folgen des Coronavirus.

Einzelwerte im Fokus

Haupt-Profiteure des Biden-Erfolgs waren die privaten Krankenversicherer UnitedHealth, Centene, Humana und Cigna, deren Aktien sich um bis zu knapp 16 Prozent verteuerten. Sanders tritt für eine verpflichtende staatliche Krankenversicherung ein.

Auch US-Banken dürften erleichtert über Sanders Rückschlag sein. Sanders plant, die Wall Street deutlich stärker zu regulieren und Großbanken aufzuspalten. Die Aktien von Häusern wie Branchenprimus JP Morgan Chase, Wells Fargo und Bank of America lagen mehr als ein halbes Prozent im Plus.

Ein enttäuschender Ausblick drückte Nordstrom. Die Aktien des Einzelhändlers fielen 1,7 Prozent. Das Unternehmen rechnet für 2020 mit einem Gewinn von 3,25 bis 3,50 Dollar je Aktie. Analysten hatten bislang im Schnitt mit 3,49 Dollar gerechnet. Mögliche Beeinträchtigungen durch die Coronavirus-Epidemie seien hier noch nicht eingerechnet.

Auf den Einkaufslisten standen indes Campbell. Die Aktien des für seine Dosensuppen bekannten Lebensmittel-Anbieters sprangen nach Vorlage der Quartalszahlen mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Doch Analysten warnen zur Vorsicht: Sie sorgen sich primär um die unmittelbaren Folgen der Zinssenkung vom Dienstag. „Die Fed hat die Zinsen gesenkt, die Rendite auf US-Anleihen fiel, das ist ein schlechtes Vorzeichen für Finanzaktien“, schrieben die Analysten der Investmentbank BKW in einem Bericht. 

Die Furcht vor einem weltweiten Abrutschen in eine Rezession und einem daraus resultierenden Einbruch der US-Unternehmensgewinne in diesem Jahr hat den Börsenwert der großen US-Unternehmen in den letzten zehn Tagen um 3,1 Billionen Dollar geschmälert.

Zu der positiven Stimmung trug auch der Nationale Beschäftigungsbericht von ADP bei, der zeigte, dass die privaten Lohnkosten in den USA im Februar stärker als erwartet gestiegen sind. Die Daten gelten als Vorläufer für die umfassenderen US-Arbeitsmarktdaten am kommenden Freitag.

Investoren warten gespannt auf das sogenannte „Beige Book“, dem Konjunkturbericht der US-Notenbank. Der dürfte Hinweise zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die heimische Wirtschaft bieten.