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Beatmungsgeräte statt Autos: Corona lässt Autobauer kreativ werden

GM, Ford und Tesla prüfen, ob sie Medizingeräte produzieren. So weit sind deutsche Konzerne noch nicht. Aber es gibt unkonventionelle Corona-Hilfen.

Viele Bänder in der Autoindustrie stehen weltweit still, damit sich das Coronavirus nicht noch schneller ausbreitet. Aber jetzt wollen die Unternehmen auch aktiv etwas tun. Die US-Autobauer preschen vor und bieten ihre Hilfe bei der Produktion von medizinischen Geräten an. Tesla-Chef Elon Musk hat schon mal losgetwittert: „Wir werden Beatmungsgeräte herstellen, wenn es einen Mangel gibt.“

Sowohl General Motors als auch Ford sprechen derzeit mit der US-Regierung über die Möglichkeit, statt Autos Beatmungsgeräte für die Behandlung von Covid-19-Patienten herzustellen. Noch am selben Tag, an dem alle drei großen Autokonzerne aus Detroit – GM, Ford und Fiat Chrysler – ihre Werksschließungen in Nordamerika angekündigt haben.

Die GM-Chefin Mary Barra habe der Regierung angedeutet, dass GM bereits überlege, „wie wir potenziell die Produktion von medizinischen Geräten wie Ventilatoren unterstützen können“, sagte ein GM-Sprecher. Ein Ford-Sprecher bestätigte ebenfalls Gespräche: „Ford steht bereit, der Regierung in jeder Art zu helfen, inklusive der Möglichkeit, Beatmungsgeräte oder andere Ausrüstung zu produzieren.“

Der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, Larry Kudlow, bestätigte die Gespräche gegenüber Fox News. Barra habe sogar gesagt, sie erwäge, die Menschen, die wegen des Coronavirus zu Hause sind, zurück in die Werke zu rufen, um Beatmungsgeräte zu produzieren. „Sie machen es vielleicht sogar auf freiwilliger Basis aus zivilen und patriotischen Gründen. Das ist die Art des Can-do-Spirits“, sagte Kudlow.

Da mag bei dem Schulterschluss zwischen Politik und Industrie auf der einen Seite schon der Wahlkampf und auf der anderen viel Marketing im Spiel sein, aber US- Kommentatoren ziehen beim Kampf gegen das Coronavirus schon Parallelen zur Mobilmachung während des Zweiten Weltkriegs.

Anfang dieser Woche war Großbritannien an Autobauer wie Ford, Honda und Rolls-Royce herangetreten, die zur Herstellung von Gesundheitsausrüstung einschließlich Beatmungsgeräten herangezogen werden sollen. In China wurde teilweise die Produktion von Masken und medizinischer Schutzkleidung von anderen Herstellern wie Apple-Partner Foxconn oder dem Joint Venture von GM mit chinesischen Partnern übernommen.

ZF-Mitarbeiter produzieren Atemmasken

Es mag der amerikanische Pioniergeist sein, dass die US-Firmen schon beim „Just do it“ sind, während hierzulande das „Umparken im Kopf“ noch langsam geht. Aber es gibt auch Beispiele für unorthodox handelnde Unternehmen wie etwa den drittgrößten deutschen Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen. Die chinesische Regierung schreibt vor, dass Arbeiter Atemschutzmasken tragen. Nur wer Masken hat, darf produzieren. Aber die Masken sind rasch zur Mangelware geworden.

Durch Zufall erfuhren ZF-Leute, dass im Süden Chinas eine kleine Fabrik zum Verkauf stand. China-Chef Holger Klein entschied sofort: „Wir kaufen die Anlage.“ Auf einem Lkw kutschierten die ZFler die Maschinen ins Werk Zhangjiagang bei Schanghai und bauten sie auf. Dort produzieren sie nun seit zwei Wochen 100.000 Masken am Tag. Was der Autozulieferer selbst nicht braucht, gibt er Bedürftigen oder stellt er der Regierung zur Verfügung.

Das war zwar in China, aber es dürfte bald auch hierzulande mehr Konversionsbeispiele geben. Es hat zwar etwas gedauert, aber in anderen Branchen geht es bereits voran. Der Chemieriese BASF will jetzt Handdesinfektionsmittel für die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz kostenlos herstellen, um den Engpass zu lindern. Für die Herstellung holte sich das Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums.

„Wir haben uns überlegt, wie wir die unterstützen können, auf die es jetzt ganz besonders ankommt: die Ärztinnen, Ärzte und das Pflegepersonal in den Kliniken“, sagte BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz. BASF produziert in Ludwigshafen einige der Rohstoffe, die zur Herstellung von Desinfektionsmitteln verwendet werden können. Andere notwendige Rohstoffe werden extern zugekauft.