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Bafin zieht Bilanzprüfung von Leasingfirma Grenke an sich

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Die Finanzaufsicht übernimmt die Abschlusskontrolle von der „Bilanzpolizei“ DPR. Das ist bemerkenswert, weil das Vorgehen vom Fall Wirecard abweicht.

Die Behörde geht bei Grenke einen Sonderweg. Foto: dpa
Die Behörde geht bei Grenke einen Sonderweg. Foto: dpa

Die Finanzaufsicht Bafin zieht die Überprüfung des Jahresabschlusses 2019 der Leasingfirma Grenke an sich. Der Investor Fraser Perring wirft dem MDax-Konzern Geldwäsche und Bilanzfälschung vor. Das Unternehmen weist das zurück.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe Mitte September hatte sich zunächst die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) mit der Bilanz von Grenke beschäftigt. Zwei Wochen später übernimmt jetzt die Bafin, was ein seltener Vorgang ist.

„Hintergrund ist unter anderem, dass die Aufsicht bereits eine Sonderprüfung nach Paragraf 44 Kreditwesengesetz durchführt und beide Prüfungen denselben Gegenstand betreffen“, erklärte die Bafin.

Geprüft werde unter anderem die Werthaltigkeit von Forderungen aus Leasingverträgen sowie von Geschäfts- und Firmenwerten. Darüber hinaus nehme die Bafin „Angaben zu Beziehungen und Geschäftsvorfällen mit nahestehenden Personen oder Unternehmen im Konzernanhang“ unter die Lupe.

Die Bafin geht damit anders vor als im Betrugsskandal bei Wirecard, wo die DPR wegen der schleppenden Bilanzprüfung scharf kritisiert wurde. Anders als bei Wirecard untersteht bei Grenke die gesamte Unternehmensgruppe der Aufsicht der Bafin. Deshalb kann die Bonner Behörde dort Sonderprüfungen durchführen.

Die Erklärung der Bafin zeigt jedoch, dass die Sonderprüfung nicht der einzige Grund für die Übernahme der Bilanzkontrolle ist. Die Behörde hat nach dem bisherigen Austausch mit der DPR offenbar Zweifel, dass die Prüfstelle in der Lage ist, die Situation bei Grenke umfassend aufzuklären.

Nach dem Wirecard-Skandal hatte DPR-Chef Edgar Ernst selbst erklärt, es sei nicht die Aufgabe der Prüfstelle, Bilanzbetrug aufzuspüren. „Der DPR stehen nicht die personellen und finanziellen Mittel für eine forensische Prüfung zur Verfügung“, sagte er am Mittwoch dem Handelsblatt. „Daher ergibt es Sinn, dass die Bafin diese übernimmt und mit der bereits laufenden Prüfung nach Paragraf 44 Kreditwesengesetz kombiniert.“ Eine solche Absprache ergebe auch aus Unternehmenssicht Sinn.

Mehr: Der Gründer der Grenke AG äußert sich erstmals ausführlich zu den Vorwürfen des Shortsellers Fraser Perring. Und Wolfgang Grenke bringt Klarheit in eine bisher undurchsichtige Personalie.