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Auftragseinbruch zwingt Sennheiser zu Kurzarbeit

Der Audiospezialist leidet unter Konzertabsagen weltweit. Auch Kopfhörer können nur noch online verkauft werden. Dabei war gerade erst die Krise überwunden.

Die Fertigung am Stammsitz in der Wedemark erfolgt derzeit in zwei voneinander getrennten Schichten. Foto: dpa

Im Mai vor ein Jahr war Sennheiser auf dem Eurovision Song Contest in Tel Aviv noch voll im Einsatz. Zum 30. Mal stattete der Mittelständler aus der Wedemark die Sänger auf der Bühne mit Mikrofontechnik aus, die ganze Welt schaute zu. Doch der diesjährige Song Contest in Rotterdam musste wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden, genauso wie die Welttouren internationaler Popstars und Sänger, die seit Jahren auf Tontechnik von Sennheiser schwören.

„Der Absatz von Mikrofonen ist durch die Absage von Live-Events auf der ganzen Welt massiv beeinträchtigt“, sagt Daniel Sennheiser, Co-CEO von Sennheiser, der mit seinem Bruder Andreas das Unternehmen leitet. Die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie sei durch Corona praktisch zum Stillstand gekommen.

Am Donnerstag gab Sennheiser bekannt, dass Kurzarbeit und Kostensenkungen anstehen. „Mit der Ausbreitung des Coronavirus erleben wir eine Situation, die für uns alle vor wenigen Wochen kaum vorstellbar war und die auch unser Unternehmen vor große Herausforderungen stellt“, sagt Andreas Sennheiser. Eigentlich begeht das Familienunternehmen in dritter Generation in diesem Jahr sein 75. Jubiläum. Doch durch die Coronakrise ist die Feierlaune verflogen.

Auch die Kopfhörer von Sennheiser verkaufen sich kaum noch. „Zwar werden Kopfhörer weiterhin online erworben, aber der Verkauf in Geschäften ist in vielen Ländern gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich“, sagt Andreas Sennheiser. Anfang des Jahres hat Sennheiser zunächst in China einen Umsatzrückgang verzeichnet. Dieser setzt sich nun insbesondere in Europa fort.

Rund 2 800 Mitarbeiter sind bei Sennheiser beschäftigt, davon die Hälfte in Deutschland. Alle Verwaltungs- und Vertriebsmitarbeiter in Deutschland gehen ab April in Kurzarbeit und reduzieren ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 40 Prozent. Im Ausland sind Einsparungen bei den Löhnen in ähnlicher Höhe geplant, daneben weitere Kostensenkungen. Alle leitenden Angestellten ruft das Unternehmen auf, freiwillig auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten.

Die erneute Krise ist für das Unternehmen besonders bitter, da es gerade eine schmerzhafte, aber erfolgreiche Sanierung hinter sich hat. Der Audiospezialist hatte Marktanteile und Umsatz verloren, schrieb Verluste. Die Brüder flexibilisierten die Organisation, sparten Millionen Euro und entließen Mitarbeiter. 2018 stieg der Umsatz wieder um 6,4 Prozent auf 710 Millionen Euro. Der operative Gewinn lag bei 21 Millionen Euro. Zahlen für 2019 liegen erst im Sommer vor.

Der Großteil der weltweit Sennheiser-Beschäftigten arbeitet nun im Homeoffice – allein in Europa sind dies rund 900. Die Fertigung am Stammsitz in der Wedemark erfolgt derzeit in zwei voneinander getrennten Schichten. Allerdings bereiteten Probleme mit der Lieferkette zunehmend Sorgen.

Um der eventfreien Coronakrise zu trotzen, hat Sennheiser auf Instagram eine Streaming-Konzertreihe ins Leben gerufen. Den Anfang der Initiative #DontStopTheMusic machte Musiker Mousse T.