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Wenn Arbeit mit Kollegen schwierig wird: Vier Warnsignale für ein vergiftetes Klima

·Lesedauer: 5 Min.

Einen Job zu wechseln ähnelt emotional der Trennung von einem geliebten Menschen. Manche fühlen Erleichterung, andere Schmerz. Angst, die gewohnten Menschen nicht mehr um sich zu haben. Und ähnlich kompliziert wie eine Liebe kann sich die Zusammenarbeit gestalten. Jetzt, da viele in ihre Büros zurückkehren, ihre Kolleginnen und Kollegen wieder öfter sehen, haben wir bald wieder viele Gelegenheiten, uns über einander zu ärgern.

Vielleicht helfen dann ein paar Spielregeln der Liebe. Der renommierte US-Psychologe John Gottman hat 1998 die „Vier apokalyptischen Reiter“ der Liebe formuliert. Mit ihnen konnte er vorhersagen, welche Ehen halten werden und welche nicht, indem er nur das Verhalten Frischvermählter betrachtete. Das Konzept hatte er nach Studien zu Paaren entwickelt, die er gemeinsam mit dem Psychologen Robert Levenson publiziert hatte.

Ob sich eine Scheidung tatsächlich so vorhersagen lässt, wird noch immer wissenschaftlich diskutiert. Für das Zusammenleben sind die vier Reiter dennoch spannend, denn sie können als Warnsignale dienen: Ungesunde Kritik, Rechtfertigung, Geringschätzung und Mauern schaden einer Beziehung – und das gilt auch im Büro. Doch es geht besser. Die vier Reiter der Apokalypse und was ihr gegen sie tun könnt:

Kritik

Kritik ist ein wertvolles Werkzeug. Sie lässt Menschen wachsen. Aber sie kann auch verletzen: Schuldzuweisungen und Anklagen, emotional immer weiter gesteigert, bis ein Mensch als Ganzes verurteilt wird, gehören zu den großen Giften des Zusammenlebens. Der Charakter, die Mühen, alles, was eine Person ausmacht, wird dann verurteilt. Natürlich fühlt sich das nicht gut an. Und natürlich belastet diese Form umfassender Kritik die Zusammenarbeit. Gleichzeitig ist es vollkommen überflüssig, einen Menschen zu verurteilen – wenn es doch nur um einen Fehler geht.

Klüger ist es, Bedürfnisse zu formulieren: „Ich brauche eine Daten-Aufstellung, auf die ich mich verlassen kann, sonst blamiere ich mich bei der Präsentation.“ Eine solche Formulierung stellt klar, worum es eigentlich geht: Gibt es ein Problem mit der Qualität der Arbeit, dann hat das Auswirkungen. „Räumst du hier abends nicht mit mir auf, dann muss ich es allein machen und komme zu spät zu meinem Date.“ In solchen Sätzen ist die Kritik enthalten, ohne dass die Person abgewertet wird. Die Auswirkungen und Bedürfnisse als Ich-Botschaft zu formulieren, macht sie greifbarer – und damit das ganze Gespräch konstruktiver.

Verachtung

Eine so intensive Form der Kritik hat Folgen für beide. Für den, der sie verübt, stellt sich bald das Bild einer verachtenswerten Person ein. Das Gefühl ist dann nicht mehr anlassbezogen, sondern eine Grundhaltung dem Menschen gegenüber. Aus Verachtung kann Mobbing entstehen, wenn die Täterinnen oder Täter es in Verhalten umsetzen. Verachtung ist schwer zu bekämpfen, sobald sie einmal empfunden wird. Aber sie ist ein gängiges Problem.

https://twitter.com/Izyy/status/1405428840789381120

Es reicht nicht, Formulierungen anzupassen und bewusster miteinander umzugehen. Verachtung ist ein Gefühl. Gefühle können schnell und überschwänglich entstehen, uns mitreißen. Aber sie wieder wegbekommen? Das dauert. Sobald sich ein wildes Gefühl eingenistet hat, wird es träge. Sehr, sehr träge. Es wird eine Zeit dauern, aber diese kleinen Schritte können helfen, das verachtete Team-Mitglied neu kennenzulernen:

  • Verachtende Gedanken stoppen: Wer sachlich bleibt, macht es sich selbst leichter, denn die negativen Gefühle würden das eigene Denken vergiften.

  • Kleinigkeiten wertschätzen: Wer sich antrainiert, Positives anzuerkennen, der nimmt es auch besser wahr.

  • Gefallen tun: Ja! Wirklich! Anderen einen Gefallen tun, ändert das Bild, das wir von ihnen haben, ins Positive. Ben Franklin-Effekt heißt dieser Zusammenhang, denn der Gründervater der USA hatte den Effekt in seiner Autobiografie beschrieben.

  • Persönliches erfahren: Eine persönliche Ebene kann eine sehr stabile Basis für gute Zusammenarbeit sein. Nein, die verachtete Kollegin muss nicht die neue beste Freundin werden. Aber wenn sie morgens den Kopf in die Handfläche stützt: Fragt doch mal nach, was da los ist.

Rechtfertigung und Verleugnung

Jeder Mensch hat das Recht, sich gegen Kritik zu verteidigen. Kritik fühlt sich oft wie ein Angriff an, auch wenn sie nicht so gemeint ist, auch wenn sie konstruktiv ist, auch wenn sie hilft. Entscheidend für eine zwischenmenschliche Beziehung ist laut Gottman aber, wie dann mit der Kritik umgegangen wird. Verteidigung, Leugnen der eigenen Schuld oder des eigenen Anteils an Problemen und kategorische Abwehr von Kritik schaden der Beziehung. Wer direkt den Anteil des Kollegen sucht, der schlägt den Ball zurück – und schafft damit eine Wettbewerbssituation. Im Team bleibt das Stresslevel hoch – ein Streit entsteht.

Verantwortung ist die Antwort. Wer anerkennt, dass er oder sie einen Anteil an der Situation hat, der kann auch dazu beitragen, einen Konflikt zu lösen. Diese Verantwortlichkeit stärkt übrigens gleichzeitig das Standing in einem Team. Sie zeugt von Haltung und Stärke, Lernbereitschaft und von dem Willen, sich der Sache unterzuordnen.

Mauern

Mauern ist eine Flucht, eine Vermeidungsreaktion. Ein Mensch zieht sich zurück, errichtet eine unsichtbare Wand um sich und ist nicht mehr ansprechbar. Dieser Rückzug macht die Lösung des Konflikts unmöglich. Die Eskalation mag dadurch zwar aufgeschoben sein: Kommen wird sie dennoch.

Konstruktiv ist Mauern also nicht. Aber nicht jeder Mensch ist dazu bereit, einen Konflikt sofort auszutragen. Hier könnten also unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen: Ein Team-Mitglied möchte die Situation klären, das andere braucht etwas Zeit, um sich zu beruhigen. In dieser Situation können beide verabreden, das Gespräch bald zu führen – nur eben nicht sofort.

Auch Bewegung kann helfen. Ein Spaziergang löst die Zungen. Wer draußen geht, hat im Gespräch mehr Zeit, sich Antworten zu überlegen. Die Enge eines Büros erlaubt dies manchmal nicht. Draußen ist Platz zum Denken: Die Blicke können wandern, das Gesehene und Erlebte verbindet die Streitenden. So fällt es leichter, unterschiedliche Streit-Bedürfnisse zusammen zu bringen.

Im Job und in der Liebe ist doch nicht alles erlaubt

… zumindest nicht, wenn beides erhalten bleiben soll. Manche Verhaltensweisen schleichen sich ein und vergiften nach und nach das Zusammenleben. Wenn Menschen in ihre Büros zurückkehren, müssen sie das gemeinsame Büroleben neu lernen.

In der Zwischenzeit haben sich Bedürfnisse verändert, vielleicht sogar Grundeinstellungen dem Leben gegenüber. Wer früher bereit zu jeder Überstunde war, legt vielleicht plötzlich Wert auf den pünktlichen Feierabend. Wer früher gern diskutierte, ist vielleicht von den Corona-Strapazen so geschlaucht, dass er Konflikte jetzt eher scheut. Gottmans Warnsignale der Liebe können dazu beitragen, ein gutes Team-Klima zu erhalten.

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