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Anti-Geldwäsche-Behörde FIU plant Hunderte neue Stellen

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Die bisher 475 Stellen der FIU zur Bekämpfung von Geldwäsche sollen auf rund 800 aufgestockt werden. Damit reagiert die Einheit auf strukturelle Probleme.

Seit dem Start der FIU waren immer wieder Berichte über fehlendes Personal und unbearbeitete Fälle öffentlich geworden. Foto: dpa
Seit dem Start der FIU waren immer wieder Berichte über fehlendes Personal und unbearbeitete Fälle öffentlich geworden. Foto: dpa

Die beim Zoll angesiedelte Financial Intelligence Unit (FIU) wird deutlich verstärkt. Die Behörde, deren Aufgabe es ist, unter anderem von Banken abgegebene Geldwäscheverdachtsmeldungen zu analysieren und zu filtern, soll binnen zwei bis drei Jahren von aktuell 475 auf rund 800 Stellen ausgebaut werden, wie ihr Leiter Christof Schulte der „Börsen-Zeitung“ sagte.

Im September dieses Jahres hatte die internationale „Financial Action Task Force“ (FATF) ihre Deutschlandprüfung gestartet. Doch seitdem waren immer wieder Berichte über fehlendes Personal und unbearbeitete Fälle öffentlich geworden. Es hieß, dass die Behörde zu ineffizient sei und ein Sicherheitsrisiko darstelle. Meldungen würden zu spät oder gar nicht an die Strafverfolgungsbehörde weitergegeben.

Umstrukturierungen sollen diese Probleme nun beheben: Zuerst baute die Behörde intern um und machte aus zwei sieben Referate. „Es ist eine schlanke Struktur, in der Aufgaben fachlich sinnvoll zusammengeführt wurden“, erklärt Schulte. „Dieser Umbau ist beendet. Aber nach dem Umbau ist vor dem Umbau.“

Als nächsten Schritt plant die FIU, ihr Personal in den nächsten drei Jahren fast zu verdoppeln. Insgesamt 800 Mitarbeiter sollen in Zukunft für die Zollbehörde arbeiten. „Wir wären mit der künftigen Ausbaustärke, die zurzeit noch politisch in Planung ist, eine der größten, wenn nicht sogar die größte FIU weltweit“, erklärt Schulte.

Die neuen Mitarbeiter würden „zu einem guten Teil“ von Banken kommen, zum anderen Teil von der Zollverwaltung. Der bisherige Behördenstandort in Köln-Dellbrück dürfte damit bald zu klein werden. Deshalb wird die FIU „ihren Hauptsitz voraussichtlich in einem neuen, ausreichend großen Standort in Köln haben“, erklärte Schulte.

„All-Crimes-Ansatz“ bedeutet weitere Arbeit für FIU

Zusätzlich zu den Mitarbeitern soll auch künstliche Intelligenz die Unit in Zukunft bei der Geldwäschebekämpfung unterstützen. Eine entsprechende Software soll Meldungen mit sogenannten „Risikoschwerpunkten“ herausfiltern und somit helfen, die Flut der Verdachtsmitteilungen zu bewältigen.

Die Zahl der eingegangenen Meldungen hat sich zwischen 2015 und 2019 mehr als verdreifacht und könnte in den nächsten Jahren weiter steigen. Grund dafür ist ein neues Gesetz der Bundesregierung, das die Arbeit der Ermittler stärken soll. Nach dem sogenannten „All-Crimes-Ansatz“ soll künftig jede Form der Geldwäsche auch juristisch als Geldwäsche eingestuft werden und nicht nur diejenigen Arten, die im Gesetzeskatalog explizit aufgezählt werden, wie beispielsweise Einnahmen aus Drogen- oder Menschenhandel.

Wie viel Mehrarbeit auf die Behörde durch den neuen Ansatz tatsächlich zukommt, kann Schulte selbst noch nicht einschätzen. „Das lässt sich aus meiner Sicht nicht seriös quantifizieren, denn wie gesagt, ich frage mich, welche Sachverhalte eine Bank künftig als meldungsrelevant ansieht, die sie bislang nicht gemeldet hat.“