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Angst vorm Schlachter: "Goodbye Deutschland!"-Kultauswanderin bangt um ihre Kamele

Carmen Schnitzer
·Lesedauer: 4 Min.

"Goodbye Deutschland!"-Auswanderin Ursula Musch, genannt "Kamel-Uschi", ist in Dubai eine Institution, die selbst den Herrscher des Arabischen Emirats beeindrucken konnte und zu der Mega-Stars wie 50 Cent Ausflüge machten. Doch Corona hat auch sie hart erwischt, wie die VOX-Doku zeigte.

Ursula Musch, genannt "Kamel-Uschi".
Ursula Musch, genannt "Kamel-Uschi".

"Kamel-Uschi gibt in ihrem Leben nie auf!", erklärte "Goodbye Deutschland!"-Auswanderin Ursula "Uschi" Musch und lachte fröhlich in die VOX-Kameras. Immerhin habe sie in ihrer Wahlheimat Dubai schon mal eine Wirtschaftskrise durchgestanden. Doch würde sie ihren Optimismus diesmal behalten können?

Seit über 20 Jahren lebt die Schwäbin in dem Arabischen Emirat und ist ihre Auswanderung, anders als viele der sonst in der Sendung Porträtierten, alles andere als naiv angegangen. Seit 1988, noch bevor Dubai zum Touristen-Hotspot wurde, hatte sie hier immer wieder Urlaub gemacht, eine große Liebe zu Land, Leuten und Kultur entwickelt sowie enge Freundschaft mit einer einheimischen Kamelzüchter-Familie geschlossen, bevor sie ihre Koffer packte und Deutschland Lebewohl sagte.

Star-Besuch in der Wüste

Ihr erstes Kamel bekam sie von besagter Familie geschenkt und begann auf deren Land mit dem Züchten der Tiere. Sie lernte Arabisch, das sie heute mit schwäbischem Akzent fließend spricht, und entwickelte sich zur gefragten Kamel-Expertin. Ein Werdegang, der sogar Dubais Herrscher schwer beeindruckte. 2016 teilte Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktoum der Deutschen ein Stück Land zu, auf dem sie ihren Traum von einer eigenen Farm verwirklichen konnte.

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Abseits von massentouristischen Wüstentouren bot sie hier authentische Beduinenabende mit begrenzter Personenzahl an, inklusive Kamelritten und traditioneller arabischer Küche. Die Qualität ihrer Veranstaltungen sprach sich auch zu internationalen Berühmtheiten herum, zuletzt besuchte sie US-Rapper 50 Cent.

"So viel Herzblut ..."

Doch dann kam Corona und die märchenhafte Erfolgsstory drohte zum Albtraum zu werden. Denn Dubai verhängte einen der strengsten Lockdowns der Welt, und Uschis Geschäfte kamen für Monate vollständig zum Erliegen. Die rund 30 Kamele sowie ihre Ziegen aber wollten weiter versorgt werden, auch für ihre langjährigen Mitarbeiter fühlte Uschi sich verantwortlich. An die 2.000 Euro brauchte sie monatlich für die Farm, lange würden ihre Ersparnisse dafür nicht reichen. Spätestens Ende des Jahres musste es wieder aufwärts gehen, sonst würde sie die Farm aufgeben müssen.

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Aufgeben? Eigentlich nicht ihre Art, aber jetzt musste sie diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Zwei Hunde, würde sie mit nach Deutschland nehmen, darüber, was mit ihren Kamelen geschehen würde, wollte sie kaum nachdenken: "Da hängt so viel Herzblut dran." Das gilt auch für die alten Tiere: "Der Einheimische hier würd' sie zum Schlachter geben. Aber ich sag' mir: Die haben für mich 20 Jahre gearbeitet, die kann ich nicht zum Schlachter bringen."

Endlich wieder Gäste

Stattdessen entschloss sie sich zum Verkauf zweier Jungtiere, die Rennkamele werden sollen. Eine Zitterpartie, denn der potenzielle Käufer wollte die Kamele erst einige Wochen trainieren und ihr Abschneiden bei Testrennen abwarten. Doch einen Lichtblick gab es bereits vorher: Im Spätherbst wurden die Corona-Maßnahmen gelockert, kleinere Events von bis zu 30 Leuten waren unter Auflagen wieder erlaubt - und prompt gab es die erste Buchung seit acht Monaten.

Der Kindergeburtstag einer deutschen Auswandererfamilie kostete Uschi zwar einiges an Nerven, etwa als die aufgedrehten Kinder die Kamele nervös machten oder einige der Erwachsenen ohne Absprache in ihren Jeeps durch die Dünen heizten - nicht erlaubt in diesem Gebiet mit seinen vielen Farmen und frei lebenden Gazellen. Doch immerhin spülte die Feier Geld in die Kasse. Leider nicht genug.

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Schweren Herzens entschloss sich Uschi zum Verkauf zweier älterer Kamele, die sie vor nicht allzu langer Zeit selbst gekauft hatte. "Die, die über zwei, drei Jahre da sind, die kann ich nicht mehr verkaufen, das bricht mir's Herz." Dennoch: Auch diese ließ sie ungern gehen: "Ich will auch gar nicht wissen, wo sie hinkommen ..." Der Verkauf aber sicherte zwei Monate Futter für die anderen Tiere - bei zweien weniger, die versorgt werden mussten. Und so wird Uschi weiter kämpfen - für ihren Traum und ihre heißgeliebten Tiere.

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