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Anfang einer Übernahmewelle: SellerX schluckt wichtigen US-Rivalen

Wollen die Konsolidierung unter den Shopaufkäufern anführen: Markensammler: Die SellerX-Gründer Philipp Triebel und Malte Horeyseck - Copyright: Sellerx
Wollen die Konsolidierung unter den Shopaufkäufern anführen: Markensammler: Die SellerX-Gründer Philipp Triebel und Malte Horeyseck - Copyright: Sellerx

Während der Pandemie investierten VCs dreistellige Millionensummen in Startups, die auf Amazon gut laufende Einzelmarken aufkauften und die dahinter stehenden Prozesse bündelten. Die Wette: Solche Firmen könnten beim durch die Lockdowns angespornten Online-Boom schnell zu Sales-Giganten werden. Doch dann kam alles anders, mit dem Ende der Pandemie flachte der Online-Boom wieder deutlich ab, und mit ihm die Perspektiven für das Geschäft der Amazon-Shop-Aufkäufer. Derzeit mehren sich die Signale für weiteres Wachstum.

Als eines der deutschen Startups, das sich diesem Konzept verschrieben hat, musste zum Beispiel SellerX im Summer 2022 Dutzenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kündigen. Beim Konkurrenten Berlin Brands Group wurde die Marktveränderung noch deutlicher, insgesamt mussten dort rund 100 Beschäftigte gehen. Schon damals zeichnete sich ab: Den hochfinanzierten Firmen steht eine Konsolidierung bevor. Nur so werden sich die erhofften Skalierungseffekte erreichen lassen.

Zusammenschluss von SellerX und Elevate Brands

Der Berliner Shop-Aufkäufer SellerX will diesen Konsolidierungsprozess nun aktiv gestalten. Das von Philipp Triebel und Malte Horeyseck im Jahr 2020 gegründete Unternehmen, in das rund 710 Millionen Euro (765 Millionen US-Dollar) geflossen sind – auch in Form von Krediten –, übernimmt den US-Wettbewerber Elevate Brands aus New York. Das fusionierte Unternehmen verfügt nach Angaben von SellerX über ein Portfolio von über 80 Marken mit zusammen 40.000 Konsumgütern, der Umsatz werde bei über 400 Millionen Euro liegen. Geführt wird die neue SellerX Group von Triebel und Horeyseck, Elevate-CEO Ryan Gnesin wird in der Gruppe den Titel President tragen.

Gleichzeitig pumpen die bisherigen Investoren weitere 60 Millionen Euro in das zusammengeführte Unternehmen. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Sofina, außerdem beteiligen sich unter anderem die bekannten VCs Cherry Ventures, Felix Capital oder 83North. Parallel wurden die von Blackrock und Victory Park Capital verwalteten Kreditlinien aufgestockt, mit dem zusätzlichen Kapital will sich SellerX für weitere Übernahmen bereit machen.

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Geht man nach dem Finanzierungsvolumen, ist SellerX nach der Übernahme der zweitgrößte Shop-Aufkäufer der Welt, wie Bloomberg schreibt. Noch größer ist nur das US-Vorbild Thrasio, das den Markt bereitet hat. Ebenfalls ein riesiger Player in diesem Markt ist die wie SellerX aus Berlin stammende Razor Group. Auffällig dabei: Gleich mehrere große Investoren haben sich bei den beiden Berliner Wettbewerbern engagiert, neben Blackrock und Victoria Park Capital etwa die Investmentgesellschaften L Catterton oder Upper90. Hier könnte sich also ein weiterer Konsolidierungsschritt abzeichnen.

Folgt bald der nächste Konsolidierungsschritt?

Denn auch bei der Razor Group macht sich das einknickende Online-Kaufverhalten deutlich. Investor BlackRock teilte im Februar mit, dass es den Wert der Razor Group abgeschrieben hat – was zu einem Vermögensrückgang des Investmentunternehmens im vierten Quartal beitrug. Um deutlich zu machen, welche Summen im Spiel sind: Thrasio hat insgesamt 3,2 Milliarden Euro aufgenommen, die Berlin Brands Group 1,2 Milliarden Euro und die Razor Group knapp eine Milliarde Euro. Auch wenn jeweils nur ein Teil davon Wagniskapital ist – neben Darlehen –, wird der Druck der Investoren deutlich, beim Konsolidierungswettbewerb die Nase vorn zu behalten.

Was hinzu kommt: Hinter L Catterton, gemeinsamer Investor bei SellerX und der Razor Group, steht der Französische Milliardär Bernard Arnault. Der war in den 1980er Jahren Mitbegründer von LVMH und ist dessen CEO und Vorsitzender. Das französische Luxuskonglomerat besitzt eine Reihe von Marken aus den Bereichen Mode, Parfüm, Schmuck, Uhren und Alkohol – darunter Luis Vitton, Marc Jacobs, Givenchy, Moët & Chandon, Fenty Beauty und Tiffany & Co. Die Strategie von L Catterton besteht darin, Unternehmen zusammenzubringen, die über Erfahrungen mit E-Commerce-Akteuren auf verschiedenen Märkten verfügen.