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André Sombecki wird neuer Finanzchef von Weidmüller

Vorstandssprecher Jörg Timmermann verlässt das ostwestfälische Familienunternehmen. Auf ihn folgt Ex-Benteler-Manager André Sombecki – aber nur als CFO.

Aller guten Dinge sind drei – das gilt auch für den Elektrotechnikhersteller Weidmüller aus Detmold. Wie das Unternehmen in dieser Woche mitteilte, wechselt der frühere Benteler-Manager André Sombecki mit sofortiger Wirkung als Finanzchef in den Vorstand des ostwestfälischen Familienunternehmens. Damit ernennt der Aufsichtsrat das dritte neue Vorstandsmitglied in nur anderthalb Jahren.

Sombecki folgt auf den bisherigen Vorstandssprecher und CFO Jörg Timmermann, der das Unternehmen im Februar nach vier Jahren auf eigenen Wunsch verlässt. In den Monaten zuvor waren bereits Vertriebschef José Carlos Álvarez Tobar sowie Digitalchefin Elke Eckstein ausgeschieden.

Zusammen mit Volker Bibelhausen (CTO) und Timo Berger (Vertrieb) komplettiert Neu-Finanzchef Sombecki nun das neue Führungsteam von Weidmüller. Managementerfahrung sammelte Sombecki unter anderem bei ABB/Alstom und General Electric.

Zuletzt arbeitete der Vater zweier Kinder als Geschäftsführer und Finanzchef beim Paderborner Familienunternehmen Benteler, wo er in den vergangenen sechs Jahren für den Geschäftsbereich Stahl und Rohre verantwortlich zeichnete.

Anders als sein Vorgänger wird Sombecki bei Weidmüller allerdings keine Doppelrolle einnehmen: Der Posten des Vorstandssprechers wird mit dem Ausscheiden von Timmermann von Technologievorstand Bibelhausen übernommen. Timmermann selbst wiederum heuert als Geschäftsführer beim ostwestfälischen Maschinenbauer Kraft an, um sich bei dem Familienunternehmen auch unternehmerisch zu betätigen.

„Auch wenn wir Herrn Timmermanns beruflichen Schritt gut verstehen, bedauern wir persönlich seine Entscheidung außerordentlich“, teilte Aufsichtsratschef Christian Gläsel mit, dessen Familie Alleineigentümer des Unternehmens ist.

„Herr Timmermann hat als Vorstandssprecher und Finanzvorstand mit viel unternehmerischem Geschick, motivierendem Führungsstil und strategischem Weitblick den Erfolg der Weidmüller Gruppe in den letzten vier Jahren maßgeblich gestaltet.“

Fokus auf Technologien

Ein strategischer Richtungswechsel soll mit der personellen Neuordnung nicht einhergehen. „Weidmüller wird den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg mit voller Motivation weitergehen“, sagte Gläsel. In den vergangenen Jahren hatte der Vorstand das Geschäft stark auf digitale Technologien ausgerichtet und dabei auch eigene Software für die Analyse von Maschinendaten und vorausschauende Wartung entwickelt.

Über das traditionelle Geschäft mit Reihenklemmen hinaus positionierte sich Weidmüller so als Anbieter digitaler Industrie-4.0-Technologien – und wurde dafür unter anderem 2018 mit dem „German Innovation Award“ ausgezeichnet.

Im Kerngeschäft allerdings hatte Weidmüller zuletzt Gegenwind zu verkraften. Angesichts der abflauenden Konjunktur rechnet das Unternehmen für das abgelaufene Jahr nur noch mit einem leichten Wachstum, nachdem der Umsatz in den vergangenen Jahren durchaus auch mal zweistellig gewachsen ist.

2018 hatte Weidmüller einen Rekordumsatz von 820 Millionen Euro zu vermelden. Die Zahlen für 2019 wird das Unternehmen im April auf der Hannover Messe veröffentlichen. Größere Turbulenzen sind bis dahin für den neuen Finanzchef Sombecki jedoch nicht zu erwarten.

Mit Investitionen in neue Geschäftsfelder wie der Elektromobilität und in wachstumsstarke Märkte wie Asien hat Weidmüller Ende des vergangenen Jahres bereits die Grundsteine für die zukünftige Geschäftsentwicklung gelegt.

Für 2020 rechnet der Konzern zwar noch mit niedrigen einstelligen Wachstumsraten. Ab Jahresmitte soll es für Weidmüller jedoch wieder aufwärtsgehen. „Wir haben 2019 viel Kompetenz aufgebaut“, erklärte Timmermann vor wenigen Wochen beim traditionellen Jahresabschlussgespräch von Weidmüller in Detmold. „Wenn der Markt zurückkommt, sind wir bereit.“ Zumindest gilt das für die neue Führung des Unternehmens.