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In dem Aktienmarkt will keiner Short sein: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Jan-Patrick Barnert über den Aktienmarkt im Wonnemonat. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Don’t sell in May

Die europäischen Aktienmärkte, angeführt vom Dax, erreichen wieder neue Höchststände, getrieben von der festen Erwartung baldiger Zinssenkungen, gepaart mit optimistischen technischen und gesunden fundamentalen Daten. Im Moment hat man den Eindruck, dass niemand längerfristig gegen diese Hauptströmung positioniert sein möchte und Shorts, wenn überhaupt, nur von kurzer taktischer Dauer sind.

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Charttechnisch ist der Weg nach oben relativ frei und die Marktbreite im Sinne überkaufter Titel ist wenig bis gar nicht hinderlich. Die bisherige Berichtssaison deutet auf eine Fortsetzung der positiven Gewinnrevisionen und eine Verbesserung des Gewinns je Aktie in den nächsten 12 Monaten hin, so die Strategen der Citigroup.

„Der Euro Stoxx 50 Index notiert wieder über der 5.000-Punkte-Marke und fordert seinen kurzfristigen Widerstand bei rund 5.035 Punkten zum dritten Mal heraus“, sagt der technische Analyst von ActivTrades Pierre Veyret. „Ein bullischer Ausbruch über dieses Niveau würde kurzfristig die Türen für eine ausgedehnte Marktrally in Richtung des letzten historischen Hochs über 5.110 Punkten öffnen.“

Jetzt muss nur noch die EZB den Traum von Zinssenkungen wahr machen, dann könnte 2024 ein weiteres Jahr mit starker Performance werden. Wie immer besteht auf diesen Niveaus ein größeres Restrisiko für Enttäuschungen, und da die Engagements in Euro Stoxx 50- und DAX-Futures fast wieder das Niveau von vor einem Monat erreicht haben und die Positionierung in europäischen Aktien optimistisch ist, sind Gewinnmitnahmen jederzeit möglich, sollte sich die Stimmung aus irgendeinem Grund ändern.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Stephan Kahl: Symbolisch, schrittchenweise höher, Deka liebt Büros, langer Kampf, und offline.

Symbolisch

Die US-Regierung wird die Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge vervierfachen und auch die Abgaben für Produktimporte aus anderen Schlüsselindustrien der Volksrepublik drastisch erhöhen. Wie zu hören ist, soll die Importabgabe auf E-Autos aus dem Reich der Mitte von 27,5% auf 102,5% steigen. Andere Zölle für Produkte in bestimmten Branchen sollen sich verdoppeln oder verdreifachen, heißt es. Präsident Joe Biden wird die Maßnahmen dem Vernehmen nach im Wochenverlauf vorstellen. China ist in den betroffenen Sektoren indessen nicht auf Exporte in die USA angewiesen, womit die Pläne Washingtons vor allem symbolischen Charakter haben. Das Weiße Haus wollte sich zum Thema nicht äußern. Das chinesische Außen- und Handelsministerium reagierte nicht sofort auf Bitten um Stellungnahme. Die Aussichten Bidens, im November wiedergewählt zu werden, werden laut einer neuen Umfrage für die Financial Times unter anderem durch die anhaltenden Sorgen der Wähler über die Inflation geschmälert. Zudem kritisieren inzwischen 58% seine Wirtschaftspolitik.

Schrittchenweise höher

Von Bloomberg befragte Ökonomen haben ihre Konjunkturprognose für die Eurozone leicht erhöht und auch die Schätzungen für Deutschland minimal angehoben. Im Währungsraum soll es 2024 nun um 0,7% nach oben gehen — im vergangenen Monat lag der Konsens noch bei 0,5%. Das BIP-Wachstum in Deutschland wird jetzt auf 0,2% taxiert, nach 0,1%. Unter den großen Vier wird Spanien das kräftigste Wachstum zugetraut. Hinsichtlich EZB-Zinspolitik rechnen die von Bloomberg befragten Ökonomen bis zum Jahresende mit drei Senkungen des Einlagensatzes um je einen Viertelpunkt. Die Erwartung deckt sich damit in etwa mit den Einschätzungen der Anleger am Geldmarkt. Derzeit liegt der Einlagensatz bei 4%. Die aktuell vorliegenden Daten zu den Tariflöhnen deuten laut BI auf eine Steigerungsrate von 4,3% im ersten Quartal und damit nur eine leichte Abschwächung gegenüber den 4,5% vom Schlussquartal 2023 hin. Das werde eine erste EZB-Lockerung im Juni wohl nicht verhindern, aber im Juli wohl für eine Zinspause sorgen. Zumal die Tariflöhne die vollständige Lohnentwicklung in der Vergangenheit meist unterzeichnet hätten.

Deka liebt Büros

Bei Büroimmobilien überwog zuletzt Pessimismus am Markt. Hohe Kosten der Finanzierung und das Homeoffice setzten dem Segment stark zu. Mancherorts schienen die Preise im freien Fall zu sein, vor allem in den USA. Rette sich, wer kann! Die DekaBank, mit einem Immobilienvermögen von rund 50 Milliarden Euro einer der größten deutschen Investoren, schlägt nun ganz andere Töne an. Büro-Objekte seien weiter sehr attraktiv, sagte Deka-Vorstand Matthias Danne im Interview mit Bloomberg News. Er sieht vor allem Chancen. Die Preise für Büroimmobilien erreichten langsam ein attraktives Niveau. Und so hat die DekaBank in den vergangenen Monaten bereits wieder in diesem Segment zugekauft, zum Beispiel in Dublin. Danne hofft auf eine Situation wie 2009, als sein Haus einige seiner besten Investments in Büroimmobilien tätigte. Damals kamen viele Objekte während der Finanz- und Immobilienkrise günstig auf den Markt. Und so schaut sich die Deka derzeit zum Beispiel auch in den USA um, wo vielleicht die größten Schnäppchen lauern. Lukrative Deals aus notleidenden Immobilien-Investments in Europa will unterdessen die Private-Equity-Firma Patron Capital aufspüren, die 860 Millionen Euro eingesammelt hat.

Langer Kampf

Präsident Wladimir Putins überraschende Umbesetzung seines Verteidigungsteams am Sonntagabend wird als Entschlossenheit interpretiert, Russlands Kriegswirtschaft auf einen langen und sich verschärfenden Konflikt mit dem Westen in der Ukraine vorzubereiten. Putin ernannte seinen Ex-Wirtschaftsberater und Ersten Vizepremier Andrej Belousow, 65, zum neuen Verteidigungsminister. Er löst den 68-jährigen Sergej Schoigu ab, der seit 2012 Verteidigungsminister war. “Hier geht es um den ‘Gosplan’ im militärisch-industriellen Komplex”, so Tatjana Stanowaja, Gründerin der Beratungsfirma R.Politik, in Anspielung auf das staatliche Planungssystem aus der Sowjet-Ära. Kreisen zufolge hat Putin das Beispiel des Ex-US-Verteidigungsministers Robert McNamara vor Augen, der während des Vietnamkriegs das militärische Beschaffungswesen umkrempelte. Auch die Frustration über die Unfähigkeit des Militärs, in der Ukraine schnelle Erfolge zu erzielen, könnte bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Derzeit verstärkt Russland mit bis zu fünf Bataillonen den Druck in der Region Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine.

Offline

Christie’s hat eine für den heutigen Montag geplante Uhrenversteigerung in Genf verschoben und dabei auf technische Probleme bei der Webseite des Hauses verwiesen. Bei der Auktion “Rare Watches” sollten Uhren von Rolex, Audemars Piguet und FP Journe aus der Sammlung des ehemaligen Formel-1-Piloten Michael Schumacher unter den Hammer kommen. Ein Christie’s-Sprecher teilte mit, bei den Systemen des Hauses sei am Freitag ein “technisches Sicherheitsproblem” aufgetreten. Die Webseite ist bis auf eine Minimalversion noch immer vom Netz. Christie’s stellt jedoch alternative Links für Kunden und potenzielle Bieter zur Verfügung, über die sie die kommenden Auktionskataloge einsehen können. Wenn es eine Uhr von Rambo sein soll: Am 5. Juni lässt Sylvester Stallone bei Sotheby’s elf Zeitmesser versteigern, darunter auch eine ultra-seltene Patek Philippe Grandmaster Chime, die ursprünglich für rund 2,5 Millionen Dollar über den Ladentisch ging.

Was sonst noch passiert ist

  • Verlorene Banken

  • Vive la France

  • Unstillbarer Öldurst

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