Deutsche Märkte geschlossen

Aktien Frankfurt: Schwächer erwartete US-Börsen belasten den Dax

·Lesedauer: 4 Min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag im Handelsverlauf zunehmend nachgegeben. Schwacher Daten des ZEW-Wirtschaftsinstituts zum Trotz hielt sich der Dax zunächst recht stabil. Am frühen Nachmittag dann kam etwas Druck auf, denn in den USA dürfte die Wall Street mit Verlusten in den Tag starten. Der deutsche Leitindex <DE0008469008> verlor zuletzt 1,00 Prozent auf 13 007,30 Punkte und fiel damit auf sein Tagestief. Der MDax <DE0008467416> der 60 mittelgroßen Börsentitel sank um 0,96 Prozent auf 27 890,19 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> büßte 0,61 Prozent ein.

Dass die US-Börse schwächer eröffnen dürfte, begründeten Börsianer vor allem mit ihrem bereits seit einigen Handelstagen sehr guten Lauf, obwohl es nach wie vor keine politische Einigung auf ein weiteres Corona-Hilfspaket gab.

Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, trübten sich im Oktober die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten stark ein. Der Indikator fiel auf 56,1 Punkte. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings auf 72,0 Punkte, nach 77,4 Punkten im September. "Die an Intensität gewinnende zweite Corona-Infektionswelle trübt nun auch den wirtschaftlichen Ausblick ein", schrieb Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Zudem dürften Unsicherheiten, wie es nach den US-Präsidentschaftswahlen weitergeht, eine gewisse Rolle gespielt haben. Gitzel zufolge wird zunehmend deutlicher, dass die Herbst- und Wintermonate für die deutsche Wirtschaft schwierig werden.

Unter den Einzelwerten zählten im Dax die Papiere von Beiersdorf <DE0005200000> mit plus 0,5 Prozent zu den Favoriten, während Henkel <DE0006048432> um 1,3 Prozent nachgaben. Bernstein nahm die Aktie des Nivea-Herstellers mit "Outperform" in die Bewertung auf und die von Henkel mit "Underperform". Analyst Bruno Monteyne verwies in der Branchenstudie auf die große Bedeutung einer nachhaltigen Preissetzungsmacht, da diese die Ertragskraft bestimme.

Schlusslicht waren die Aktien von Bayer <DE000BAY0017> mit minus 1,7 Prozent. Sie wurden von Barclays auf "Equal Weight" abgestuft und das Kursziel von 75 auf 50 Euro gesenkt. Die relativ schwache Entwicklung des europäischen Pharmasektors im dritten Quartal dürfte sich im Oktober fortsetzen, erwartet Analystin Emily Field. Der verdüsterte Ausblick von Bayer auf 2021 habe den Papieren den Wind aus den Segeln genommen.

Im MDax indes ging es für die Anteilsscheine von Morphosys <DE0006632003> um 5,6 Prozent abwärts. Eine mögliche Anteilsverwässerung belastete die Aktien des Biotech-Unternehmens. Das Unternehmen will eine Wandelanleihe im Volumen von 325 Millionen Euro begeben. Die Aktien von Fraport <DE0005773303> verloren angesichts eines Rückschlags bei der Erholung des Passagieraufkommens im September 4,1 Prozent. Der Biotechkonzern Qiagen <NL0012169213> rückte am Nachmittag mit vorläufigen Quartalszahlen in den Blick, die Aktien sackten um 4,7 Prozent ab.

Um 2,8 Prozent sanken die Aktien von Gerresheimer <DE000A0LD6E6>. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach gemischt ausgefallenen Zahlen zum dritten Geschäftsquartal.

Evotec <DE0005664809> indes reagierten mit Kursgewinnen von 3,7 Prozent auf die Nachricht über einen neuen Großaktionär. Die Kapitalerhöhung im Zuge des Einstiegs des Staatsfonds von Abu Dhabi störte die Anleger angesichts des neuen, langfristig engagierten Großaktionärs wenig.

Analystenstudien bewegten zudem die Papiere von Airbus <NL0000235190>, Telefonica Deutschland <DE000A1J5RX9> und Teamviewer <DE000A2YN900>. Die US-Bank JPMorgan senkte ihr Anlageurteil für den Flugzeugbauer auf "Underweight" und kappte das Kursziel, was den Airbus-Aktien ein Minus von 2,3 Prozent einbrockte.

Die Anteilsscheine des Mobilfunkunternehmens wurden von JPMorgan zugleich weiter zum Kauf mit einem auf 3,60 Euro angehobenen Kursziel empfohlen. Um 2,0 Prozent ging es zuletzt für diese Papiere hoch. Teamviewer profitierten ebenfalls mit plus 3,1 Prozent von einer Kaufempfehlung der Commerzbank.

Der Euro <EU0009652759> wurde am frühen Nachmittag zu 1,1791 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1799 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,55 Punkten am Vortag auf minus 0,56 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,05 Prozent auf 146,00 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> legte um 0,01 Prozent auf 174,84 Punkte zu./ck/men

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---