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Aktien Frankfurt Ausblick: Leichte Erholung nach Ausverkauf erwartet

FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein von den USA avisiertes Hilfspaket gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus könnte am Dienstag die Aktienmärkten beruhigen. Am deutschen Markt zeichnet sich nach dem vorangegangenen schwarzen Börsenmontag zurzeit eine kleine Erholung ab. Wenige Stunden zuvor noch war der Dax im weiteren freien Fall bei 10 200 Punkten erwartet worden.

Aktuell, eine Dreiviertelstunde vor dem Börsenstart, signalisiert der X-Dax <DE0008469008> als vorbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex ein Plus von 2,7 Prozent auf 10 915 Punkte. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> wird mit einem ähnlichen Plus von 2,2 Prozent erwartet. Die Futures auf US-Aktienindizes, die zuvor noch kräftig nachgegeben hatten, zogen ebenfalls an.

"Trump gibt den Börsen die Unterstützung, auf die alle gewartet haben", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners und verwies auf die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten. Donald Trump hatte zuvor über mögliche Lohnsteuer-Erleichterungen sowie über Kredite für Kleinunternehmen informiert. Im Gespräch seien auch Hilfen für jene, die nach Stundenlohn bezahlt werden, da sie bei einem krankheitsbedingten Arbeitsausfall besonders schwer betroffen sind.

Am Montag hatte der Dax einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Wegen wachsender, durch das Virus ausgelöster Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges stießen Anleger panikartig Aktien ab. Sie flüchteten stattdessen in sicherere Häfen wie Staatsanleihen und Währungen. Der deutsche Leitindex sackte am Ende des Tages um fast 8 Prozent auf 10 625 Punkte ab und erlitt den größten prozentualen Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001. Nach der vorherigen, kaum unterbrochenen zweiwöchigen Talfahrt sind die Gewinne des vergangenen Jahres im deutschen Börsenbarometer nun fast aufgezehrt.

Wie Trump sagte, will die US-Regierung an diesem Dienstag mit Kongressvertretern sprechen. Gespräche mit Fluggesellschaften, Kreuzfahrtveranstaltern und der Hotelindustrie seien ebenfalls geplant. Sie sind von der aktuellen Viruskrise besonders betroffen. Konkreter wurde Trump zunächst nicht. Er kündigte eine Pressekonferenz an, um nach diesen Gesprächen ausführlich über die weiteren geplanten wirtschaftlichen Schritte zu reden.

Unterdessen ist in Europa ganz Italien wegen des Coronavirus von der Regierung zur Sperrzone erklärt worden. Rund 60 Millionen Menschen können sich nun nicht mehr frei bewegen. Schulen, Universitäten und Kindergärten im ganzen Land bleiben bis mindestens 3. April geschlossen. Auch Sportveranstaltungen werden ausgesetzt. Für internationale Zug- und Flugverbindungen sowie den öffentlichen Nahverkehr gibt es indes keine Beschränkungen.

Der Blick könnte an diesem Tag wieder auf Einzelwerte gerichtet sein. Die Deutsche Post <DE0005552004> verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr unterm Strich mehr und erhöhte nun die Dividende. Nach dem jüngsten Abverkauf sollte dies die Aktie wieder etwas nach oben treiben, erwartet nun ein Händler. Um 6 Prozent ging es vorbörslich auf Tradegate aufwärts, allerdings war sie am Vortag um nahezu 9 Prozent eingebrochen.

Der Chiphersteller Infineon <DE0006231004> konnte für seine geplante rund neun Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor <US2328061096> eine wichtige Hürde nehmen. Die US-Behörde Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) genehmigte die Transaktion. Weiter offen ist aber noch die chinesische Freigabe. Die Aktie stieg auf Tradegate um 7,5 Prozent, war am Vortag allerdings um etwas mehr als 6 Prozent abgesackt.

Der Stahlhändler Klöckner & Co <DE000KC01000> will nach einem Verlust im vergangenen Jahr keine Dividende zahlen. Der zugleich optimistischere Ausblick auf 2020 dürfte den Aktien kaum etwas nützen. Sie reagierten allerdings auf Tradegate bislang nicht.