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Aareal-Bank-Chef muss krankheitsbedingt Pause einlegen

·Lesedauer: 3 Min.

Hermann Merkens fällt bis zu vier Monate aus. Auch wenn Finanzvorstand Heß die Vertretung nach außen übernimmt – die Pause trifft das Institut empfindlich.

Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer steht vor herausfordernden Monaten. Foto: dpa
Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer steht vor herausfordernden Monaten. Foto: dpa

Der Vorstandschef der Aareal Bank, Hermann Merkens, ist für längere Zeit erkrankt. Wie der Wiesbadener Immobilienfinanzierer per Ad-hoc-Meldung am Sonntag erklärte, hat Merkens der Aufsichtsratsvorsitzenden Marija Korsch mitgeteilt, dass er aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgaben an der Bank-Spitze zwischenzeitlich nicht wahrnehmen kann.

Der Mitteilung zufolge gilt dies zunächst „für die Dauer von voraussichtlich drei bis vier Monaten“. Die Bank nannte „gesundheitliche Gründe“ als Veranlassung für den Schritt.

Finanzvorstand Marc Heß übernimmt während Merkens Abwesenheit die Zuständigkeit für die Strategie und wird die Bank nach außen vertreten. Vorstand Thomas Ortmanns übernimmt zusätzlich die Verantwortung für die Dienstleistungstochter Aareon und die interne Führung.

Wer Merkens kennt, ahnt, dass ihm diese Entscheidung schwergefallen sein dürfte. Der gebürtige Aachener gilt als akribischer Pflichtmensch. Bis Freitag soll der Manager (Jahrgang 1966) noch wie gewohnt in allen Gremien mitgearbeitet haben. Seine Krankmeldung überbrachte er am Sonntag in Wiesbaden persönlich.

Für den Immobilienfinanzierer ist Merkens Abwesenheit ein harter Schlag. Der Betriebswirt galt bereits vor seiner offiziellen Kür zum Chef der Aareal Bank im Jahr 2015 als Schattenchef des Konzerns. Ein Jahr zuvor hatte der Aufsichtsrat unter der Vorsitzenden Korsch den langjährigen Risiko- und Finanzvorstand Merkens bereits zum Vizevorsitzenden des Vorstands befördert. Vor zwei Jahren wurde sein Vertrag als Vorstandschef bis 2024 verlängert.

Akribischer Zahlenmensch

Merkens ist ein Zahlenmensch durch und durch. Schon als Finanzvorstand fädelte er für die Bank wichtige Transaktionen wie die Übernahme der kleinen Wettbewerber Corealcredit oder Westimmo ein. Solche Deals brachten dem Institut in den vergangenen Jahren immer wieder willkommene außerordentliche Gewinne ein, weil Merkens jeweils Preise aushandelte, die weit unter dem Eigenkapital der Kaufobjekte lag.

Kostspielige Fehlschläge hatte die Aareal Bank unter Merkens' Führung in den vergangenen Jahren stets vermieden, obwohl das Institut gemessen an seiner Größe ungewöhnlich international aufgestellt ist.

Dennoch steht auch der Immobilienfinanzierer vor großen Herausforderungen. Im ersten Halbjahr etwa schrammte das Institut nur knapp an den roten Zahlen vorbei. Die Coronakrise wirft die Frage auf, wie hart mögliche Änderungen bei der Nutzung von Büroflächen oder ein verändertes Reiseverhalten ihre Kunden treffen könnte.

Die Aareal Bank finanziert Gewerbeimmobilien wie Büros, Einkaufszentren oder Hotels. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs der Aareal-Aktie auf zuletzt 14,87 Euro etwa halbiert.

Für Finanzchef Heß ist die krankheitsbedingte Abwesenheit Merkens' eine Bewährungsprobe, mit der er sich für höhere Weihen empfehlen kann. Der langjährige Finanzchef der Postbank war im Oktober 2018 zur Aareal Bank gewechselt. Seinen Posten bei der Deutsche-Bank-Tochter hatte er zuvor aufgegeben, nachdem klar geworden war, dass es mit dem zeitweise geplanten Börsengang der Postbank nichts werden würde.

Nur ein Jahr nach seinem Einstieg bei dem Immobilienfinanzierer verlängerte der Aufsichtsrat den Vertrag von Heß bis 2024. „Marc Heß hat sich außerordentlich schnell in seine Aufgaben eingearbeitet und in seinem ersten Jahr bereits zahlreiche wertvolle Impulse für die strategische und finanzielle Weiterentwicklung der Aareal Bank gegeben“, lobte ihn Aufsichtsratschefin Korsch im vergangenen Dezember.

Gewinneinbruch im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr 2020 hatten der mit Verlusten verbundene Verkauf eines Pakets fauler Kredite in Italien sowie eine höhere Vorsorge für Kreditausfälle der Aareal Bank einen Gewinneinbruch eingebrockt. Das Betriebsergebnis war im zweiten Quartal um 97 Prozent auf zwei Millionen Euro gefallen. Für 2020 halte die Bank ein deutlich positives Betriebsergebnis weiterhin für erreichbar, das sich im mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbereich bewegen sollte, hieß es im August.

„Insgesamt sind wir unverändert zuversichtlich, dass die Aareal Bank sich unter den gegebenen, sehr herausfordernden Umständen auch in den kommenden Monaten gut behaupten und die Krise meistern wird“, so Merkens damals. Beim Verkauf eines Minderheitsanteils an der IT-Tochter Aareon sah sich der Konzern auf Kurs.

Mit der Nachricht vom Sonntag dürfte die weitere Entwicklung des Instituts aus Aktionärssicht nun mit neuen Fragezeichen versehen sein.