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5 Fehler, die Startups bei Förderanträgen unbedingt vermeiden sollten

Dr. Philipp Nägelein ist Managing Partner bei der Zebra Embassy GmbH, einem 2021 in München ins Leben gerufenen Beratungsunternehmen. Zebra Embassy hat mehr als 150 Startups und Scaleups unterstützt, ein öffentliches Fördervolumen von über 50 Millionen Euro zu bekommen.  - Copyright: Getty/Zebra Embassy
Dr. Philipp Nägelein ist Managing Partner bei der Zebra Embassy GmbH, einem 2021 in München ins Leben gerufenen Beratungsunternehmen. Zebra Embassy hat mehr als 150 Startups und Scaleups unterstützt, ein öffentliches Fördervolumen von über 50 Millionen Euro zu bekommen. - Copyright: Getty/Zebra Embassy

In den letzten Jahren hat die Startup-Szene einen drastischen Wandel durchlebt. Nach den anfänglichen Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie explodierten die Jahre 2020 und 2021 förmlich. Es schien, als sei es so einfach wie nie zuvor, Risikokapital für die unterschiedlichsten Ideen zu beschaffen. Doch wenig später gingen die Unternehmensbewertungen wieder rapide runter, Startup-Insolvenzen häuften sich.

Und jetzt? Wie können Startups nachhaltiges Wachstum erreichen, das es durch gute UND schlechte Zeiten trägt? Die "Zebra-Bewegung", als Gegenpol zu den aggressiven Geschäftspraktiken großer Technologieunternehmen, betont die Bedeutung eines ausgewogenen Finanzierungsmixes. Dieser ermöglicht nachhaltiges Wachstum und berücksichtigt dabei die Interessen der Gründer-Teams und anderer Stakeholder.

Die fünf häufigsten Fehler bei der Bewerbung um Fördermittel

Angesichts dieser Entwicklungen gewinnen staatliche Fördermittel wieder an Bedeutung. Allerdings ist es entscheidend, die Beantragung sorgfältig zu planen und strategisch einzusetzen, anstatt vorschnell nach den Finanzspritzen zu greifen. Das sind die fünf häufigsten Fehler.


Ihr wollt mehr zum Thema Fördermittel wissen? Hättet da noch ganz konkrete Fragen? Dann meldet Euch jetzt an für die Gründerszene Spätschicht am 27. Juni in Berlin an. Dort wird Stefan Hoehn, Mitgründer der Zebra Embassy, eine Masterclass zum Thema halten. Und nicht nur das: Siobhan Brewster und Katharina Beitz von AENU erklären in unserer zweiten Masterclass, worauf Impact Investoren achten. Darüber hinaus erwarten euch Investoren-Speed-Dating-Sessions, ein Pitch Battle, ein Impuls der Gründerin Nora Blum (Selfapy) und jede Menge Raum zum Netzwerken. Unterstützt wird die Gründerszene Spätschicht von unseren Partnern SevenVentures, Remote und LEXR. Jetzt schnell hier bewerben - es gibt noch ein paar Tickets!


1. Unzureichende Recherche

Ganz am Anfang sollte die Frage stehen: Wollen und sollen wir uns überhaupt um Fördermittel bemühen? Die Antwort ist meist schwieriger als zunächst gedacht, denn der Fördermittel-Dschungel ist riesig, kompliziert und im stetigen Wandel.

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  • Tipp 1: Mit Startups im gleichen Sektor sprechen, die schon ein Stück weiter sind und erste Erfahrungen mit Fördermitteln gemacht haben.

  • Tipp 2: Den Telefonhörer in die Hand nehmen, beim Fördermittelgeber anrufen und die eigene Situation schildern. Ein freundliches, zehn-minütiges Telefongespräch bringt meist mehr Erleuchtung als tagelange Online-Recherche.

Es ist entscheidend, drei kritische Fragen zu beantworten: Passt das Förderprogramm zu unserer Ausrichtung, oder müssten wir unsere Identität verändern? Welche realistischen Erfolgschancen haben wir? Und wie viele Ressourcen sind notwendig, um den Antragsprozess, die Projektumsetzung und die Nachbereitung zu bewältigen? Das Ziel ist, als Startup schnell herauszufinden, ob die Beantragung von Fördermitteln sinnvoll ist oder ob es klüger ist, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

2. Falsches Timing

Die folgende Grafik beschreibt grob die, in den meisten Fällen, geeigneten Fördermittelquellen als Funktion des frühen Startup-Lifecycles. Diese Überlegung gibt zudem Aufschluss, ob es sinnvoll ist, sich professionelle Unterstützung durch externe Beratung an Bord zu holen.

 - Copyright: Zebra Embassy
- Copyright: Zebra Embassy

Für die meisten Fördermittel ist es Voraussetzung, dass das Projekt zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht begonnen hat. Eine erwähnenswerte Ausnahme ist dabei die steuerliche Forschungszulage der Bundesregierung. Hier ist es möglich, bis zu vier Jahre rückwirkend die Forschungs- und-Entwicklungsarbeiten (FuE) fördern zu lassen, die bereits angefallen sind und auch noch andauern können.

3. Unterschätzen des Aufwands

Eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Antragstellung liegt in der fehlerhaften Einschätzung des Aufwand-Ertrags-Verhältnisses. Die folgende Grafik basiert auf den Erfahrungen von über 150 unserer Kunden.

 - Copyright: Zebra Embassy
- Copyright: Zebra Embassy
  • Cluster 1 | Niedriger Aufwand, niedriger Ertrag: Hierzu gehören insbesondere Business-Plan-Wettbewerbe, bei denen in der Regel keine Dokumentationspflichten bestehen, unabhängig davon, ob sie staatlich oder privat sind. Auch lokale Zuschüsse wie der Gründungsbonus in Berlin (50.000 €) oder der Start-Zuschuss im Raum München (36.000 €) fallen in diese Kategorie. Gerade im ersten Jahr nach der Gründung können diese verhältnismäßig kleinen Beträge einen erheblichen Unterschied bewirken.

  • Cluster 2 | Mittlerer Aufwand, hoher Ertrag: Die steuerliche Forschungszulage ist für nahezu alle Unternehmen geeignet und kann rückwirkend sowie vorausschauend beantragt werden. Sie fördert Personalkosten für Forschung und Entwicklung (FuE) sowie Auftragsforschung und ermöglicht Auszahlungen von bis zu einer Million € pro Jahr. Ab 2024 wird dieses Instrument außerdem erheblich erweitert.

  • Cluster 3 | Hoher Aufwand, hoher Ertrag: Hierunter fallen bundesweite Förderprogramme wie ZIM und KMUinnovativ sowie vor allem EU-Fördermittel wie der EIC-Accelerator. Diese Programme ermöglichen Fördermittel in Millionenhöhe, erfordern jedoch oft Anträge von bis zu 100 Seiten, wobei die Erfolgschancen unter zehn Prozent liegen.

  • Cluster 4 | Hoher Aufwand, mittlerer Ertrag: Hierunter fallen beispielsweise EXIST-Bewerbungen, die vor der Unternehmensgründung erfolgen müssen, sowie zahlreiche regionale Förderprogramme wie BayTOU/BayTP+ in Bayern oder ProFIT in Berlin. Der Antragsaufwand ist beträchtlich (in der Regel über 30 Seiten Antragstext), doch im Erfolgsfall winkt eine hohe Förderquote, die teils über 50 Prozent liegen kann.

4. Die falsche Beratung

Gerade bei Fördermitteln in der Wachstumsphase (Landesmittel, Bundesmittel, Forschungszulage und EIC) kann es sinnvoll sein, mit spezialisierten Innovationsberatungen zusammenzuarbeiten. Dies hilft nicht nur dabei, die Erfolgschancen zu steigern, sondern ermöglicht es auch, sich stärker auf das eigene Kerngeschäft zu konzentrieren. Um sich vor Betrügern und schwarzen Schafen zu schützen und stattdessen die Beratung zu finden, die perfekt zum eigenen Unternehmen passt, sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Vergütungsstruktur: Wird ein Fixhonorar verlangt oder wird erfolgsbasiert gearbeitet?

  • Expertise: Bringt die Beratung technisches Verständnis für mein Unternehmen mit?

  • Umfang: Wird für mich die Dokumentation und Abrechnung auch mit erledigt, oder werde ich nach Antragstellung alleine gelassen?

  • Reputation: Wie ist der Ruf der Beratung? Habe ich vertrauenswürdige Referenzen?

  • Sympathie: Sind das Menschen, mit denen ich intensiv arbeiten möchte und die im Zweifelsfall in meinem Interesse handeln?

Die Höhe des Honorars sollte stets die letzte nachgelagerte Überlegung sein. Ähnlich wie bei Anwaltskanzleien oder Steuerberatungen, ist die billigste meist nicht die beste. Gute Beratung hat ihren Preis, aber sie sollte sich stets fair für euch anfühlen. In diesem Zusammenhang ist das Erfolgshonorar eine passende Option, da es die Interessen in Einklang bringt und nur im Erfolgsfall Zahlungen vorsieht. Dennoch ist es entscheidend, nicht nur die prozentualen Sätze zu vergleichen, sondern auch die Berechnungsgrundlage im Auge zu behalten. Dies stellt sicher, dass die Beratung den individuellen Bedürfnissen und Zielen eures Unternehmens entspricht.

5. Fehlende Ernsthaftigkeit bei der Dokumentation

Zu guter Letzt ist es unerlässlich, dass diejenigen, die von staatlichen Zuschüssen profitieren, die begleitende Verantwortung akzeptieren. Dies beinhaltet die präzise Erfüllung der Dokumentationsanforderungen des Fördermittelgebers. Insbesondere in Startups, in denen Schnelligkeit oft über Sorgfalt gestellt wird, besteht die Tendenz, diesen Aspekt zu vernachlässigen – bis eine Betriebsprüfung die harte Realität aufzeigt. Bei unsauberer Arbeit können die Risiken von einer teilweisen Rückzahlung bis hin zur Anschuldigung des Subventionsbetrugs reichen. Daher ist es dringend zu empfehlen, diese Verpflichtungen ernst zu nehmen und gegebenenfalls externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Immerhin ist das Ziel nicht nur, Fördermittel zu erhalten, sondern sie auch zu behalten.

Der Schlüssel zum Erfolg: Ein smarter Finanzierungsmix

Für Startups und Scaleups wird es immer wichtiger, einen smarten Finanzierungsmix ganz oben auf die Agenda zu setzen. Die Besten der Besten schaffen es, sich gleichermaßen aus Risikokapital, eigenen Umsätzen und staatlichen Fördermitteln zu finanzieren. Wer die genannten fünf Fallstricke verinnerlicht und verstanden hat, ist dem Ziel bereits deutlich näher. Die kommenden Jahre werden von mutigen Unternehmerinnen und Unternehmern geprägt sein, die durch ihre Innovationen Lösungen für die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bieten. Dies erfordert klare Visionen, Durchhaltevermögen und einen Fokus auf langfristiges, nachhaltiges Wachstum. Es ist an der Zeit, umzudenken. In anderen Worten: It’s Zebra Time!