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21 Banken greifen ab dem ersten Euro zu – das solltet ihr jetzt über Negativzinsen für Girokonto und Tagesgeld wissen

Tristan Filges
·Lesedauer: 4 Min.

Viele Deutsche scheuen weiterhin den Aktienmarkt. Sie lassen ihr Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, doch dafür gibt es schon seit Jahren keine Zinsen mehr. Schlimmer noch: Es müssen sogar Strafzinsen für Geld, das auf dem Konto liegt, gezahlt werden. So lässt neben der Inflation auch der Strafzins das Geld auf so manchem Konto weiter an Wert verlieren. 

Erst vergangene Woche trat bei der Sparda-Bank eine neue Regelung in Kraft: Negativzinsen für alle Kunden, die mehr als 25.000 Euro auf ihren Konten lagern. Das kann weh tun. Üblich waren bisher Negativzinsen bei einem Guthaben von rund 100.000 Euro auf dem Konto. Bei dieser Summe verliert der Kunde bei den veranschlagten -0,5 Prozent Zinsen immerhin 500 Euro pro Jahr. Die Abwertung des Geldes durch die Inflation ist hier noch nicht mit eingeflossen.  

Die Sparda-Bank ist nicht die einzige Bank, die Negativzinsen erhebt und den Freibetrag weiter senkt. Auch die Hamburger Sparkasse senkte bereits den Freibetrag auf 50.000, was einige Kunden betreffen dürfte.

Strafzinsen in Höhe von 1 Prozent

"Für Aufsehen hat auch die PSD Bank Rhein-Ruhr gesorgt. Dort gibt es auf das Tagesgeld gestaffelte Negativzinsen. Ab 100.000 Euro zahlen Neukunden 0,5 Prozent und ab 500.000 Euro ganze 1,0 Prozent Strafzins", sagt Sebastian Schick zu Business Insider. Schick ist Experte für Geldanlage bei Biallo, einem Verbraucherportal für private Finanzen. Damit ist die PSD Rhein-Ruhr die Bank, die den höchsten Strafzins auf Tagesgeldkonten verlangt.

Aber auch Geld, das auf deutschen Girokonten liegt, wird bereits negativ verzinst, erklärt Schick. "Wir haben 21 Banken, die langen ab dem ersten Euro zu. Es ist meistens das Geld auf dem Tagesgeldkonto, aber auch Girokonten sind betroffen. Die Bank 1 Saar erhebt sogar für Girokonten, die neueröffnet worden sind, einen Strafzins. Hier wird bereits ab 10.000 Euro ein Strafzins von 0,75 Prozent fällig."  

Zu den 21 Banken gehören laut Recherche von Biallo: Kreissparkasse Stendal, Mainzer Bank, Märkische Bank, Oldenburgische Landesbank, Raiffeisenbank Aichhalden-Hardt-Sulgen, Raiffeisenbank Bibertgrund
Raiffeisenbank Bobingen, Raiffeisenbank im Oberpfälzer Jura, Raiffeisen – meine Bank eG (Hipoltstein), Raiffeisenbank Neumarkt i.d. Oberpfalz
Raiffeisenbank Stauden, Sparkasse Ingolstadt Eichstätt, Sparkasse Kulmbach-Kronach, Volksbank Dortmund-Nordwest, Volksbank Hameln-Stadthagen, Volksbank Schermbeck, Volksbank Zwickau, VR Bank Neuburg-Rain, VR-Bank Neu-Ulm, VR Bank Weimar
und VR Bank Westmünsterland.

Selten sind Negativzinsen in der Regel bei Sparkassen und Volksbanken - zumindest für Bestandskunden, so Schick. Die Volksbanken und Sparkassen, die einen Strafzins verlangen, tun das bei Neukunden aber schon oft ab dem ersten Euro, wie die Liste oben zeigt. 

Aber auch bei den Sparkassen und Volksbanken wende sich das Blatt langsam. Das ganze ist ein Prozess und Freibeträge können auch in Zukunft weiter sinken und negative Zinsen anfallen. Die Düsseldorfer Sparkasse machte auf sich aufmerksam, als langjährigen Kunden, die den Freibetrag überschritten haben, gekündigt wurde. Sie wollten den Negativzins der Bank nicht akzeptieren. 

"Es gibt Fälle, da setzen Banken den Kunden die Pistole auf die Brust und sagen, entweder du ziehst das Geld ab oder wir kündigen Dir. Und das auch bei langjährigen Kunden", sagt Schick. 

Alternative: Girokonto im Ausland

Möchte man den Strafzinsen entgehen, lohnt sich ein Blick ins Ausland. In Europa gibt es noch einige Banken, die sogar leicht positive Zinsen zahlen. Schick kennt einige Banken, die noch Zinsen zahlen: "Man kann noch Tagesgeldzinsangebote bis 0,5 Prozent bekommen, wie etwa bei der Santander-Tochter Openbank oder bei der Bank of Scotland. Aber das ist auch nicht langfristig garantiert. Die Luxemburger Advanzia Bank beispielsweise bietet aktuell einen Zins von 0,2 Prozent an."

Die Banken nutzen die Negativzinsen zur Abschreckung. Die enormen Einlagen auf den Konten der Bürger, entstanden durch die hohe Sparquote, sind für die Banken aktuell eine Belastung. Die Banken lagern das Geld tageweise bei der Europäischen Zentralbank zwischen - allerdings haben auch die Banken nur einen Freibetrag, danach müssen sie Strafzinsen zahlen. Um die Einlagequote nicht noch weiter zu steigern, nutzen Banken den Negativzins daher, um Kunden, die ihr Geld nur lagern wollen, abzuschrecken.

Rechtlich eine schwierige Situation

Rechtlich ist die Situation durchaus umstritten, denn eigentlich dürfen Banken kein Verwahrungsgeld verlangen, wenn sie auch Kontoführungskosten erheben. Das darf nur in individuellen Verträgen als Ausnahme geregelt werden. Individuelle Verträge bei Banken sind allerdings die Seltenheit. Entweder man unterschreibt den vorgefertigten Vertrag oder muss sich eine andere Bank suchen. 

Ob in Zukunft Negativzinsen verschwinden, ist schwierig vorherzusagen, denn das hängt maßgeblich von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ab. Auch die von der EZB beeinflusste Inflation spielt eine entscheidende Rolle. "Sollte die steigen, könnten auch die Zinsen wieder steigen. Aber hohe Zinsen, wie früher, wird es wohl nicht mehr geben", sagt Schick. 

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