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2,5 Millionen Euro nur mit Kindergeld — dieses Paar berät junge Eltern, wie sie für ihren Nachwuchs anlegen

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Annemarie und Hendrik Kohake haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und helfen jungen Eltern bei ihren Finanzen
Annemarie und Hendrik Kohake haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und helfen jungen Eltern bei ihren Finanzen

Sparen gehört für das junge Ehepaar Hendrik und Annemarie Kohake zum Leben dazu. Um sich daran zu gewöhnen und schon den Kleinkindern, zwei Jungs im Alter von 2,5 Jahren und drei Monaten, spielerisch zu zeigen, dass sparen „was Schönes“ sei, wenden sie den „Fünf-Euro-Schein-Trick“ an. Bewusst werde jeder Fünf-Euro-Schein aus dem Portemonnaie in eine Spardose gelegt und einmal im Jahr werde dieses Geld an der Börse investiert, erzählt uns das Paar. Vergangenes Jahr seien so 1000 Euro zusammengekommen. Das gesamte Geld wurde dann in einen Sparplan für die Kinder angelegt.

Das Sparen und Investieren klappt bei Familie Kohake so gut, dass deren Aktien-Depot mittlerweile eine sechsstellige Höhe erreicht hat. „Damit ist uns möglich, mit den Kapitalgewinnen unser Leben zu finanzieren“, sagt Hendrik Kohake. Und weiter: „Wir haben unsere finanzielle Freiheit erreicht.“

„Angst“ sei ein häufiges Thema bei Kundengesprächen

Dieses Wissen wollen sie nun weitergeben und haben deshalb vor mehr als einem Jahr ihr Unternehmen „Familienbörse“ gegründet. Hier beraten sie vor allem junge Eltern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren beim Umgang mit Finanzen. „Da geht es häufig darum, das Thema Börse und Aktien grundsätzlich zu verstehen“, sagt der zweifache Familienvater. „Für viele ist das noch ein sehr abstrakter Begriff.“

Um mehr Wissen über die Börse aufzubauen, besuchten die beiden Weiterbildungen und Aktien-Seminare. Zudem hat Hendrik Kohake seinen regulären Job bei einem Kunststoffhersteller von Vollzeit auf Teilzeit runtergefahren. Ehefrau Annemarie befindet sich aktuell in Elternzeit. Ihr gemeinsames Unternehmen hat beruflich gesehen aktuell Priorität.

Das häufigste Thema in den Gesprächen sei die „Angst“ der Kunden, zu wenig zu wissen und sich wenig zuzutrauen. „Viele denken, dass sie gar nicht genügend Geld zum Investieren haben“, sagt Annemarie Kohake. Dabei sei es falsch zu denken, man müsse mit großen Summen starten.

"Es ist wichtig, positiv über Geld zu sprechen"

Neben der Unsicherheit beobachtet die Finanzberaterin bei ihren Kundinnen und Kunden, dass die sich sehr häufig gar nicht darüber im Klaren seien, was ihre finanziellen Ziele beim Anlegen seien. „Wenn du nicht weißt, wo du hin willst, wie soll denn dein Weg aussehen?“, so Kohake. Die wenigsten würden mit klaren Vorstellungen kommen. Nach den ersten Gesprächen werde dann aber oftmals klar, dass die meisten Kunden an sich sehr ähnliche Ziele hätten: Rentenlücke schließen und für die Kinder vorsorgen. „Wenn wir die Rentenlücke vorrechnen, merken viele, wie schlimm die Situation ist“, sagt die 33-Jährige. Vorher sei das den Kunden gar nicht so bewusst.

Der erste Tipp, den die Kohakes jungen Eltern geben: Sprecht über das Thema Geld mit den Kindern – und zwar positiv. „Wir hören immer wieder den Spruch: 'Geld macht nicht glücklich, Geld verdirbt den Charakter'“, sagt Hendrik Kohake. Für ihn seien diese Aussagen „Quatsch“, da dieselben Menschen dann für Geld arbeiten gehen würde. Aber wenn dieser negative Umgang sich auf die Kinder übertrage, dann könne dies auch deren zukünftigen finanziellen Erfolg schmälern.

Geld auf mehrere Konten aufteilen

Daraufhin sei es wichtig, einen Überblick über seine Finanzen zu haben. Dafür empfehlen die beiden ein Haushaltsbuch zu führen. „Wenn man Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellt, dann erkennt man sehr viele Einsparungsmöglichkeiten“, sagt Hendrik Kohake. Bis zu zweimal im Jahr setzt sich das Ehepaar zusammen und schaut sich alle Finanzen an. Dabei stellen sie sich die Frage, ob Ausgabepunkte wie Fitnessstudio, Netflix oder Versicherungen sich überhaupt noch lohnen.

Neben einem Haushaltsbuch helfe auch eine geregelte Kontenstruktur bei den eigenen Finanzen. Die Kohakes hätten deswegen insgesamt drei verschiedene Konten – „ganz klassisch“, wie sie sagen. 50 Prozent der Einnahmen wandern auf ein Konto für den täglichen Bedarf. Damit werden Einkäufe, Versicherungen und Kredite bezahlt. 20 Prozent geht in den Vermögensaufbau mit Aktien und ETFs. 30 Prozent sind für Konsum vorgesehen, also Urlaub, Kleidung, essen gehen. „Wir raten auch anderen jungen Familien, ihr Geld auf mehreren Konten zu haben, die zweckgebunden sind“, sagt Hendrik Kohake. So gebe man nicht unkontrolliert Geld aus und habe von vornherein ein Budget für die jeweiligen Dinge festgelegt.

Sobald das Gehalt da ist – investieren

Mit einem Haushaltsbuch und einem Kontenmodell habt ihr laut den Kohakes eine geregelte Finanzstruktur, im nächsten Schritt geht es dann darum, einen Finanzplan aufzustellen. Also eine Strategie zu entwickeln, wie ihr eure Rentenlücke schließen könnt.

Der Tipp der Finanzberater: Zuerst solltet ihr mithilfe eines kostenlosen Online-Rechners eure Rentenlücke ermitteln. Davon leitet ihr dann die monatliche Sparrate ab. Diese vergleicht ihr mit der aktuell möglichen Sparrate. Fällt die eher gering aus, könnt ihr nach Anlageformen suchen, die eine höhere Rendite versprechen oder versuchen, ein höheres Gehalt zu erreichen.

Das wichtigste beim Sparen sei der Automatismus, sagt Annemarie Kohake. Dass man direkt investiere, sobald das Gehalt auf dem Konto sei. „Wenn ich erst am Ende des Monats schaue, was ich zum Sparen übrig habe, ist da meistens nichts mehr da.“ Wenn man dies aber automatisch mache, tue Investieren nicht mehr weh.

So macht ihr eure Kinder zu Millionären

Doch wie viel sollten junge Familien monatlich sparen? Als Faustformel empfehlen die Kohakes mit 20 Prozent des Gehalts zu planen. „Wer die Aktienmärkte ständig beobachtet und bei den kleinsten Schwankungen nicht mehr beruhigt schlafen kann, der sollte die Investitionshöhe minimieren“, rät der Familienvater. Mit der Zeit erlange man aber Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die gewählte Anlageform. Die Sparrate könne man dann in der Regel auch schrittweise erhöhen. „Menschen sagen immer, sie haben kein Geld zum Investieren. Natürlich haben sie Geld zum Investieren, nur die Prioritäten sind ganz anders ausgelegt“, sagt Hendrik und ist sich sicher: „Egal wie hoch der Betrag ist, investieren lohnt sich immer.“

Am besten, so lautet der Rat der Kohakes, sollten Eltern direkt nach der Geburt des Kindes einen geeigneten Sparplan anlegen. „Wenn man mit der Geburt des Kindes das Kindergeld in Höhe von 219 Euro in einen breiten ETF investiert, hat man nach 18 Jahren rund 90.000 Euro angespart, die Hälfte davon ist der Gewinn“, sagt Annemarie. „Wenn das Kind nun entscheidet weiter zu investieren, wird es bis zur Rente ohne weitere Einzahlungen stark vom Zinseszins profitieren und eine Summe von 2,5 Millionen angespart haben.“

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