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Die 10 meistverkauften Politiker-Biographien

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Bislang führen die Memoiren von Michelle Obama das Verkaufs-Ranking an. Aber das Buch ihres Mannes Barack könnte ihr den Rang ablaufen. Und im Hintergrund lauert Donald Trump.

In einem Punkt hat Barack Obama die erfolgreichsten in Deutschland veröffentlichten Politiker-Biografien schon vor dem Erscheinen seines Buches an diesem Dienstag klar übertrumpft: mit einem Verkaufspreis von 42 Euro für den 1000-Seiten-Ziegel liegt der Vorgänger des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump mit Abstand an der Spitze der Preisliste.

Trotz des stolzen Entgelts rechnet sein Verlag, die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House, offensichtlich mit großem Interesse am Ex-Präsidenten-Opus „Ein verheißenes Land“. Allein drei Millionen Exemplare ließ der weltgrößte Publikumsverlag mit Hauptsitz in New York bereits für die erste englischsprachige Auflage drucken. Dies und die deutsche Startauflage von 300.000 Büchern gibt einen deutlichen Fingerzeig für die Erwartungen, die Penguin Random House-Chef Markus Dohle mit dem Obama-Wälzer verbindet. Zum Vergleich: Als im November 2018 die Biografie von Michelle Obama erschien, startete „Becoming“ hierzulande in einer Auflage von 200.000 Exemplaren.

Erfolgreichste Biografie aller Zeiten

Das Buch der ehemaligen First Lady der USA gilt nicht nur Verlagschef Dohle als die bislang erfolgreichste Biografie der Welt. Bis heute hat sich „Becoming“ weltweit 15 Millionen Mal verkauft – allein 135.000 Exemplare des englischen Originals gingen in Deutschland bislang über die Ladentheken.

Sie trugen ihren Teil dazu bei, dass „Becoming“ auch in Deutschland die Liste der meistverkauften Biografien der vergangenen drei Jahre anführt. Dies hat das Fachmagazin „Buchreport“ aus Daten des Marktforschers Media Control ermittelt. Dabei hat sich das Obama-Buch als Dauerbrenner entpuppt, der seit seinem Erscheinen auf der Bestsellerliste des „Spiegel“ geführt wird. Laut „Buchreport“ hat der Buchhandel „Becoming“ in seinen verschiedenen Veröffentlichungsformen – also als gebundenes Buch, Hörbuch, E-Book und hierzulande verkauften englischsprachigen Ausgaben - im deutschsprachigen Raum mehr als eine Million Mal verkauft.

Onkel Donalds Inneneinrichtung

Damit rangiert es weit vor allen anderen Polit-Erinnerungen. Nur noch die nächsten drei Titel des Rankings kommen demnach auf eine sechsstellige Verkaufsauflage. Darunter sind gleich zwei weitere Bücher, die in den USA spielen und sich vor allem um den gerade abgewählten Präsidenten Donald Trump drehen – „Feuer und Zorn“, das mit Indiskretionen gespickte Enthüllungsbuch des Journalisten Michael Wolff, sowie Mary L. Trumps Beschreibungen der psychologischen Inneneinrichtung ihres Onkels Donald.

Um den Noch-Staatschef, der gerade mit allerlei Tricks und juristischen Scharmützeln versucht, das Wahlergebnis von Anfang November zu diskreditieren, ranken sich derzeit in der Verlagswelt allerlei Gerüchte. Denn während aktuell die Wetten über die erreichbaren Verkaufszahlen des Buchs von Barack Obama laufen, diskutiert die Branche in den USA bereits darüber, ob und bei welchem Verlag womöglich Trumps Erinnerungen an seine vergangenen vier Jahre als US-Präsident erscheinen werden – und was diese einen Verlag wohl kosten sollen.

Proteste zu erwarten

Die Boulevardzeitung „New York Post“ spekuliert bereits über ein mögliches Honorar von 100 Millionen Dollar für die Trump-Tiraden. Beobachter halten dies allerdings für weit überzogen. Zwar zahlte Penguin Random House den Obamas nicht offiziell bestätigte 65 Millionen Dollar. Doch das Honorar galt für mehrere Bücher.

Hinzu kommt, dass die Aussicht auf ein Trump-Werk innerhalb der großen Verlagshäuser selbst zu Spannungen führen dürfte. Das Fachmagazin „Publishers Weekly“ erinnert an heftige Auseinandersetzungen, die sich etwa um die Biografie von Regisseur Woody Allen entzündeten – Mitarbeiter des Verlags Hachette protestierten gegen die Veröffentlichung. Im Vergleich dazu dürfte ein Trump-Buch Verlagsmenschen noch weit stärker aufwühlen.

Ob eine Biografie des Immobilien-Unternehmers und TV-Prominenten Trump daher überhaupt bei einem der großen Verlagshäuser erscheinen wird, ist somit offen. Beobachter in den USA halten es ebenso für möglich, dass Trump ein Buch auch im Selbstverlag herausgeben oder bei einem der vielen kleineren Medienhäuser platzieren könnte, die auf seiner politischen Linie liegen und ihm für eine Zusammenarbeit einen roten Teppich ausrollen würden.

Allein die mehr als 70 Millionen Wähler, die Trump gerade ihre Stimme gaben, dürften im Zusammenspiel mit seinen Twitter-Anhängern ein solches Machwerk fast automatisch zum Bestseller machen. Und Trump ein weiteres Spielfeld bieten, sich einmal mehr mit seiner Nemesis Barack Obama zu messen.

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