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Die Österreichische Schule: Dollar-Demokratie

Alex Roos

Die Demokratie positionierte sich über das vergangene Jahrhundert als die beste Form der Herrschaft in den Gedächtnissen der Bevölkerung. Vorbei sind die Zeiten despotischer Herrscher und die Unterdrückung des Individuums. In der Demokratie hat jeder eine Stimme. Ökonom Ludwig von Mises stellt allerdings klar, dass es zwei verschiedene Formen der Demokratie gibt, von denen nur eine tatsächlich dem Individuum dient. Diese demokratischen Prinzipien lassen sich auch auf Bitcoin & Co. übertragen. 

Die Rolle des Unternehmers

Mises betont die essentielle Rolle der Unternehmer in einer Marktwirtschaft. Ein Unternehmer ist eine Person, die versucht, die Bedürfnisse des Marktes, also der anderen Personen, vorherzusehen und zu befriedigen. Der Unternehmer produziert entsprechend Güter oder bietet Dienste an. Dabei setzt er sich einem Risiko aus, denn die Zukunft ist ungewiss und er könnte mit seiner Vorhersage falsch liegen. Weiter beschreibt Mises, dass es nicht darum geht, die Zukunft perfekt zu bestimmen, sondern dies lediglich besser, oder weniger schlecht, als die anderen Unternehmer zu tun.

Das Geschäft des Unternehmers ist nicht lediglich mit neuen technologischen Methoden zu experimentieren, sondern von der Multitüde der technologisch in Frage kommenden Methoden die auszuwählen, die am besten dafür geeignet ist die dringendsten Bedürfnisse der Öffentlichkeit so günstig wie Möglich zu bedienen.

– Ludwig von Mises

Der Unternehmer ist dabei völlig machtlos dem Markt ausgeliefert. Liegt er mit seinen Vermutungen über die Zukunft richtig wird er vom Markt belohnt.

Die Demokratie des Marktes

In der Marktwirtschaft entscheidet jeder Konsument selbst, welche Produkte er kaufen möchte. Durch einen Kauf „stimmt“ der Konsument für das Produkt. Er gibt dem Unternehmer unmissverständlich zu verstehen, dass dieser das Bedürfnis am besten vorhergesagt hat. Mit diesem Blick wird klar, dass das Konzept von Profit und Verlust nichts anderes ist als die numerische Auswertung der Genauigkeit der Vorhersage des Unternehmers.

Das Aggregat aller Konsumentenentscheidungen bildet den Markt und symbolisiert die direkteste und gerechteste Form der Demokratie. Schließlich zwingt man die Konsumenten nicht zu ihren Entscheidungen. Darüberhinaus erhält jeder Konsument genau das Produkt, das er gekauft hat, mit anderen Worten: das Produkt, für das er gestimmt hat.

Findet eine Person eine bessere oder günstigere Methode, die Bedürfnisse des Marktes zu befriedigen, bietet sich für ihn eine Chance dafür in Form von Profit belohnt zu werden. So ist die Position eines erfolgreichen Unternehmers keineswegs statisch und für alle Zeit gesichert, sondern besteht nur solange wie er den Markt mit der besseren Qualität oder günstigeren Preisen seiner Produkte für sich gewinnen kann. Die demokratische Abstimmung hört niemals auf, sondern findet mit jedem Handel aufs Neue statt. Es ist die Demokratie des Marktes, die man auch „Dollar-Demokratie“ nennt.

Wer lieber Coca-Cola trinkt, kauft Coca-Cola und bekommt Coca-Cola. Das Gleiche gilt für Pepsi-Trinker.

Die Demokratie der Politik

In der Politik funktioniert die Demokratie bei weitem nicht so effektiv und effizient wie im Markt. Zuerst muss festgestellt werden, dass Abstimmungen nicht täglich passieren. Stattdessen wählt die Bevölkerung, oder die „Konsumenten der Politik“, in willkürlich festgelegten Abständen, die meist mehrere Jahre auseinander liegen. Ändern sich die Bedürfnisse eines Konsumenten innerhalb dieser Zeitspanne, hat er keine Möglichkeit, spontan den Anbieter zu wechseln.

Des Weiteren bekommt der Konsument nicht genau das Produkt, für das er seine Stimme abgibt. Gewinner der demokratischen Wahl ist, wer einen bestimmten Prozentsatz erreichen kann. Diesem Gewinner sind dann alle Konsumenten unterworfen. So hat jeder Wähler eine Stimme, doch er bekommt nicht das, wofür er sie abgegeben hat.

Vergleichbar wäre dieses Konzept mit dem Einkauf in einem Supermarkt, doch anstatt dass jeder Konsument entscheiden kann, ob er Coca-Cola oder Pepsi (oder keines von beidem) kaufen möchte, werden die Stimmen aller Anwesenden eingesammelt, ausgezählt und der Wille der Mehrheit ist dann für alle Einkäufer verbindlich gültig.

Dollar-Demokratie und Bitcoin

Das Prinzip der Dollar-Demokratie gilt auch für Bitcoin. Allerdings stimmen die Konsumenten hier nicht mit Dollar (oder einer anderen Geldeinheit ab), sondern sie wählen mit ihrer CPU. So beschreibt Satoshi Nakamoto in seinem White Paper den Konsensmechanismus als „1 CPU – 1 Vote“. Eine weitere Analogie zwischen der Demokratie wie Mises sie beschreibt und dem technologischen Modell von Satoshi Nakamoto ist, dass jeder Teilnehmer tatsächlich das „Produkt“ bekommt, für das er stimmt. Niemand wird gezwungen, den Regeln des Bitcoin-Protokolls alternativlos zu folgen. Stattdessen können Unternehmer, die meinen, die zukünftigen Bedürfnisse der Konsumenten besser oder günstiger befriedigen zu können, ihre eigene Version der Blockchain starten.

Am 1. August 2017 passierte genau das: Ein Teil der Bitcoin-Community war unzufrieden mit dem Protokoll und entschied sich, die Regeln so zu verändern, dass ein Block acht Megabyte statt nur einen fassen kann. Dieses Ereignis nennt man eine Hard Fork. Seither gibt es zwei Versionen des Bitcoin-Protokolls; jeder einzelne Konsument kann sich für seine bevorzugte Variante entscheiden.

Die Rolle eines Unternehmers beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Funktion der Entwickler und Software-Architekten. Jeder einzelne Teilnehmer im Kryptobereich versucht so gut er es vermag die Zukunft vorherzusagen. „Welche Kryptowährung wird es schaffen, die globale Währung zu werden?“ – auch hier lässt sich die Genauigkeit der Vorhersage numerisch an Profit und Verlust ablesen.

Final hat die Dollar-Demokratie im Markt noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Demokratie der Politik. Denn man muss sich nicht für das eine oder das andere Entscheiden. Wer sich unsicher ist, kann einfach beides einkaufen.

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Source: BTC-ECHO

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