Deutsche Märkte öffnen in 6 Stunden 55 Minuten
  • Nikkei 225

    26.215,79
    0,00 (0,00%)
     
  • Dow Jones 30

    29.490,89
    +765,38 (+2,66%)
     
  • BTC-EUR

    19.964,72
    +449,95 (+2,31%)
     
  • CMC Crypto 200

    445,74
    +10,39 (+2,39%)
     
  • Nasdaq Compositive

    10.815,43
    +239,82 (+2,27%)
     
  • S&P 500

    3.678,43
    +92,81 (+2,59%)
     

Ökonomen erwarten von EZB mehrheitlich 75-Bp-Schritt: Umfrage

(Bloomberg) -- Die Europäische Zentralbank hinkt den geldpolitischen Erfordernissen laut einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen noch immer hinterher und wird zur Eindämmung der Inflation deshalb entschlossener vorgehen müssen als bislang angenommen.

Trotz der überraschend starken Zinserhöhung im Juli sind mehr als zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass die Hüter des Euro im Kampf gegen die Teuerung zu langsam gehandelt haben. Die August-Daten haben für die Eurozone gerade einen Anstieg der Verbraucherpreise um 9,1% gezeigt, mehr als erwartet wurde.

Für die geldpolitische Entscheidung in der nächsten Woche prognostizieren die Volkswirte einen Zinsschritt um 75 Basispunkte. Zudem gehen sie davon aus, dass der Zinserhöhungszyklus mit einem höheren Endwert ausklingen wird als bislang angenommen.

Die Umfrage reflektiert die Erwartung, dass die EZB dem Kampf gegen die Teuerung trotz der damit einhergehenden Rezessionsgefahr Vorrang einräumen wird. Mit einer Zinsanhebung um 75 Basispunkte, die inzwischen auch von den Geldmärkten eingepreist wird, würde sich die EZB dem geldpolitischen Kurs der Federal Reserve nähern, die bereits zwei Zinsschritte in dieser Größenordnung vorgenommen hat.

“Die EZB wird ihre Zinserhöhungen in einem beschleunigten Tempo fortsetzen und ein Falken-Signal senden”, erwartet Swedbank-Ökonom Nerijus Maciulis. “Sie muss ihren Ruf wiederherstellen und dafür sorgen, dass sie einen Inflationsrückgang als Sieg für sich verbuchen kann.”

Schnellere Zinserhöhungen dürften zudem den Euro stützen, der mit dem aggressiven Zinserhöhungskurs der Fed unter Druck geraten ist. Dies würde für Entspannung in Bezug auf die Teuerung sorgen, die durch die Währungsschwäche beim Import von Rohstoffen bewirkt wurde.

Die überwiegende Mehrheit der befragten Analysten geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone mindestens zwei Quartale lang schrumpfen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten geht nicht davon aus, dass der Abschwung länger dauern wird.

“Die EZB wird weiterhin eine harte Linie gegen die Inflation fahren, obwohl es Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums gibt”, so Claus Vistesen, Ökonom bei Pantheon Macroeconomics. “Wir gehen sogar davon aus, dass die EZB offen zugeben wird, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet, dass sie die Zinsen aber trotzdem weiter erhöhen wird.”

EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird nächste Woche aktualisierte Prognosen vorlegen, die das geldpolitische Dilemma verdeutlichen dürften: Während die Konjunkturschätzungen wohl gesenkt werden, werden die Inflationsprognosen voraussichtlich nach oben korrigiert.

Auch im Jahr 2024 dürfte die Teuerungsrate im Euroraum noch über dem EZB-Zielwert von 2% liegen. Die Bandbreite der Prognosen ist diesbezüglich jedoch groß, was die Schwierigkeiten bei der Vorhersage inmitten der durch den Krieg in der Ukraine verursachten Unsicherheit widerspiegelt.

Die Sicht von Bloomberg Economics:

“Der Ton der Diskussionen um die nächste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am 8. September scheint sich geändert zu haben. Mehrere prominente Mitglieder des EZB-Rats drängen auf eine deutliche Zinserhöhung im September. Die Inflation hat erneut die Prognosen übertroffen und das globale geldpolitische Umfeld ist deutlicher ins Territorium der Falken gerückt.”

--David Powell, Jamie Rush und Maeva Cousin. Link zur vollen Analyse

Die geldpolitischen Entscheidungsträger dürften ihre Entschlossenheit betonen, “die Zinsen weiter anzuheben, um die Inflation zu senken”, erklärte Carsten Brzeski, Ökonom bei ING. “Die unbeantwortete Frage ist, wie die EZB in einer Situation reagieren wird, die zunehmend nach einer schweren Winterrezession aussieht.”

Überschrift des Artikels im Original:

ECB Still Seen Playing Catch-Up as Rate-Hike Path Steepens

More stories like this are available on bloomberg.com

©2022 Bloomberg L.P.