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Risikolebensversicherung – Frauen zahlen mehr, Männer sparen kaum

Sandra Alter
Klüger kaufen

Risikolebensversicherung – Frauen zahlen mehr, Männer sparen kaum. (Bild: thinkstock)

Mit den viel gepriesenen Unisextarifen sollte alles gerechter werden. Viele hofften auf Ersparnis bei den Versicherungen. Doch weit gefehlt! Gerade bei der Risikolebensversicherung haben vor allem Frauen jetzt das Nachsehen und zahlen drauf, Männer haben nur wenig oder keine Ersparnis. Finanztest hat die Unisex-Tarife von 36 Versicherern ermittelt und mit den Tarifen vom Juli 2012 verglichen.


Risikolebensversicherungen sind wichtig für diejenigen, die im Notfall Angehörige versorgen müssen, wie etwa junge Familien, die sich dagegen absichern wollen, dass der Hauptverdiener stirbt. Unisex-Tarife – mit denen sollte es eigentlich gerechter für alle werden. Doch stattdessen sind sie für Millionen Versicherte ein echtes Aufrege-Thema. Denn mit den neuen Einheitstarifen wird es teuer, wie der Vergleich von Finanztest zeigt. „31 Prozent Preisaufschlag für Frauen, die jetzt neu eine Risikolebensversicherung abschließen – da werden viele tief Luft holen“, so die Experten in ihrer aktuellen Ausgabe.

Versicherer haben das Risiko neu berechnet
Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, war die Risikolebensversicherung für sie erheblich günstiger. Denn die zahlt ja nur im Todesfall. Mit den neuen Tarifen gibt es keine Preisunterschiede mehr. Die Versicherungen haben neu kalkuliert, deshalb wird es für Frau viel teurer, Männer sparen dadurch jedoch kaum.

Finanztest hat errechnet, dass der Nichtrauchertarif für Frauen durchschnittlich 23 Prozent teurer wird. Männer würden aber gerade einmal durchschnittlich zwölf Prozent weniger zahlen, als zuvor. Noch schlimmer sei es bei den Rauchern, heißt es weiter im Test.

Für Raucher wird es richtig teuer
Als Preisbeispiel legten die Experten eine 34-jährige Verwaltungsfachangestellte ohne gesundheitliche Probleme, ohne Übergewicht und ohne gefährliche Hobbys zugrunde. Die Versicherungssumme soll 150.000 bei einer Laufzeit von 20 Jahren betragen, Vertragsbeginn 1. März 2013.

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Als Nichtraucherin bekäme diese Modellkundin im günstigsten Falle immerhin noch eine Versicherung für unter 100 Euro im Jahr, während die Raucherin zwischen 207 Euro und 607 Euro jährlich berappen muss, heißt es im Test.

Die Günstigsten
Bei der Gegenüberstellung der jetzigen Tarife zum Sommer 2012 stellte sich heraus, dass sich die damals günstigsten Anbieter auch jetzt noch auf den Spitzenplätzen finden. Darunter seien viele Direktversicherer, die keine Filialen betreiben, sondern den Kundenkontakt telefonisch oder per Internet abwickeln, heißt es weiter. Für Nichtraucher sind derzeit Cosmos-Direkt, Huk24 und Europa am günstigsten. „Dort können Frauen sich fast noch so günstig versichern wie im Sommer 2012“, so die Finanztester.

Die Preise für Raucher sind bei den meisten Versicherern ordentlich gestiegen. „Fast scheint es, als wollten die Versicherer keine Raucher und Raucherinnen“, so die Experten. Bei der Debeka, Öffentliche Braunschweig und Stuttgarter würden Raucherinnen nun sogar den doppelten Tarif wie im Vorjahr zahlen.

Manche Anbieter würden gar die Tarife für Männer und Frauen erhöhen, heißt es weiter. Bei den Nichtrauchern seien das die Huk24, Öffentliche Oldenburg und SDK, in den Rauchertarifen Debeka, Öffentliche Braunschweig, Öffentliche Oldenburg und Stuttgarter.

Alte Verträge sind nicht betroffen
Wer bereits vor Einführung der neuen Tarife eine Risikolebensversicherung abgeschlossen hat, für den bleibt alles beim Alten. Denn die Unisex-Tarife gelten nur für neue Verträge. Aufpassen sollten Kunden bei Vertragsänderung. Denn wenn die nicht von vorherein als Option im Vertrag steht und ein Kunde zum Beispiel die Versicherungssumme erhöht, kann das als Neuabschluss gelten.

Den vollständigen Testbericht von Finanztest zum Thema Risikolebensversicherungen finden Sie hier (kostenpflichtig).