Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.795,85
    +101,34 (+0,74%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.776,81
    +19,76 (+0,53%)
     
  • Dow Jones 30

    33.761,05
    +424,38 (+1,27%)
     
  • Gold

    1.818,90
    +11,70 (+0,65%)
     
  • EUR/USD

    1,0257
    -0,0068 (-0,66%)
     
  • BTC-EUR

    24.108,11
    -124,16 (-0,51%)
     
  • CMC Crypto 200

    574,64
    +3,36 (+0,59%)
     
  • Öl (Brent)

    91,88
    -2,46 (-2,61%)
     
  • MDAX

    27.907,48
    +11,32 (+0,04%)
     
  • TecDAX

    3.192,17
    -1,93 (-0,06%)
     
  • SDAX

    13.229,37
    +32,71 (+0,25%)
     
  • Nikkei 225

    28.546,98
    +727,65 (+2,62%)
     
  • FTSE 100

    7.500,89
    +34,98 (+0,47%)
     
  • CAC 40

    6.553,86
    +9,19 (+0,14%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.047,19
    +267,27 (+2,09%)
     

"Das sind die Menschen, die Kriege gewinnen": Diese Soldaten sind laut Insidern für die Erfolge der Ukraine gegen Russland verantwortlich

Ein Unteroffizier einer Aufklärungseinheit der ukrainischen Armee begleitet eine Gruppe Journalisten Anfang Juli durch die Dörfer Maljniwka und Poltawka. - Copyright: Vyacheslav Madiyevskyi/ Ukrinform/Future Publishing via Getty Images
Ein Unteroffizier einer Aufklärungseinheit der ukrainischen Armee begleitet eine Gruppe Journalisten Anfang Juli durch die Dörfer Maljniwka und Poltawka. - Copyright: Vyacheslav Madiyevskyi/ Ukrinform/Future Publishing via Getty Images

Seit fünf Monaten versucht Russland, die Ukraine einzunehmen. Dass der russischen Armee das nicht gelungen ist, liegt laut einem Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte zu einem großen Teil an dem Handeln der ukrainischen Unteroffiziere auf dem Schlachtfeld. Deren Flexibilität und Entscheidungsstärke habe dafür gesorgt, dass Russland seine Ambitionen nach schweren Verlusten und begrenzten Fortschritten in der Ukraine reduzieren musste.

Kostiantyn Stanislawtschuk, Oberfeldwebel der ukrainischen Luftwaffe, sprach am Montag bei einer Veranstaltung vor hochrangigen Militärs aus 65 Ländern. Dabei führte er die Effektivität der ukrainischen Unteroffiziere auf einen Ausbildungsprozess zurück, der nach dem Einmarsch Russlands auf der Krim im Jahr 2014 überarbeitet wurde.

Unteroffiziere sind Soldatinnen und Soldaten, die von einfachen Dienstgraden aufgestiegen sind, aber nicht als Offiziere eingesetzt werden. Sie führen kleine Trupps oder Gruppen von Soldaten an und geben einfachen Soldaten Befehle. Bei der Umstellung der Ausbildung sei ein neuer Schwerpunkt auf Führungsqualitäten und die Fähigkeit zu unabhängigem Denken und Handeln gelegt worden.

"Ich glaube, dass das Unteroffizierskorps eine wichtige Rolle bei diesem Erfolg spielt", sagte Stanislawtschuk auf der Veranstaltung der US-Luftwaffe außerhalb von Washington, DC. "Schließlich werden die Aktionen kleiner Armeeeinheiten von unseren Junior-Kommandeuren geleitet."

"Die Russen kommen mit der Unberechenbarkeit der Ukrainer nicht zurecht"

"Die Unteroffiziere der Streitkräfte haben, ohne auf Anweisungen von oben zu warten, die Initiative ergriffen", um "unabhängige, kleine Operationen" durchzuführen und "unabhängig und einfallsreich" zu handeln, sagte Stanislawtschuk. "Auf diese Weise unterscheiden sich die Verteidigungskräfte vergleichsweise vom Feind, wo Generäle gezwungen sind, ihre Untergebenen persönlich zum Angriff zu erziehen."

Russlands Abhängigkeit von Generälen bei der Entscheidungsfindung auf dem Schlachtfeld wurde in der Ukraine schnell als Schwachpunkt erkannt. Der Tod mehrerer hochrangiger russischer Offiziere wurde darauf zurückgeführt, dass sie nahe an der Front sein mussten, und auf operative Fehler, die sie verwundbar machten.

Zwar hat das russische Militär in den letzten Jahren versucht, sein Unteroffizierskorps zu professionalisieren, "aber die Mentalität ist nach wie vor so, dass die Offiziere die meisten traditionellen Unteroffiziersrollen ausfüllen", sagte Oberstleutnant der US-Luftwaffe, Jahara Matisek, auf dem Gipfel am Dienstag Anfang August.

"Deshalb ist die Zahl der Toten bei den Offizieren viel höher", fügte Matisek hinzu, der am US Naval War College lehrt. Stanislawtschuk verglich den ukrainischen Ansatz in Bezug auf Unteroffiziere mit dem der Russen, die seiner Meinung nach "am sowjetischen Ansatz festhalten", bei dem "der Einzelne keine Rolle spielt".

"Die Russen kommen mit der Unberechenbarkeit der Ukrainer nicht zurecht", erklärte Stanislawtschuk. Russlands Truppen "nach einem Plan handelt, sie folgen ihren Befehlen wortwörtlich" und "ihren jüngeren Kommandanten und Unteroffizieren fehlt es an intelligenter Initiative".

"Unteroffiziere nicht nur dazu da, Befehle zu befolgen"

Auch die Ukraine hat sich nach dem Kalten Krieg an diesen sowjetischen Ansatz gehalten und war auf die russische Invasion 2014 schlecht vorbereitet. Nach diesem Konflikt begann Kiew mit dem Versuch, "das mehrstufige Ausbildungssystem für das Unteroffizierskorps zu verbessern, um den Ausbildungsanforderungen für Berufsunteroffiziere in den NATO-Mitgliedstaaten zu entsprechen", schrieb das ukrainische Verteidigungsministerium im Februar 2017. Diese Bemühungen lehnten sich stark an die Ausbildung des US-Militärs für Führungskräfte an.

Der vierstufige Ausbildungsprozess, der sich herausgebildet hat, beginnt mit der Unteroffiziersgrundausbildung, so Stanislawchuk. "Während sie diese verschiedenen Stufen durchlaufen, sieht man, wer tatsächlich in der Lage ist, ein besserer Unteroffizier zu werden und wer sich zur Führungskraft eignet."

"Dank des neuen Systems können wir mehr Zeit mit den Offizieren verbringen, und sie sehen, dass die Unteroffiziere nicht nur dazu da sind, Befehle zu befolgen. Sie sind auch dazu da, Entscheidungen zu treffen", fügte Stanislavchuk hinzu.

Dank dieser verbesserten Ausbildung und der hohen Motivation habe die Ukraine Russland schwere Verluste zugefügt, sagte Stanislawtschuk und nannte aktualisierte Zahlen der russischen Verluste: rund 41.000 Tote, 5800 zerstörte Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie mehr als 400 abgeschossene Flugzeuge und Hubschrauber.

Die ukrainischen Truppen hätten außerdem mehr als 730 unbemannte Luftfahrzeuge abgeschossen – darunter operative und taktische Drohnen und "nicht nur solche, die man im Laden kaufen kann", so Stanislawtschuk. Unabhängig überprüfen lassen sich die Verlustzahlen allerdings nicht.

USA sehen starkes Unteroffizierskorps als strategisches Abschreckungsmittel gegen China

Obwohl Russland über eine größere und technologisch fortschrittlichere Luftwaffe verfügt, hat die Ukraine die Kontrolle über den Luftraum des Landes nicht komplett verloren. Stanislawtschuk führt das auf eine umfassende Planung vor dem Krieg und schnelle Entscheidungen in den ersten Stunden der Invasion zurück, die es der ukrainischen Luftwaffe ermöglichten, Flugzeuge und Personal zu schonen, indem sie sie aus der Schusslinie brachten.

"Die überwiegende Mehrheit der Flugzeuge hat es geschafft, in die Luft zu kommen", sagte Stansilawchuk. "Damit war es möglich, das Hauptkampfpotenzial der Luftwaffe vor der Zerstörung zu bewahren."

Der sich verschärfende Wettbewerb mit Russland und China hat das US-Militär dazu veranlasst, mehr Gewicht auf das eigene Talentmanagement und die Entwicklung von Nachwuchsführungskräften zu legen. Diese sollen Initiative ergreifen, gerade dann, wenn die Kommunikation mit übergeordneten Befehlshabern gestört ist.

Qualitativ hochwertige Unteroffiziere sind für diese Operationen und für die Bekämpfung der Ambitionen von Gegnern im Allgemeinen von wesentlicher Bedeutung, sagte JoAnne Bass, von der US-Luftwaffe. "Ein starkes Unteroffizierskorps" sei ein strategisches Abschreckungsmittel gegen China, sagte Bass. "Das sind die Menschen, die Kriege gewinnen. Das sind die Menschen, die die Abschreckung sind".

Dieser Artikel wurde von Josh Groeneveld aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original könnt ihr hier lesen.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.