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Zwischen Segelyacht und Workout um 5 Uhr morgens: Das eint die erfolgreichen Unternehmer im „Club der Reichen“

·Lesedauer: 4 Min.
Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen.
Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen.

Obwohl das Bibelwort „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt“ den meisten geläufig sein dürfte, streben weltweit Menschen die Zugehörigkeit zum „Club der Reichen“ an. Die Vorstellung eines Lebens in Luxus und Selbstbestimmung bleibt ein Ziel und Antrieb für menschliches Hoffen und Handeln.

Doch was ist das überhaupt für ein „Club“? Was haben die vermeintlich glücklichen Mitglieder gemein? Gibt es den gemeinsamen Nenner überhaupt, der Erben, Glückskinder und Selfmade-Millionäre vereint?

Zunächst ist festzuhalten, dass der Ursprung nahezu aller wirklich großen Vermögen in unternehmerischem Handeln liegt. Egal, ob wir geerbt oder es selbst aufgebaut haben, es gehört Energie, Cleverness und Fortune dazu, es zu begründen, aber auch es zu behalten. Goethes „was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ gilt heute ebenso, wie vor mehr als 200 Jahren.

Mein heutiger Exkurs soll allerdings vorwiegend die Eigenschaften beleuchten, die man benötigt, um ein Vermögen aufzubauen. Ich werde hier auch keine Statistiken bemühen, sondern meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse einbringen.

Familie, Freunde, Hobbys – alles wird der Unternehmens-Idee untergeordnet

Berufsbedingt verfüge ich hier über einen gewissen Einblick, der mir eines vor Augen geführt hat: Es gibt in der Welt der Reichen genauso viele unterschiedliche Charaktere wie bei allen anderen Menschen auch. Wir stoßen auf großherzige, reizende, hochgebildete Intellektuelle ebenso wie auf Proleten, Geizhälse und Idioten.

Erfolgreiche Unternehmer brennen für ihre Idee und ihre Aufgabe. Dabei ist häufig gar nicht Geld der wesentliche Motivator, sondern die Idee, die es zu verwirklichen gilt. Dieser Idee wird alles untergeordnet. Familie, Freunde, Hobbys - alles. Der klassische sogenannte Mittelständler ist der Erste in seiner Firma und macht abends das Licht aus. Anders als einer meiner früheren Vorgesetzten in der Bank, der zwar immer früh da war, Mittags nach dem Konsum einer Flasche Rotwein einen „wichtigen“ auswärtigen Termin hatte, um dann Abends nochmal spät Bella Figura zu machen. Allerdings muss man ihm zugutehalten, dass er auch abends nicht als abstinent bezeichnet werden konnte, insofern musste ich ihm allmorgendlich doch einen gewissen Respekt zollen.

Jedes Golf-Spiel oder auch manche Jagd dient nicht der Entspannung, sondern dem Aufbau von Netzwerken

In der heutigen digitalen Welt sind natürlich auch Formen der Unternehmensführung möglich, die nicht mehr auf Präsenz bauen. Ein mir bekannter, sehr erfolgreicher Unternehmer steuert sein Firmen-Konglomerat zuweilen auch in der Badehose von seiner Segelyacht – mithilfe des Laptops und Smartphones.

Er ruft allerdings auch gerne mal, sehr zu meinem Entsetzen (ich hoffe er liest das), um 22:00 Uhr an und ist selbst nahezu 24 Stunden erreichbar. Antworten auf E-Mails dauern selten länger als 5 Minuten.

Überhaupt ist die Verknüpfung von Arbeit und Freizeit ein Phänomen dieser Spezies Alpha-Mensch. Jeder Besuch von Freunden, jedes Golf-Spiel oder auch manche Jagd dienen nicht der Entspannung, sondern dem Aufbau oder Ausbau von Netzwerken und Kundenbeziehungen. Die Frage der Gräfin-Witwe aus Downton Abbey, was ein Wochenende sei, kann hier erneut gestellt werden, allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen.

Ein mir befreundeter Private Equity-Star verzichtet aufs Mittagessen: „Lunch is for loosers“

Themen wie Work-Life-Balance spielen nur insofern eine Rolle, als es gilt, sich für seine Aufgaben fit zu halten. Disziplin bei Essen, Trinken und das Vermeiden von Nikotin sind heute selbstverständlich. Die Zeiten, in denen schmerbäuchige Industrie-Kapitäne das Zepter in der Hand hielten, sind vorbei.

Ein mir befreundeter Private-Equity-Star steht jeden Morgen um 5:00 Uhr auf, schwingt sich auf den Hometrainer, nach einem kleinen Frühstück - bestehend aus Obst - besteigt er sein Fahrrad und fährt die 20 Kilometer zum Büro. Aufs Mittagessen verzichtet er weitgehend. „Lunch is for loosers“ erinnere ich mich ihn sagen zu hören, als er mich in einem Restaurant bei einem Glas Wein erwischte.

Nahezu alle großen Unternehmerfamilien haben Stiftungen gegründet, um das Gemeinwohl zu fördern

Die allermeisten wirklich wohlhabenden, die ich kenne, sind sich allerdings auch des Umstandes bewusst, dass sie nackt geboren wurden und auch ohne alles diese Welt eines Tages wieder verlassen müssen. Auch der Aufbau eines bedeutenden Unternehmens ist nicht immer geeignet, das Sinn-Vakuum des Lebens zu füllen. Dies gilt vor allem auch für die späteren Erben-Generationen.

Nahezu alle großen Unternehmerfamilien haben Stiftungen gegründet, um das Gemeinwohl zu fördern. Dabei ist weniger das öffentliche Ansehen im Fokus, sondern die Erkenntnis, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt.

Der jüdisch-österreichische Auschwitz-Überlebende und spätere US-amerikanische Psychiater Victor Frankl schreibt in seinem Bestseller „Mans search for meaning“: "He who has a why to live can bear almost any how." (zu Deutsch: "Wer einen Grund zum Leben hat, kann fast jedes Wie ertragen"., Anmerkung der Redaktion) Um dieser Erkenntnis zu folgen, bedarf es allerdings keines großen Vermögens.

*Christian Freiherr von Bechtolsheim ist Gründungspartner der Focam AG. Er verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen. Zudem ist er Co-Autor des Buches „Vermögen bedeutet Verantwortung“. Für Business Insider schreibt von Bechtolsheim die Finanzkolumne „Geld & Werte“.

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