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Zentrale Figur im Steuerskandal: Internationaler Haftbefehl gegen verdächtigen Ex-Banker

·Lesedauer: 3 Min.

Die Staatsanwaltschaft will im Cum-Ex-Steuerskandal den einstigen Rainmaker in Deutschland auf die Anklagebank setzen. Paul Mora hat sich nach Neuseeland zurückgezogen.

Halb Banker, halb Naturgewalt. Brillant im Kopf, brutal im Umgangston. Ein Schwergewicht im Maßanzug. Niemand, so berichten es ehemalige Mitarbeiter bei der Hypo-Vereinsbank in London (HVB), wagte sich zwischen Paul Mora und ein Geschäft. Ein Rainmaker sei er gewesen. Einer, der das Geld vom Himmel regnen ließ.

Es waren zwielichtige Deals. Die Quittung dafür bekommt Mora heute: Nach Informationen des Handelsblatts hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-HVB-Banker beantragt und erwirkt. Ein Behördensprecher wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

Der Neuseeländer ist eine zentrale Figur im Steuerskandal Cum-Ex. Die Beteiligten handelten dabei Aktien im Kreis und ließen sich Kapitalertragsteuern mehrfach erstatten. Investoren machten innerhalb weniger Monate zwölf Prozent Rendite – und es war trotzdem nicht genug.

„They are fucking you blind“, sagte Mora 2008 einem Kunden der HVB, so berichtete es später dessen Sohn der Staatsanwaltschaft. Der Investor verdiente mehr als 120 Millionen Euro mit Cum-Ex-Geschäften, die ihm die Hypo-Vereinsbank vorgeschlagen hatte. Peanuts seien das, erklärte Mora dem Kunden, die echten Gewinne seien fünfmal so hoch. Mora wollte sich selbstständig machen und den Kunden mitnehmen.

Die Geschäftsbeziehung kam nie zustande, Moras Plan vom ganz großen Geld ging trotzdem auf. Bei der Hypo-Vereinsbank verdiente er selten mehr als eine Million Euro im Jahr, als Chef seiner eigenen Firmen Ballance und Arunvill kam er auf das Zigfache. Zu seinen Geschäftspartnern gehörte etwa die Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Heute sind die Vermögensverhältnisse von Mora unübersichtlich. In neuseeländischen Grundbüchern und Unternehmensregistern taucht sein Name selten auf. Mal steht dort seine Schwester, mal seine Mutter. Teils sind große Besitztümer von Firmen kontrolliert, bei denen Mora nur mittelbar beteiligt ist. 2014 kaufte eine davon das ehemalige Forsyth Barr Building in Christchurch und steckte allein in Reparaturarbeiten 20 Millionen Euro.

Mehrere Behörden sind hinter ihm her

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelte da schon gegen zahlreiche Akteure. Zunächst klagte sie Martin S. an. 2020 wurde Moras ehemaliger Geschäftspartner wegen Steuerhinterziehung verurteilt. In der Anklageschrift stand Moras Name 358-mal. Im Januar soll Martin S. erneut vor Gericht, diesmal in Wiesbaden. Wieder geht es um Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe, wieder um Geschäfte, die Paul Mora mit seinem Team ausheckte. Diesmal soll auch Mora selbst auf die Anklagebank. Er möchte aber nicht kommen.

Er gehe „in Übereinstimmung mit meinen Verteidigern“ davon aus, dass das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden müsse, schrieb Mora an das Gericht. Die Gründe habe er schon im August 2019 beschrieben. „In Ausübung meiner Rechte werde ich daher nicht an der Hauptverhandlung in Wiesbaden teilnehmen.“

Auf Nachfrage teilten Moras Anwälte mit, dass ihr Mandant sein Recht auf ein faires Verfahren verletzt sieht. Mora streite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden ab und behalte sich seine Rechte als neuseeländischer Staatsbürger vor, in seinem Heimatland zu bleiben.

Ob er damit durchkommt, liegt nicht allein in Moras Ermessen. Die meisten im Cum-Ex-Komplex Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Viele müssen trotzdem vor Gericht. Der internationale Haftbefehl gegen Mora ist beantragt und erwirkt. Will er kein Risiko eingehen, bleibt ihm nur der permanente Lockdown in Neuseeland.