Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.920,69
    -135,65 (-0,97%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.669,54
    -35,31 (-0,95%)
     
  • Dow Jones 30

    31.496,30
    +572,16 (+1,85%)
     
  • Gold

    1.698,20
    -2,50 (-0,15%)
     
  • EUR/USD

    1,1916
    -0,0063 (-0,52%)
     
  • BTC-EUR

    42.676,82
    +1.499,51 (+3,64%)
     
  • CMC Crypto 200

    982,93
    +39,75 (+4,21%)
     
  • Öl (Brent)

    66,28
    +2,45 (+3,84%)
     
  • MDAX

    30.716,51
    -592,70 (-1,89%)
     
  • TecDAX

    3.220,26
    -50,32 (-1,54%)
     
  • SDAX

    14.708,13
    -288,21 (-1,92%)
     
  • Nikkei 225

    28.864,32
    -65,78 (-0,23%)
     
  • FTSE 100

    6.630,52
    -20,36 (-0,31%)
     
  • CAC 40

    5.782,65
    -48,00 (-0,82%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.920,15
    +196,68 (+1,55%)
     

Wut der Protestler trifft Geschäftspartner der Generäle: Ausländische Investoren ziehen sich zurück

Peer, Mathias
·Lesedauer: 4 Min.

Nach der Machtübernahme in Myanmar stehen internationale Projekte vor dem Aus. Auch deutsche Firmen hatten in der Hoffnung auf schnelles Wachstum investiert.

Biertrinken ist in Myanmar spätestens seit dem Militärputsch am Montag zu einer hochpolitischen Angelegenheit geworden. Die noch bis vor Kurzem populärste Marke Myanmar Beer gehört zum Firmenimperium der international geächteten Generäle, die mit der Festnahme der demokratisch legitimierten Anführerin Aung San Suu Kyi zu Wochenbeginn die Macht an sich gerissen haben.

Als Zeichen des Protests trommeln Bewohner der Metropole Yangon seither nicht nur jeden Abend lautstark auf Kochtöpfen und Pfannen – Aktivisten rufen auch zum Boykott jener Biermarke auf, die aus ihrer Sicht zur Finanzierung der Streitkräfte beiträgt.

Die Wut über das Militär traf zuletzt auch internationale Geschäftspartner der Generäle – und führte an Tag vier nach dem Putsch nun zu spürbaren Konsequenzen. Der japanische Getränkekonzern Kirin kündigte am Freitag an, aus zwei Joint Ventures mit dem Firmenkonglomerat der Armee auszusteigen, die für die Produktion von Myanmar Beer und anderen Biermarken in dem südostasiatischen Land zuständig waren.

Kirin ist damit der erste große ausländische Investor, der nach dem Putsch den Rückzug aus Myanmar antritt. 2015 hatte der Konzern 560 Millionen Dollar für einen 55-Prozent-Anteil an Myanmar Brewery bezahlt.

Angesichts drohender internationaler Sanktionen muss die Wirtschaft des früher international isolierten Landes weitere Dämpfer fürchten. US-Präsident Joe Biden hat Strafmaßnahmen bereits angedroht, bei der EU ist von Konsequenzen die Rede.

Wachstumsmarkt für BASF, Siemens, Thyssen-Krupp und Metro

Auch deutsche Unternehmen versuchten, während der wirtschaftlichen Öffnung des Landes in den vergangenen zehn Jahren zunehmend in Myanmar Fuß zu fassen. BASF eröffnete in dem Land vor drei Jahren seine erste Produktionsanlage. Auch Siemens und Thyssen-Krupp sind mit Niederlassungen präsent.

Der Handelskonzern Metro startete vor zwei Jahren in Myanmar. Das Unternehmen teilte mit, man wolle in dem Land „auch in Zeiten der Unsicherheit“ tätig bleiben und treffe Vorsichtsmaßnahmen, um die Sicherheit der Angestellten zu gewährleisten. Metro setzte zuletzt stark auf E-Commerce in dem Land – und erhoffte sich in dem Segment kräftiges Wachstum.

Doch mit den politischen Turbulenzen droht Myanmar, das vor der Coronakrise ein Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent im Jahr erzielte, auch seinen Status als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens zu verlieren. Die Weltbank teilte mit, dass die aktuelle Lage einen „erheblichen Rückschlag für die Entwicklungsaussichten“ des Landes bedeute.

Aus Sorge davor, dass die Konfrontation mit den Generälen die Armut in dem Entwicklungsland vergrößern könnte, forderten Aktivisten der Organisation Justice for Myanmar am Freitag in einem offenen Brief, mögliche Strafmaßnahmen gezielt gegen das Militär zu richten. „Wir lehnen alle breitflächigen Sanktionen gegen Myanmar insgesamt ab, die gewöhnliche Menschen treffen.“ Auch ein Entzug von Handelsprivilegien würde die Bevölkerung deutlich stärker treffen als die Armee, hieß es.

Bayerischer Abfüller in der Kritik

Schon vor dem Putsch stand der bayerische Abfüllanlagenbauer Krones in der Kritik, weil er der Brauerei des Militärs half, ihre Produktionskapazitäten beinahe zu verdoppeln. Krones teilte dem Handelsblatt mit, man habe zum Zeitpunkt des Auftrags „noch keine Geschäftspartner-Due-Diligence-Prüfung durchgeführt“. Inzwischen gebe es eine solche Prüfung, „um unter anderem auch Menschenrechtsverletzungen im Voraus zu erkennen“.

Myanmars Streitkräfte haben in dem Land großen wirtschaftlichen Einfluss. Eine Untersuchung für die Vereinten Nationen listete 2019 auf 20 Seiten Unternehmen mit Militärverbindungen auf.

Die Kritik entzündet sich an brutalen Einsätzen des Militärs gegen die Volksgruppe Rohingya. Myanmar wurde deswegen vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Völkermordes angeklagt.

Der thailändische Industrieparkentwickler Amata legte diese Woche ein Ein-Milliarden-Dollar-Projekt in Myanmar auf Eis. Das Unternehmen hatte im Dezember mit den Arbeiten an dem geplanten acht Quadratkilometer großen Industriekomplex nahe Yangon begonnen.

Doch nun sind die Bauarbeiten gestoppt. „Wir und unsere Kunden sind besorgt, dass es einen Handelsboykott westlicher Länder geben wird“, sagte Amatas Chefvermarkter Viboon Kromadit am Tag nach dem Putsch. „Wenn es dazu kommt, dann werden davon neue Investitionen in Myanmar schwer getroffen.“

Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen in Myanmar kommt aus asiatischen Ländern, vor allem aus Japan, China und Singapur. Der japanische Autohersteller Toyota plante für dieses Jahr den Start einer Teilfertigung in Myanmar.

Der Getränkekonzern Kirin, der sich nun zurückzieht, begründete seine Entscheidung mit dem „jüngsten Vorgehen des Militärs, das mit unserer Menschenrechtspolitik nicht vereinbar ist“. Als Miteigentümer des Marktführers sah Kirin großes Potenzial in einem aufstrebenden Wachstumsmarkt.

„Wir haben 2015 beschlossen, in Myanmar zu investieren, weil wir glaubten, einen positiven Beitrag für die Bevölkerung und die Wirtschaft in der wichtigen Phase der Demokratisierung leisten zu können“, teilte Kirin mit. Angesichts der Umstände bleibe aber keine andere Wahl.

Mehr: Die heiklen Geschäfte der Mittelständler in Myanmar