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Was ihr am Wochenende macht, hat Einfluss auf eure Erholung – diese Tätigkeiten entspannen euch laut einer Studie

Was sollte man am Wochenende tun, um sich ausreichend zu erholen? - Copyright: Getty Images/ Nicole Thwaite / EyeEm
Was sollte man am Wochenende tun, um sich ausreichend zu erholen? - Copyright: Getty Images/ Nicole Thwaite / EyeEm

Wusstet ihr, dass sich laut einer Erhebung der Techniker Krankenkasse 26 Prozent der Deutschen häufig gestresst fühlen? Wenn ich ehrlich bin, gehöre ich zu diesem Viertel der Befragten. Und so vergehen viele Wochen, in denen ich mich von Wochenende zu Wochenende hangele, in dem Wissen, dass ich hier meine Batterien neu aufladen und dem Stress entsagen kann. Allerdings sind Wochenenden auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Ich erinnere mich leise daran, wie ich als Studentin samstags bis 13 Uhr schlief – hinter mir lag eine Partynacht, die erst sechs Uhr morgens endete. Den restlichen Tag verbrachte ich mit Sushi und guten Serien im Bett. Sonntagmorgen schleppte ich mich ins Fitnessstudio und besuchte am Nachmittag eine gute Kunstausstellung. Montags war ich frisch wie die Nacht. Erholt. Energetisiert. Bereit für die neue Woche.

Heute sehen meine Wochenenden „etwas“ anders aus. Ich stehe samstags pünktlich um acht Uhr auf, bereite Pancakes mit meinem Partner zu, verputze sie vor dem Fernseher und fahre dann zum Flanieren in die Stadt. Wieder zu Hause setzt der erste Stress ein: Ich „muss“ Sport machen. Unter der Woche war dafür kaum Zeit. Ich „muss“ mein Buch weiterlesen. Unter der Woche war dafür kaum Zeit. Ich „muss“ die Wohnung putzen. Unter der Woche… Ihr wisst schon. Zugegeben halte ich stattdessen oft einfach ein Schläfchen ab und treffe mich abends mit Freunden. Spätestens Sonntag komme ich meinen „Verpflichtungen“ allerdings nach. Und montags fühle ich mich: oft noch nicht bereit für die neue Woche. Wenig erholt. Kaum energetisiert.

Die Macht des Gegenteiligen

Das Problem daran? Sich nicht ausreichend zu erholen und dauerhaft gestresst zu sein, kann krank machen. So stellt auch die Erhebung der Techniker Krankenkasse heraus, dass Stress Einfluss auf die Psyche und den Körper hat. In ihrem Bericht schreiben sie: „Hoher, lang andauernder Stress erhöht die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout“. Weiter seien Kreislauf- und andere Erkrankungen möglich.

Wie aber entgeht man dieser Misere? Die Forschung ist sich sicher: Ebenso wie Stress individuell entsteht, kann er auch nur individuell bekämpft werden. Was das bezogen auf die Erholung am Wochenende bedeuten kann, hat ein Forschungsteam rund um Kevin J. Eschleman von der Universität San Francisco im Jahr 2017 herausgefunden. Sie veröffentlichten eine Studie im „Creativity Research Journal“ darüber, wie man ein erholsames Wochenende gestalten kann.

Ihre grundlegende Annahme: Freizeitaktivitäten haben Einfluss darauf, ob Arbeitnehmer energetisiert, erfrischt und ausgeruht zur Arbeit zurückkehren. Nicht nur konnten die Forscher diese Annahme stützen. Auch fanden sie heraus, dass Arbeitnehmer mit wenig kreativen Jobs am besten erholen konnten, wenn sie in ihrer Freizeit kreativ wurden. Wenig kreative Berufe sind etwa Techniker oder Kassierer. Andersherum konnten diejenigen, die in ihrem Job täglich kreativ werden müssen, am besten abschalten, wenn sie nicht kreativ sein mussten. Kreative Berufe sind etwa Innenarchitekt oder Autor.

Wie kann ich meinem Job bestmöglich entfliehen?

Forscher rund um Clément Ginoux von der Universität in Grenoble, Frankreich haben Ähnliches herausgefunden. Ihre Studie erschien in 2021 im Fachjournal „Health and Well-Being“. Im Ergebnis stellten die Forscher hier heraus, dass diejenigen, die sich am Wochenende mit ihrer Arbeit beschäftigten, sich schlechter erholten. Diejenigen, die sich sozial, körperlich und kreativ verausgabten, erholten sich dagegen besser. Zuletzt seien vor allem zwei Dinge wichtig, um sich zu erholen und vom Stress loszulassen: die psychologische Loslösung vom Job und Entspannung.

Was diese beiden Studien sehr deutlich zeigen? Am erholsamsten und stressfreisten ist die Freizeit, wenn sie möglichst weit entfernt von der Art der Arbeit ist. Laut dem Berater und Autoren Jeffrey Davis sollte man sich daher drei Fragen stellen, wenn man am sich Wochenende ausreichend erholen möchte:

  1. Wie ist die geistige Natur meiner Arbeit beschaffen? Wer unter der Woche wenig kreativ wird, sollte sich für das Wochenende ein schöpferisches Hobby suchen – Malen beispielsweise. Wer schon unter der Woche kreativ arbeitet, sollte dagegen eher andere Hirnareale aktivieren – etwa beim Handwerken.

  2. Was verlangt mir mein Job körperlich ab? Wer den gesamten Tag am Schreibtisch sitzt, sollte sich bewegen. Wer körperlich arbeitet, sollte eher ruhen.

  3. Wie ist der soziale Charakter meines Jobs beschaffen? Wer in seinem Job ständig unter Menschen ist und von Meeting zu Meeting hetzt, sollte am Wochenende Zeit für sich finden. Während Menschen, die im Job viel allein arbeiten, etwas mit Freunden unternehmen sollten.

Auf dem Weg der Besserung

Angesichts dieser Forschungsergebnisse verwundert es mich wenig, dass sich meine Wochenenden die letzte Zeit wenig erholsam anfühlten. Ich habe so ziemlich alles falsch gemacht, was ich nur falsch machen konnte. Ich habe mich zu wenig von zu Hause wegbewegt, wo ich in dank meines Jobs schon mit meinem Schreibtischstuhl verwachsen bin. Habe zu viel gelesen, wo mir in meinem Job doch täglich die Wörter vor den Augen tanzen. Und ich habe mich zu sehr durch To-do-Listen zu reglementieren versucht, um die 48-Stunden am Wochenende so produktiv wie möglich zu gestalten.

Doch am Wochenende sollte es nicht darum gehen, produktiv zu sein. Es sollte einzig darum gehen, sich zu erholen – und auf die Art gesund zu bleiben. Meine zukünftigen Wochenenden stelle ich mir daher in etwa so vor: Ich schlafe aus (wenn auch nicht bis 13 Uhr wie früher). Ich fahre in die Natur. Starre in den Himmel. Bewege mich. Schalte ab. Und am Montag? Da fühle ich mich endlich wieder frisch, erholt und voller Energie. Mir scheint, der Kauf von ein paar Wanderschuhen könnte mein Weg sein, um mich aus dem Club der Dauergestressten zu verabschieden.

Frau Strand Handy
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