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Wirtschaftsforscher erwarten höchstens rudimentären Brexit-Deal

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Ab Samstag ist Großbritannien nicht mehr in der EU - aber im Binnenmarkt bleibt das Land noch bis Jahresende. Diese Frist wollen London und Brüssel nutzen, um ein Freihandelsabkommen auszuhandeln. "Abgesehen von den inhaltlichen Differenzen ist der Zeitplan jedoch viel zu ambitioniert", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der dpa. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte: "Eine Zollunion wäre ein gutes Ergebnis. Realistisch ist das leider nicht."

Auch Michael Hüther, Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), zeigte sich skeptisch: Bis Dezember könnte "ein einfaches Freihandelsabkommen über Warenverkehr ausgehandelt werden", aber ohne Regeln für Finanz- oder Transportdienstleistungen. Die Wirtschaftsbeziehungen der EU mit Großbritannien stünden damit "auf wackligeren Beinen als beispielsweise mit Kanada".

Und sogar ein harter No-Deal-Brexit ist möglich. Dann müsste die deutsche Wirtschaft mit Zöllen von 3,3 Milliarden Euro rechnen. Dazu kämen noch höhere Belastungen aus nichttarifären Handelshemmnissen. Auto-, Pharma- und Chemieindustrie wären am stärksten betroffen. "Im Extremfall wird ein Absinken der deutschen UK-Exporte um bis zu 50 Prozent prognostiziert", sagte Hüther. Gut 460 000 Arbeitsplätze in Deutschland sind mit dem Export nach Großbritannien verbunden.