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Winkler + Dünnebier: Maschinenbauer kommt mit Masken und Briefumschlägen durch die Krise

·Lesedauer: 4 Min.

Der Mittelständler hat in der Pandemie die wohl schnellste Maschine für Maskenproduktion entwickelt. Das sorgt für einen Schub – die US-Wahl auch.

Ohne Temperaturmessung per Stirnthermometer darf kein Gast auf das Betriebsgelände des Maschinenbauers Winkler und Dünnebier. Auch Pflicht: der Gesichtsschutz. Den gibt es aber hier am Stammwerk der GmbH im rheinland-pfälzischen Neuwied in medizinischer Qualität direkt ab Haus. Mund-Nasen-Schutz vom Typ IIR, zertifiziert nach Europäischer Norm 14683, allein 500.000 davon gehen wöchentlich ans Bundesgesundheitsministerium.

Seit der Gründung im Jahr 1913 stellt das frühere SDax-Unternehmen Maschinen für die Papier- und Zellstoffindustrie her. Seit 2016 führt Frank Eichhorn die Geschäfte. Neben der Maskenproduktion sorgt in der Coronakrise ein weiteres Ereignis für eine Sonderkonjunktur: „Wir sind der weltweit führende Anbieter für Insertingsysteme zur Kuvertierung von Briefwahlunterlagen“, führt Eichhorn in Hinblick auf die US-Wahl aus. Von 85 Prozent Marktanteil in den USA spricht er.

Die jetzige GmbH ist inzwischen selbstständige Einheit des US-Konzerns Barry-Wehmiller, der drei Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielt. Und der direkte Draht in die USA ermöglicht auch das Geschäft mit der industriellen Verarbeitung von Briefumschlägen, in denen Eichhorn künftig unter anderem in der Verknüpfung mit Big Data großes Potenzial sieht. Die üblichen Produktionsanlagen sind für Taschentücher, Windeln, Binden.

Masken werden in der Laboranlage hergestellt, die zu Beginn der Pandemie in nur sechs Wochen umgebaut wurde. „Wir wollen unseren Kunden keine Konkurrenz in dem Bereich machen“, sagt Eichhorn, „aber wir haben ihnen viel von der Lernkurve abgenommen.“

Auch die Maschinenproduktion ist schnell umgestellt worden. Nur: Windeln haben keine Ohrschlaufen. Eichhorn holt ein DIN-A4-Blatt hervor, eine Skizze vom 23. März: „Wir haben die erste Maschine verkauft, als wir nicht mehr als ein paar Bleistiftstriche auf Papier gehabt haben.“ Fünf Monate später startete die erste Auslieferung. 800 Masken pro Minute schaffen die Geräte. „Damit sind wir weltweit bei den Schnellsten – wenn nicht die Schnellsten“, sagt Marc Schnell, Vertriebsleiter der Sparte Hygiene Solutions.

95 Prozent der Anfragen kommen von Neukunden

Es sei am Anfang nicht ganz einfach gewesen, den Kunden den Business-Case aufzuzeigen. Zumal jede Anlage 23 Meter lang und rund 1,5 Millionen Euro teuer ist. „Zu den Hochzeiten hätte sich die Anschaffung einer unserer Maschinen für den Kunden innerhalb von zwei Monaten bezahlt gemacht“, sagt Eichhorn und bezieht sich auf die hohen Marktpreise für Masken.

Aber auch zum normalen Kurs arbeiteten die Maschinen rentabel. 95 Prozent der Anfragen seien von Neukunden gekommen. Eine solche Sondernachfrage und Schwerpunktverlagerung beobachtet zwar der Branchenverband Deutscher Papierfabriken (VDP) nicht. Allerdings spricht der Verband von stabiler Nachfrage in den Bereichen Verpackungspapiere und Karton sowie Hygienepapiere.

Es sind eben auch Quereinsteiger wie der Osnabrücker Automobilzulieferer Zender, die in Maschinen Winkler und Dünnebiers investieren. „Die Suche nach einer Maschine zur Maskenproduktion war anfangs sehr schwer“, sagt Lena Guth, die bei Zender den Geschäftsbereich Persönliche Schutzausrüstung (PSA) leitet.

Doch auch danach seien die Anlagenbauer mit der Beschaffung von notwendigen Bauteilen überfordert gewesen. Für Winkler und Dünnebier spreche die hohe Stückzahl und der Auftritt des Unternehmens, der eine hohe Erfahrung und auch eine besondere Zuverlässigkeit erhoffen lässt.

„Das Investment in das Thema Maskenfertigung und Maschinenfertigung wird am Ende erfolgreich gewesen sein“, hofft Eichhorn, ohne konkrete Geschäftszahlen zu nennen. In einem Interview im vergangenen Jahr nannte der Geschäftsführer einen Umsatz von 130 Millionen US-Dollar. Man fühle sich als Teil des Barry-Wehmiller-Konzerns sehr wohl, sagt Eichhorn, aber auch als GmbH. Die AG-Berichtspflichten kennt der Manager noch: „Auf die verzichten wir gerne.“

Das vergangene Geschäftsjahr sei „trotz Auftragsschwäche“ noch einigermaßen zufriedenstellend verlaufen, sagt derweil der Neuwieder Betriebsrat. Durch den schleppenden Auftragseingang der vergangenen sechs Monate musste W+D allerdings Kurzarbeit anmelden, heißt es, aus jetziger Sicht noch bis Jahresende.

Eichhorn wiederum ist froh über die Möglichkeit. In manchen Unternehmensteilen liege die Auslastung bei „mehr als 100 Prozent“, bei anderen eben weit darunter. Vielleicht schiebt die Erkältungssaison auch noch den Umsatz an: „Ich möchte behaupten, 95 Prozent aller Papiertaschentücher in Europa werden auf unseren Maschinen hergestellt“, sagt Marc Schnell.