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Von wegen abgehängt: Im Osten wächst die Wirtschaft aktuell dreifach so schnell wie im Rest Deutschlands, laut neuer Ifo-Prognose

Leipzigs Altstadt. Im Osten erholt sich die deutsche Wirtschaft deutlich schneller als im Rest der Republik. - Copyright: ohann Pavelka/Shotshop/picture alliance.
Leipzigs Altstadt. Im Osten erholt sich die deutsche Wirtschaft deutlich schneller als im Rest der Republik. - Copyright: ohann Pavelka/Shotshop/picture alliance.

In Ostdeutschland wächst die Wirtschaft aktuell deutlich dynamischer als im Rest des Landes - und der Vorsprung auf den Westen wächst. Das Ifo-Institut erhöhte seine Prognose für die Wirtschaft im Osten in diesem Jahr von 0,8 auf 1,1 Prozent. Gesamtdeutschland traut Ifo ein Plus von 0,4 Prozent zu. 2024 wächst die Wirtschaft in Ostdeutschland damit dreimal so stark wie im Westen. Was steckt dahinter?

Zunächst ein paar Zahlen. 2023 war Deutschland in die Rezession gerutscht. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte um 0,3 Prozent. Doch das galt nicht für das ganze Land. Die ostdeutsche Wirtschaft legte auch 2023 um 0,7 Prozent zu. Ein Wachstumsunterschied von einem Prozentpunkt ist eine Menge.

Von wegen abgehängt: „Es ist jetzt mal etwas passiert, was sich pauschal keiner vorstellen kann: Wir sind besser“, jubelte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider.

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Ökonomen beobachten diesen Trend schon länger. „In den vergangenen zehn Jahren war das Wachstum im Osten immer drüber", sagt der Ökonom Axel Lindner. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet damit, dass die Ost-Wirtschaft in diesem Jahr doppelt so stark zulegt wie der Rest des Landes. „Es ist gut möglich, dass sich eine Wende abzeichnet", sagt Lindner.

Nicht Bayern oder Baden-Württemberg führen die Rangliste der dynamischsten Bundesländer an, sondern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Im ersten Quartal 2024 habe sich die Wirtschaft im Osten positiv entwickelt, während die Entwicklung in Gesamtdeutschland flau war, stellt Ifo fest. „Vor allem bei den konsumnahen Dienstleistern sehen wir in Ostdeutschland ein starkes Wachstum", sagt Joachim Ragnitz von der Dresdner Ifo-Niederlassung. Gleichzeitig sei die Industrie dort weniger von Produktionseinschränkungen betroffen. „Somit dürfte Ostdeutschland in diesem Jahr stärker wachsen. “

Die Dynamik nehme dabei zu. Für das kommende Jahr rechnet Ifo-Ökopnom Ragnitz im Osten mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Das wäre erneut höher als die erwarteten 1,5 Prozent im gesamten Land.

Im Osten werde dazu auch die Industrie maßgeblich beitragen. Sie könne mit dem Welthandel und den weiter sinkenden Zinsen wieder deutlich wachsen. Während in vielen Regionen das Gespenst einer Deindustrialisierung umgeht, wächst die Industrie im Osten teilweise mit zweistelligen Raten.

Aufschwung Ost: Die Macht der Einzelfälle

Aber Vorsicht: Dahinter stehen oft einzelne Ansiedlungen oder Einzelerfolge bestehender Firmen. Das Hochlaufen der Fabrik des E-Auto-Bauers Tesla hat das Wirtschaftswachstum Brandenburgs 2023 nach oben gezogen. In Mecklenburg-Vorpommern legte das verarbeitende Gewerbe 19 Prozent zu. Dahinter stand vor allem ein Großauftrag. Der große Einfluss solcher Einzelfälle zeigt, wie klein die Industrie in den jeweiligen Regionen im Osten immer noch ist.

Der Aufschwung Ost ist dennoch breiter geworden. Die wachsende Metropole Berlin sorgt für Aufträge und steigende Einkommen in umliegenden Regionen. Berlin steht beispielhaft für den Aufholbedarf. Im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen seien die Einkommen in Berlin immer noch gering, sagt IWH-Ökonom Lindner. Ihn stimmt das zuversichtlich, dass der Aufholprozess weitergeht.

Wachstum im Osten: Die Basis wird breiter

In den neuen Bundesländern etablieren sich zudem Zentren für konsumnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für Lager und Logistik. Es beginnen sich Cluster zu bilden. Erfolgreiche Unternehmen ziehen Zulieferer an, die selbst wieder wachsen. Der Pool ausgebildeter Fachleute nimmt ebenso zu Kooperationen mit Hochschulen. Standorte werden für Firmen aus verwandten Branchen attraktiver.

Lindner weist auf eine Besonderheit hin. Im Osten machen Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer einen größeren Anteil aller Einkommen aus. Einkünfte aus Vermögen und Unternehmensgewinnen fallen hier weniger ins Gewicht. Gerade die Löhne und Gehälter sind zuletzt aber kräftig gestiegen - stärker als die Kapitaleinkommen. Das hat den Konsum im Osten stabilisiert. Verstärkt wird dies dadurch, dass die starke Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes seit 2022 die unteren Einkommen besonders stark hochgezogen hat. Auch davon profitiert der Osten aufgrund der Lohnstruktur überproportional.

Der Osten braucht Zuwanderung besonders

Es gibt aber ein Wachstumsrisiko für den Osten - die Demografie. Zwar ist die Nettoabwanderung in den Westen längst gestoppt. Städte wie Berlin, Leipzig und Dresden wachsen und sind für jüngere Menschen attraktiv. Insgesamt aber trifft die Alterung der Bevölkerung den Osten noch viele stärker an den Westen. In der Folge fehlen Arbeitskräfte. „Der Arbeitsmarkt dürfte in diesem Jahr nur sehr verhalten zulegen“, schreibt Ifo. „Im nächsten Jahr dürfte der Arbeitsmarkt stagnieren, nicht zuletzt aufgrund der unvorteilhaften demografischen Entwicklung".

Für Ökonomen ist der Befund eindeutig: Um Wachstum zu halten, Wohlstand zu sichern und soziale Sicherheit zu gewährleisten, bedarf es im Osten einer besonders hohen Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Zuwanderung ist dort besonders wichtig, wo der Anteil der Menschen, die einer stärkeren Zuwanderung kritisch gegenüber stehen, besonders hoch ist. Im September sind Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg.