Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 27 Minute

Weg mit Briefkästen, Platz für Paketkästen!

Wenn wir paketweise Krempel bestellen und bei Lieferung nicht zu Hause sind, nutzt der Briefkasten exakt: null. Helfen sollen Packstationen in der Gegend. Dabei wäre es so einfach: mit Paket- statt Briefkästen daheim.

Ein DHL-Paketzusteller liefert 2014 ein Paket an einen Paketkasten vor einem Haus. Eigentlich hätten die Kästen groß ausgerollt werden sollen - doch daraus wurde nichts. Foto: dpa

Komisch. Normalerweise gehen die wesentlichen Interessen von Kunden und Dienstleistern beziehungsweise Händlern ja auseinander. Prominentestes Beispiel: Die einen wollen wenig Geld bezahlen, die anderen wollen viel Geld kassieren.

Aber es gibt einen Posten, da sind sich Dienstleister, Händler und Kunden einig: Es wäre einfach ein Traum, wenn der Paketbote seine Kartons direkt beim ersten Zustellversuch loswürde. Wenn das nicht klappt, wird es für alle nervig.

1. Für Logistiker wie DHL, Hermes, DPD und UPS ist der vergebliche Zustellversuch ein Wahnsinns-Kostenblock. Denn wenn der Paketbote parkt, auslädt, klingelt, wartet, Zettel ausfüllt und alles wieder einlädt, um weiterzufahren, hat er nichts erledigt und nur Zeit verplempert. Das passiert so tausendfach jeden Werktag in Deutschland. Boten mit Glück kriegen die Amazon-Pakete bei den Nachbarn losgeschlagen. Ansonsten droht der zweite Zustellversuch oder das Ganze wird auf stationäre Filialen verteilt (etwa Paketshops), wo der Empfänger das ganze Geraffel dann selbst abholen muss.

2. Und das kostet dann die Empfänger Zeit. Plus Nerven bei den Diskussionen mit „Ich war aber die ganze Zeit zu Hause! Der Bote hat gar nicht geklingelt.“ Gerade belegen aktuelle Zahlen: Die offiziellen Beschwerden über die Lieferdienste sind 2019 laut Bundesnetzagentur nochmal um über ein Drittel in die Höhe geschnellt.

3. Und um diesen Frust der Empfänger im Besteller-Verkäufer-Verhältnis abzufedern, sitzen bundesweit Abermillionen von Call-Center-Mitarbeitern für Amazon, Zalando und Otto augenrollend aber verständnisvoll klingend mit Headset am Computer und versuchen, den Kundenärger auf die Logistiker umzuleiten („Ich werde einen bösen Vermerk an DHL anfertigen, denn so geht das natürlich nicht.“), um den Imageschaden vom eigenen Unternehmen fernzuhalten.

Unterm Strich: Das Blödeste am Online-Handel ist für alle der Zirkus mit der Zustellung.

Was tun?

Lange dachten offenbar alle: Das Beste, was passieren kann, ist eine Expresszustellung. Heute bestellt, morgen da. Ergebnis: heute bestellt, morgen nicht zu Hause, übermorgen keine Zeit, zur Filiale am anderen Ende der Stadt zu fahren, also dann am Samstag, dann aber lange Schlangen, weil alle ihr Zeug abholen.

Dabei wäre es so praktisch, wenn man schon bei der Bestellung genau angeben könnte, wann man die Sendung annehmen möchte. So wie das etwa bei der Rewe-Lebensmittellieferung oder der von Amazon Fresh auch geht. Stichwort Zeitfenster.

Ja, manchmal geht das auch nach Bestellung über die Apps der Logistiker: „Wählen Sie Ihre Wunschzustellzeit“ oder so. Aber dann sind die Zeitfenster riesig oder es geht eben oft nicht am späteren Abend. Und überhaupt: Diesen Service gibt es eben irgendwie nicht bei jeder Sendung. Oder der Service kostet extra. Man blickt als Kunde nicht durch.

Da kommt einem so eine Idee wie die DHL-Packstation oder der Amazon-Locker gerade recht. Da kann man die Bestellung abholen, wann es einem passt. Im Idealfall steht dieser Schrank in der direkten Nachbarschaft. Oft muss man dann nochmal mit dem Auto los. Ehrlich gesagt: So richtig praktisch ist das nur im Vergleich zum Daheim-Zustellungs-Hickhack. Vergleichen wir das mit der Zustellung von Briefen, wäre das so, als müssten wir unsere Briefpost immer aus einem Postfach in einer Filiale raus klauben. Wie schön ist da ein Briefkasten an der eigenen Haustür.

Aber was landet denn heute noch im Briefkasten? Das Allermeiste könnte doch online abgehandelt werden. Rechnungen, Bescheinigungen von Versicherungen, Kontoauszüge, Werbung. Das meiste ginge per E-Mail und App. Auch die tägliche Zeitung. Allein die Versendung von Kreditkarten und so weiter ist online nicht möglich. Aber wer weiß, wie lange wir noch reale Plastikkarten verwenden werden?

Während Briefe immer weniger relevant werden, wird Paket-Post immer wichtiger.

Warum also stellen wir nicht im großen Stil von Briefkästen auf Paketkästen um? DHL und seinen Konkurrenten wäre es doch eh am liebsten, wir würden schriftlich erlauben: Legen Sie die Sendung gerne unter den Busch im Garten/ ins frei zugängliche Gartenhaus/auf die Terrasse.

Geben wir denen das mit Brief und Siegel, gilt ein Paket irgendwo im Vorgarten offiziell als „zugestellt“. Auch der neue Laptop für 1000 Euro. DHL schreibt etwa in seinen AGB: „Für den Verlust oder die Beschädigung von Sendungen nach der auftragsgemäß erfolgten Ablage am Wunschort (…) ist eine Haftung der DHL und ihrer Erfüllungsgehilfen ausgeschlossen“.

Wie praktisch für die. Zweiten Zustellversuch gespart, keine Zustellung quittiert, Verantwortung für Verlust oder Beschädigung an Empfänger abgewälzt. Ich würde diese Erlaubnis niemals erteilen für eine Zustellung zwischen Mülltonnen oder unter den Gartentisch.

Aber ein eigener sicherer Paketkasten statt eines Briefkastens vor der Tür wäre die Lösung. Diese Dinger gibt es ja auch schon. DHL hat seine Paketkästen (mit Paketkasten-ID und allem Pipapo) zwar wieder vom Markt genommen. Aber das war wohl auch kein Wunder. Denn DHL war so selbstbewusst, diese Boxen nur für DHL-Lieferungen freizugeben. Selbstbewusst und weltfremd. Was, wenn der Verkäufer mit einem anderen Dienst liefern lässt?

Es gibt mittlerweile deshalb einige Anbieter, deren Kästen allen Paketdiensten offen stehen, wie etwa die mit dem Parcellock-System, die allerdings auch erstmal für alle Lieferdienste wie DHL und UPS mit irgendwelchen Dauer-TANs freigeschaltet werden müssen (so ähnlich wie mit der Terrassen-Zustell-Erlaubnis, nur jetzt eben für den Kasten).

Solche Kästen und solche anderer Systeme gibt es von namhaften Herstellern wie Burg-Wächter oder Renz für unter 500 Euro und weit aufwärts. Die teuren können sogar Lebensmittellieferungen kühl halten wie die von Sesam. Und Nachbarn in Mehrfamilienhäusern können sich für solch eine Box auch zusammentun. Und Briefe lassen sich je nach Modell auch einwerfen.

Da tut sich also was. Aber so richtig durchsetzen tun sich die Paketkästen irgendwie trotzdem noch nicht. Stattdessen haben wir seit jeher Kästen, durch deren Schlitze nur die „Leider haben wir Sie nicht angetroffen“-Karten passen.

Dabei wären die Paketkästen doch ohne Witz ein sinnvoller Beitrag zu mehr Klimaschutz und Nervenschutz. Der Bote kommt nicht unnötig vorbei und keiner muss extra nochmal zur Post oder zur Packstation los. Heißt: weniger Parkplatzsuchverkehr, weniger Paketlieferwagen in zweiter Reihe, also weniger Stau und weniger CO2. Und weniger „Verdammt. Ich war doch zu Hause!“

Es ist Zeit für weniger Briefkästen und mehr Paketkästen vor der eigenen Haustür. Kann da mal jemand bitte irgendwelche Fördergelder für locker machen?