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Wasserstoff: MAN Energy Solutions will Deutschlands führender Anlagenbauer werden

Höpner, Axel
·Lesedauer: 4 Min.

Die VW-Tochter übernimmt den Spezialisten H-Tec Systems nun komplett. Der bisherige Dieselspezialist greift so im Zukunftsmarkt Wasserstoff an.

Mit Diesel- und Turbomotoren ist die VW-Tochter MAN Energy Solutions erfolgreich geworden. Doch in der Energiewende und dem Kampf gegen den Klimawandel soll jetzt Wasserstoff zu einer zentralen Säule ausgebaut werden.

Gerade im industriellen Bereich gilt Wasserstoff als aussichtsreiche Alternativenergie. Um sich im projizierten Wachstumsmarkt eine bessere Ausgangssituation zu verschaffen, übernimmt das Unternehmen nun früher als geplant den Elektrolyseur-Spezialisten H-Tec Systems komplett.

„Wir wollen der führende deutsche Anbieter von Wasserstoff-Produktionsanlagen werden“, sagte MAN-Energy-Solutions-CEO Uwe Lauber dem Handelsblatt. Der Energieträger könne ein „Exportschlager für die deutsche Industrie werden.“ Ein Hoffnungswert für die VW-Tochter, der Großmotorenbauer hat zuletzt in seinem Stammgeschäft den Abbau von 1650 Arbeitsplätzen in Deutschland und 950 im Ausland angekündigt.

„Wir wollen die Energiewende ermöglichen“, sagte Lauber. Benötigt würden Großspeicher für den Strom aus Erneuerbaren. Hier könne MAN Energy Solutions mit seiner Erfahrung im Bau großer Anlagen eine Schlüsselposition übernehmen.

Denn nach der Übernahme von H-Tec Systems kann MAN Energy Solutions seine schlüsselfertigen „Power-to-X“-Anlagen nun mit eigenen Elektrolyseuren anbieten, mit deren Hilfe zum Beispiel grüner Wasserstoff gewonnen wird.

Das Marktpotenzial ist groß. Laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission könnten bis 2050 in der europäischen Wasserstoffindustrie mehr als 5,4 Millionen Arbeitsplätze entstehen – bei einem Umsatz von mehr als 800 Milliarden Euro im Jahr.

Das Verfahren der Elektrolyse gibt es schon seit Jahrzehnten. Doch könnte im Kampf gegen den Klimawandel der Durchbruch gelingen. Denn die Technologie wird von der Bundesregierung und der EU mit Milliarden gefördert. Unternehmen wie MAN Energy Solutions und Siemens Energy wollen davon profitieren.

Die Bundesregierung hat allein für drei große Forschungsprojekte im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Wasserstoffrepublik Deutschland“ 700 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit diesen soll die Serienfertigung von Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff, den Elektrolyseuren, in Deutschland ermöglicht werden.

MAN Energy Solutions ist unter anderem beim Projekt „H2 Giga“ dabei. Dieses soll die Grundlagen für die Fließbandfertigung von Elektrolyseuren schaffen. Bislang werden diese noch mit viel „Handarbeit“ hergestellt. „Jetzt geht es darum, das Thema zu industrialisieren“, sagte Lauber. Umso preiswerter die Elektrolyseure seien, desto günstiger werde der Wasserstoff.

H-Tec Systems habe als Start-up begonnen, nun könne es mit MAN-Hilfe in die Serienproduktion von kleinen und größeren Elektrolyseuren gehen, sagte Lauber. Laut Industriekreisen dürfte die neue Tochter in diesem Jahr auf zweistellige Millionenumsätze kommen.

Starke Konkurrenz in Deutschland

H-Tec Systems forscht und entwickelt seit gut 20 Jahren im Bereich der Wasserstofftechnologie. Seit 2010 gehörte die Firma zum auf erneuerbare Energien spezialisierten Projektentwickler GP Joule. MAN Energy Solutions sicherte sich im vergangenen Jahr zunächst 40 Prozent der Anteile und wurde nun über eine Option zum Alleineigentümer.

Bislang sind die Elektrolyse-Anlagen noch klein. Jetzt gehe es darum, die Entwicklung von PEM-Elektrolyseuren (Protonen-Austausch-Membran-Verfahren) auch im Multimegawatt-Bereich voranzutreiben, sagte H-Tec-Systems-Geschäftsführer Frank Zimmermann. „Das ermöglicht die Anwendung dieser fortschrittlichsten Elektrolyseurtechnologie auch in industrieller Größenordnung.“ Bei den Wasserstoffanlagen trifft MAN Energy auch im eigenen Land auf starke Konkurrenz. So baut zum Beispiel auch die neue Siemens Energy Elektrolyseure.

In Chile plant Siemens Energy zum Beispiel gemeinsam mit Porsche und dem italienischen Energiekonzern Enel ein „Power-to-Methanol“-Projekt. Neben einer 3,4-Megawatt-Windkraftturbine von Siemens Gamesa soll ein Elektrolyseur von Siemens Energy errichtet werden. Dieser soll mithilfe der Windkraft klimaneutrales synthetisches Benzin und Methanol produzieren.

Linde wiederum kündigte am Mittwoch an, in Leuna den weltweit größten PEM-Elektrolyseur zu bauen. Die 24-Megawatt-Anlage, die vom Joint-Venture-Partner ITM Power stammt, soll in der zweiten Jahreshälfte 2022 in Betrieb gehen und bis zu 3200 Tonnen Wasserstoff im Jahr produzieren.

MAN Energy Solutions traut sich eine führende Rolle zu. „Wir sind die Einzigen, die alle Hauptbestandteile einschließlich der Methanisierung aus einer Hand anbieten“; sagte Lauber. Zudem habe man Erfahrung mit großen, komplexen Anlagen.

Schon 2013 hatte das Unternehmen zum Beispiel den Methanisierungsreaktor für die erste und mit sechs Megawatt lange Zeit größte Power-to-Gas-Anlage Europas für die Audi AG in Werlte in Betrieb genommen. Heute bietet das Unternehmen schlüsselfertige Anlagen mit einer Kapazität von 50 Megawatt und mehr an.

Volkswagen hatte sich eigentlich von MAN Energy Solutions trennen wollen, weil es nicht mehr zum Kerngeschäft passt. Doch wurde kein passender Käufer gefunden. „Wir müssen uns in die Profitabilität bewegen, damit wir uns selbst finanzieren können“, sagte Lauber. Die Restrukturierung sei schmerzhaft. Doch sei er froh, dass nun eine tragfähige Basis für die nächsten Jahre unter dem Dach von VW gefunden wurde.