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WAHL/ROUNDUP/Verluste bei drei Wahlen: Richtungskampf in der AfD spitzt sich zu

·Lesedauer: 3 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Nach den Stimmenverlusten der AfD bei der Bundestagswahl sowie den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist der zuletzt nur mühsam unterdrückte Richtungsstreit an der Parteispitze voll entbrannt. Parteichef Jörg Meuthen kündigte am Montag in Berlin eine schonungslose Analyse möglicher Fehler im Wahlkampf an. Zur Zukunft der Partei sagte er: "Wir müssen schauen, in welche Richtung bewegt sich diese Partei, kommen wir da auf einen gemeinsamen Nenner oder kommen wir das nicht."

"Unter dem Strich wird man das als Erfolg nicht vermelden können", analysierte Meuthen das Ergebnis der Bundestagswahl. Die AfD sei mit dem Slogan "Mut zur Wahrheit" angetreten, dazu gehöre auch, "die Dinge nicht schön zu reden". Der Europaabgeordnete sagte, die AfD müsse intern auch darüber reden, ob es klug gewesen sei, die Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union ins Wahlprogramm zu schreiben. Er sei bei Wahlkampfveranstaltungen oft auf diese trotz aller Kritik an der EU für viele Wähler nicht nachvollziehbare Position angesprochen worden.

"100 Prozent zufrieden mit dem Ergebnis bin ich nicht unbedingt", räumte Spitzenkandidat Tino Chrupalla ein, der die Partei seit knapp zwei Jahren als Co-Vorsitzender gemeinsam mit Meuthen führt. Er sprach dennoch von einem "sehr stabilen Ergebnis". Co-Spitzenkandidatin Alice Weidel sagte, dass sie sich das Ergebnis "nicht schlecht reden lasse, von niemandem". Auf die Frage, wie sie zu Meuthen stehe, sagte sie: "Er ist ein Charakterkopf. ich habe immer sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet." Das klang schon ein wenig so, als sei Meuthen in der AfD schon Vergangenheit.

Die AfD hatte bei der Bundestagswahl am Sonntag zwar ihr intern angepeiltes Ziel, mindestens zehn Prozent der Zweitstimmen zu gewinnen, erreicht. Sie blieb jedoch sowohl im Bund, wo sie laut dem vorläufigen Ergebnis 10,3 Prozent holte, als auch bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin unter ihren Stimmanteilen von den jeweils zurückliegenden Wahlen zurück.

Den größten Zuspruch erhielt sie bei der Bundestagswahl von Arbeitern und Arbeitslosen. Damit setzt sie den von Ex-Parteichef Alexander Gauland forcierten Kurs fort, sich als "Partei der kleinen Leute" zu etablieren. Bei Selbstständigen und Rentnern schnitt die einstige "Professorenpartei" dagegen deutlich schwächer ab. Im Osten, wo die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Rechtsaußen-Strömung der Partei besonders stark ist, holte sie insgesamt deutlich bessere Ergebnisse als im Westen. In Sachsen und Thüringen schaffte es die Partei mit rund einem Viertel der Zweitstimmen auf Platz eins, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf Platz zwei.

Die einzige Partei, die Wähler an die AfD abgab, war die Linke. SPD, CDU, CSU und FDP und im geringeren Maße auch die Grünen konnten dagegen Wähler gewinnen, die bei der letzten Bundestagswahl den Rechtspopulisten ihre Stimme gegeben hatten.

Die neue Fraktionsspitze der AfD soll am Mittwoch gewählt werden. Weidel und Chrupalla haben angekündigt, gemeinsam antreten zu wollen. So lief es auch vor vier Jahren. Nach der Bundestagswahl hatte sich Weidel gemeinsam mit Alexander Gauland um den Fraktionsvorsitz beworben. Meuthen sagte, er wolle sich in die Belange der Fraktion nicht einmischen, er halte es aber grundsätzlich für keine gute Praxis "im Doppelpack anzutreten".

Ob er selbst auf dem Bundesparteitag im Dezember erneut für den Parteivorsitz kandidieren wird, ließ Meuthen offen. Die Spannungen zwischen ihm und dem Co-Vorsitzenden Chrupalla waren am Montag bei dem gemeinsamen Auftritt in Berlin mit Händen zu greifen.

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