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Verschärfte Regeln – VW droht Produktionsengpass ab 1. September

Autos können nicht so schnell geprüft werden können, wie die EU die Regeln verschärft. Was das für die Produktion und Auslieferung bei Volkswagen bedeutet.


Volkswagen geht wegen der Umstellung auf die neuen Abgasmesszyklen von Verzögerungen bei der Produktion und Auslieferung von hunderttausenden Fahrzeugen aus. „Wir rechnen im zweiten Halbjahr 2018 aufgrund der Einführung des neuen Prüfverfahrens WLTP im Volkswagen-Konzern mit einem Effekt von etwa 200.000 bis 250.000 Fahrzeugen, die wir später als ursprünglich geplant bauen werden“, erklärten die Wolfsburger am Freitag.

Man arbeite mit Hochdruck an weiteren Maßnahmen, um die Auswirkungen auf die Produktion so gering wie möglich zu halten. „Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es zu temporären Produktionsengpässen kommen wird und es Auswirkungen auf unsere Auslieferungen gibt.“ Insgesamt bestätigte der Konzern jedoch die für 2018 gesteckten Ziele.

Zu den Kosten äußerte sich Volkswagen nicht. Der „Spiegel“ berichtete vorab, für den Konzern bedeute die verspätete Auslieferung und die Tatsache, dass einige Neuwagen die Händler womöglich gar nicht erreichten, ein Milliardenrisiko.


Dabei berief sich das Nachrichtenmagazin auf Aussagen aus Konzernkreisen, die mögliche Verluste gegenüber der ursprünglichen Produktions- und Verkaufsplanung auf eine mittlere sechsstellige Zahl an Fahrzeugen schätzten.

Volkswagen verwies darauf, dass das Risiko durch die neuen WLTP-Tests bereits ausdrücklich erwähnt und mögliche Auswirkungen im Geschäftsausblick 2018 berücksichtigt seien. „Finanzielle Auswirkungen (Working Capital) könnten sich durch eine Anhäufung von Lagerbeständen im ersten Halbjahr ergeben.“ Außerdem seien Auswirkungen durch zeitlich begrenzte Einschränkungen beim Modell-Mix möglich, da temporär eventuell nicht alle Varianten verfügbar seien.

Vorstandschef Herbert Diess hatte schon im Mai auf der Hauptversammlung angedeutet, dass die neuen WLTP-Tests zu einem Problem für den Autokonzern werden könnten. „Unter ungünstigen Umständen können sich temporär Engpässe in unserem Angebotsprogramm ergeben. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, mögliche negative Auswirkungen auf Bestellbarkeit und Auslieferung auf ein Minimum zu reduzieren“, sagte Diess damals.

Am Donnerstag hatte Diess die VW-Belegschaft auf Produktionsausfälle im dritten Quartal vorbereitet. Die Neuwagen sollten nach und nach ausgeliefert werden, sobald sie die neuen Tests durchlaufen hätten. Dennoch könnten viele Fahrzeuge nicht zu den Händlern rollen und müssen zwischengelagert werden, weil die Teststände nicht ausreichen.


Damit die Stellplätze nicht überlaufen, will VW im Wolfsburger Stammwerk nach den Werksferien (7.-27.Juli) bis Ende September so genannte Schließtage einlegen, an denen die Produktion ruht. Wie diese Tage verteilt werden, soll in den nächsten Tagen mit dem Betriebsrat besprochen werden. In Wolfsburg rollen in Spitzenzeiten bis zu 4000 Fahrzeuge am Tag von den Produktionsbändern.

Mehrere Hersteller haben Probleme mit dem strengeren Abgastest, der ab 1. September gilt. Bei der Methode bei der Zulassung neuer Fahrzeuge wird der CO2-Ausstoß nicht mehr wie heute auf einem Prüfstand gemessen, sondern auch auf der Straße.

Porsche hatte deshalb bereits über Verzögerungen im Verkauf berichtet: „Die kurzfristig um ein Jahr vorgezogenen EU-Fristen zur WLTP-Zertifizierung belasten uns enorm“, sagt Porsche-Vorstandschef Oliver Blume dem Handelsblatt.

BMW bekräftigte indes, die Auswirkungen hielten sich in Grenzen. „Planmäßige Angebotsunterbrechungen beschränken sich auf wenige, volumenschwächere Modelle.“ Daher blieben auch die Absatzziele unberührt. Daimler erklärte, man erwarte durch die Umstellung auf WLTP und dem daraus resultierenden Mehraufwand bei der Zertifizierung keine signifikanten Produktionsausfälle.