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Vorwürfe gegen Impfstoffhersteller Moderna: Der Corona-Impfstoff sei in vielen Ländern schwer erhältlich

·Lesedauer: 3 Min.

Länder mit einem niedrigen Durchschnittseinkommen haben deutlich weniger Dosen des Moderna-Impfstoffes erhalten als wohlhabendere Nationen. Das berichtete die „New York Times“. Laut gesammelter Daten des Softwareentwicklers Airfinity wurden nur etwa eine Million Dosen des Corona-Impfstoffes Spikevax des Herstellers Moderna an einkommensschwächere Länder geliefert. Zum Vergleich: Biontech stellte etwa 8,4 Millionen Impfdosen zur Verfügung, während Johnson & Johnson etwa 25 Millionen Dosen in entsprechende Regionen in der Welt auslieferte.

Darüber hinaus berichtete die „New York Times“, dass einige Länder mit einem mittleren Durchschnittseinkommen mehr für den Impfstoff zahlen müssten als die Vereinigten Staaten. In weiteren Fällen hätten die Regierungen zwar Verträge mit Moderna abgeschlossen, bislang aber noch nicht die vereinbarten Mengen erhalten. Das soll beispielsweise in Botswana der Fall sein. Weitere Länder wie etwa Tunesien seien hingegen nicht einmal in der Lage, mit dem Biotechnologieunternehmen Kontakt aufzunehmen.

Der Impfstoff von Moderna ist derzeit besonders gefragt. Im Laufe der Zeit scheint der Moderna-Impfstoff im Vergleich zu den Impfstoffen von Biontech und Johnson & Johnson einen besseren Schutz zu bieten, wie Business Insider berichtete. Die Auswertung von Krankenhausdaten in 20 Städten legte nahe, dass der Moderna-Impfstoff nach vier Monaten immer noch zu 92 Prozent wirksam ist, um schwere Verläufe und somit Krankenhausaufenthalte zu verhindern. Im gleichen Zeitraum sinkt die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs Comirnaty auf 77 Prozent, die Wirksamkeit des Vakzins von Johnson & Johnson namens Janssen auf 68 Prozent.

In einer Pressemitteilung nahm Moderna Stellung zu den Vorwürfen: „Von Anfang an war es unser Ziel, so viele Menschen wie möglich rund um den Globus zu schützen. Bis heute sind weltweit mehr als 250 Millionen Menschen mit dem Covid-19-Impfstoff von Moderna geimpft worden. Wir sind uns durchaus bewusst, dass der Zugang zu Impfstoffen in vielen Teilen der Welt weiterhin eine große Herausforderung darstellt. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns weiterhin auf die Umsetzung einer umfassenden und sich permanent weiterentwickelnden Impf-Strategie. Wir wollen sicherstellen, dass auch einkommensschwächere Länder Zugang zu unserem Impfstoff erhalten.“

Der "New York Times" zufolge betonten die Verantwortlichen des Biotechnologieunternehmens, dass sie so viele Dosen wie möglich herstellen. Ihre Produktionskapazität sei jedoch begrenzt und die produzierten Dosen würden zur Zeit größtenteils an Länder mit bestehenden Verträgen ausgeliefert.

Derweil reagieren einige Kritiker mit Unverständnis. Tom Frieden, der ehemalige Leiter der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Center for Disease Control and Prevention, sagte der "New York Times", das Unternehmen verhalte sich so, als hätte es keinen anderen Auftrag als Gewinn-Maximierung.

In einer Pressemitteilung erläuterte Moderna unterdessen, dass der Zugang zu Impfstoff durch folgende Maßnahmen ausgeweitet werde:

1. Keine Durchsetzung des Patents auf ihren Impfstoff.
2. Eine Vereinbarung mit der Initiative Covax von Mai 2021. Diese umfasst die Bereitstellung von über 500 Millionen Dosen an die Initiative, die sich für eine weltweit gerechte Verteilung der Impfstoffe einsetzt.
3. Zusammenarbeit mit Regierungen, die ebenfalls planen, die Impfstoffe an Covax zu spenden.
4. Bau einer hochmodernen mRNA-Produktionsanlage in Afrika – hierfür gibt es jedoch keinen Zeitplan.
5. Ausbau von Kapazitäten, so dass im kommenden Jahr eine weitere Milliarde Impfstoffe an Länder mit niedrigem Durchschnittseinkommen geliefert werden können.

Bei Betrachtung der Impfquoten aller Länder weltweit wird ein generelles Gefälle zwischen wohlhabenden und einkommensschwachen Nationen deutlich. Während mehr als 46 Prozent der Weltbevölkerung mindestens eine Dosis eines Covid-19-Impfstoffes erhalten haben, stammt der Großteil dieser Menschen aus Ländern mit einem mittleren bis hohen Durchschnittseinkommen. Lediglich 2,5 Prozent der bereits mindestens einmal Geimpften kommen aus einkommensschwachen Ländern.

Derzeit haben die Vereinigten Arabischen Emirate, Portugal und Singapur die höchsten Impfquoten. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind dort geimpft. In anderen Ländern, darunter Südsudan, Uganda und Äthiopien, sind weniger als ein Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Auf Anfrage von Business Insider hat Moderna bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht reagiert.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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