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Wie das Virus einen Steuernomaden bedroht

·Lesedauer: 3 Min.

Ein junger Deutscher reist um die Welt. Weil er überall nur kurz bleibt, muss er nirgendwo Steuern zahlen. Doch jetzt durchkreuzen die Corona-Reisesperren seine Pläne: Zwangspause in Südamerika.

Christoph Heuermann ist 29 Jahre alt. Seit 2016 ist er auf ewiger Weltreise. Weil er in den meisten Ländern nur kurz bleibt, muss er nirgendwo Steuern zahlen. Ende Januar hatten wir seine Geschichte erzählt: die Geschichte eines Steuernomaden.

Sein Plan damals: Bis zum kommenden Jahr wollte er alle gut 190 Länder der Welt bereist haben. Doch das war, bevor die Coronakrise sich weltweit ausbreitete. Reisesperren bedrohen nun seine Strategie. Für ihn ein großes Problem. Würde er im falschen Land zu lange festsitzen, drohte er in die Steuerpflicht zu rutschen. Dabei will er das partout vermeiden. Einkommensteuer oder Kapitalertragsteuer hat ihm seit Jahren kein Land der Welt mehr berechnet. Nur Steuern, die er nicht vermeiden kann, zahlt auch Heuermann, Umsatzsteuer zum Beispiel. Auch andere Deutsche versuchen der Steuer zu entgehen, selbst ohne Dauer-Weltreise. Wie das geht, ist lesen Sie hier.

Bis zum 8. März konnte Heuermann an seinen Reiseplänen festhalten. Selbst Reisestationen in Asien, wie Vietnam, Kambodscha, Myanmar und Bangladesch, waren trotz der Ausbreitung des Coronavirus noch kein Problem, berichtet er. Von der Inselgruppe Sokotra im nordwestlichen Indischen Ozean kam Heuermann auf den letzten Drücker weg. „Wir mussten vorzeitig abfliegen, mit dem letzten Flug vor Vollsperrung des Landes.“ Es gebe von dort nur einen Flug pro Woche, von und nach Kairo in Ägypten. Dort wollte er aber nicht wochenlang feststecken.

Über Dubai reiste er deshalb nach Sao Paulo. „Ich bin froh, es gerade noch so nach Südamerika geschafft zu haben“, sagt Heuermann. Gestern habe Brasilien seine Grenzen nun für alle EU-Bürger geschlossen. Weil er in Paraguay und Panama lebenslang dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen hat, kommt er weiterhin in diese Länder. Dort drohten wegen Corona aber potenziell Zwangsquarantäne und Ausgangssperren. Er wollte deshalb eigentlich einstweilen in Brasilien bleiben.

Weil der Euro gegenüber dem Brasilianischen Real aufgewertet habe, sei das Leben in Brasilien momentan besonders günstig. Bis vor wenigen Tagen war das Leben durch die Schutzmaßnahmen vor Corona auch relativ wenig eingeschränkt. Heuermann wollte noch in den Süden des Landes fliegen. Denn vor dem Coronavirus und der damit verbundenen Covid-Erkrankungen macht er sich bislang keine Sorgen. Er gehöre wohl „eher zu den Verharmlosern“, sagt Heuermann. Seine internationale Krankenversicherung, für die er nur 90 Euro Beitrag pro Monat zahlt, decke eine mögliche Behandlung ab. Weltweit.

Ab Juli, so hofft Heuermann, kann er weiter reisen. Japan und Südkorea stehen eigentlich auf dem Reiseprogramm. Für Anfang August hat er bereits einen Rückflug von Südkorea nach Deutschland. Viele andere gebuchte Tickets, über 50 sind es für den Rest des Jahres, wird er nun verfallen lassen müssen.

Die mögliche Zwangspause der Weltreise in Brasilien wollte Heuermann in einem Marriott-Hotel in der Weinanbauregion Valhe dos Vineods verbringen – solange dieses geöffnet bleibt. Hier hätte er sich auch einen längeren Aufenthalt vorstellen können, ohne als Nomade gleich einen Lagerkoller zu bekommen. Drei Monate könne er in Brasilien bleiben, ohne steuerliche Nachteile befürchten zu müssen. Dann hätte er weiter gemusst. „Nach Paraguay oder Panama kann ich danach notfalls immer.“ Dort würde er selbst bei einem Daueraufenthalt steuerfrei bleiben.

Aber vor wenigen Tagen wurden die Brasilien-Pläne dann ebenfalls durchkreuzt. „Schlag auf Schlag“ habe sich die Lage geändert, berichtet Heuermann. Der südliche Bundesstaat, in den er eigentlich wollte, sei nun abgeriegelt. Er habe entschieden, noch nach Mexiko weiterzufliegen und im Küstenort Playa del Carmen, nahe Cancún, auszuharren. Einige enge Freunde von ihm seien dort. Improvisation ist das Gebot dieser Tage.

Der notorische Steuerverweigerer gewinnt den Corona-Einschränkungen wenigstens etwas Gutes ab: Die Finanzämter arbeiteten ja auch nicht, habe er gehört.

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