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Vieles spricht für eine Jahresendrally an den Börsen

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Nach einer starken Woche verfehlte der Dax am Freitag einen neuen Höchststand. Doch die Chancen, dass der deutsche Leitindex die Marke bald knackt, stehen gut.

Das erhoffte Dax-Rekordhoch blieb am Freitag zwar aus, doch vom Allzeithoch von 13.795 Punkten ist der deutsche Leitindex nicht mehr weit entfernt. Auch in der kurzen Börsenwoche, die am Montag startet, ist noch viel Bewegung möglich. So bleibt die Hoffnung, dass die jüngste Börsenrally dem Dax noch vor den Weihnachtsfeiertagen zu einem neuen Rekordhoch verhilft.

Zwei Entwicklungen stehen dabei in der kommenden Woche im Fokus: Noch immer warten Anleger gebannt auf die Verabschiedung eines Konjunkturpakets in den USA, sowie eine finale Entscheidung in den Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. Außerdem steht die Aufnahme von Tesla in den S & P 500 an, den Index der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen.

Diese Anspannung dürfte sich ab Montag bemerkbar machen, zumal nur noch drei Tage zum Handeln bleiben: Aufgrund der Börsenfeiertage wird an deutschen Börsen in der kommenden Woche nur noch am Montag, Dienstag und Mittwoch gehandelt. In den USA findet am 24. Dezember noch ein verkürzter Handelstag statt. An welchen Feiertagen nicht gehandelt wird, hängt in jedem Land von nationalen und religiösen Feiertagen ab.

Am Freitag schloss der Dax am Tag des Hexensabbat, dem großen Verfallstermin an den Derivatebörsen, nach einer insgesamt starken Woche mit 13.630 Punkten, das entspricht einem Verlust von 0,27 Prozent im Vergleicht zum Vortag. Damit lag er rund 160 Punkte vom Rekordstand aus dem Februar entfernt. Am Vormittag fehlten nur noch 20 Punkte bis zum Höchstwert von 13.795 Punkten, doch kurz darauf fiel der Index wieder zurück. Im Wochenverlauf verbuchte das Börsenbarometer aber dennoch ein Plus von knapp vier Prozent.

Corona-Impfungen tragen zu Optimismus bei

Die Marktanalysten Craig Erlam vom Broker Oanda Europe und Stephen Innes von Axi gehen nun von einem ereignisreichen Wochenende aus. „Brexit-Deal und US-Hilfspaket – beides ist noch nicht in trockenen Tüchern“, sagte Innes, auch wenn die Märkte sich insgesamt weiter optimistisch zeigten.

Erlam ist dennoch positiv gestimmt: „Es hat ganz den Anschein, dass die Verhandelnden auf beiden Seiten des Atlantiks beschlossen haben, noch ein paar Gesprächstage herauszuquetschen, bevor sie sich – unter den aktuellen Umständen metaphorisch gesprochen – die Hände schütteln und ihre Deals besiegeln.“

Mit Blick auf Deutschland zeigt sich Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect überzeugt: „Der Dax steht in den Startblöcken, um in der kommenden Woche die Jahresendrally fortzusetzen und den im Februar erreichten Rekord knapp unter 13.800 Punkten zurückzuerobern.“

Dabei spiele auch das sogenannte „Window Dressing“ eine wichtige Rolle. Fondsmanager, die die Rally verpasst und ihren Anlegern noch keine gute Rendite bieten konnten, wollen ihre Schwächen kaschieren. Daher werfen sie schlecht gelaufene Aktien aus ihrem Portfolio und kaufen stattdessen die gut gelaufenen, was für weiter steigende Börsen sorgen könnte.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass der Dax sein Rekordhoch kurz- oder mittelfristig noch erreicht: Anleger reagieren bereits jetzt mit Optimismus auf den nahenden Corona-Impfstoffstart in der EU, der Impfstoff des Unternehmens Biontech soll am Montag in der EU zugelassen werden. Damit verbunden ist die Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung.

Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, signalisiert Besserung. Trotz des Lockdowns kletterte der Index im Dezember entgegen der Erwartung von Ökonomen auf 92,1 Punkte von 90,9 Zählern im Vormonat, wie das Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Dies war der erste Anstieg nach zwei Rückgängen in Folge.

Die Corona-Sorgen sind somit mit den beginnenden Impfungen gegen das Virus trotz der hohen Neuinfektionszahlen zunehmend in den Hintergrund gerückt. Von den anhaltend hohen Fall- und Todeszahlen in der Pandemie sowie dem erneuten harten Lockdown zeigen sich die Aktienmärkte weiterhin unbeeindruckt.

Hoffnungen auf US-Konjunkturpaket wiederbelebt

In den USA verzeichneten die drei wichtigsten Indizes am Freitag insgesamt einen Wochengewinn: Der S & P 500 stieg um 1,25 Prozent, der Dow Jones um 0,4 Prozent und der Technologieindex Nasdaq um drei Prozent.

Allerdings war den US-Börsen zum Ende der vergangenen Woche die Luft ausgegangen, der Dow Jones verlor am Freitag 0,4 Prozent auf 30.179 Punkte, der Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 12.756 Punkte nach und der S & P 500 büßte 0,4 Prozent auf 3709 Punkte ein.

Doch nach monatelanger Diskussion mehren sich insgesamt nun die Anzeichen, dass sich Demokraten und Republikanern auf ein Konjunkturpakets in den USA in Höhe von 900 Milliarden Dollar einigen können. Denn nicht zuletzt die steigende Arbeitslosigkeit und schwache Einzelhandelsdaten erhöhen derzeit den Druck auf die US-Politik, zu einer Einigung zu kommen. Kongressmitglieder signalisierten in den vergangenen Tagen nun erneute Annäherung.

Die dadurch ausgelöste positive Marktstimmung an der Wall Street, an der die drei großen Indizes am Donnerstag dann einmal mehr neue Höchststände erreichten, übertrug sich bereits auf den deutschen Markt. Thomas Hayes, Experte von der Vermögensverwaltung Great Hill Capital, zeigt sich zuversichtlich: „Wir werden sehen, dass diesmal zu Weihnachten nicht der Grinch kommt, sondern der Weihnachtsmann.“

Sowohl in den USA als auch in Deutschland dürfte ein Unternehmen – wie schon zum Ende der vergangenen Woche – weiterhin für Spannung sorgen: Tesla. Die Aktien notierten vor der Aufnahme in den S & P 500 zeitweilig so hoch wie nie, um mit einem Plus von 5,9 Prozent bei 695 Dollar zu schließen. Mitte März waren die Papiere noch für 70 Dollar zu haben, nun ist Tesla mit einem Börsenwert von rund 600 Milliarden US-Dollar das wertvollste Unternehmen, das je in den Index aufstieg. Einige Analysten warnen aber, dass nach dem steilen Anstieg in der kommenden Woche die Korrektur kommen könnte.

Bitcoin setzt Rally fort

Auch die Kryptowährung Bitcoin, die ihre Rally fortsetzt und letzte Woche zeitweise auf über 23.000 Dollar stieg, könnte weiterhin für Aufsehen sorgen. Laut Sören Hettler, Analyst der DZ Bank, ist diese Entwicklung zwar zu erwarten gewesen. Dennoch sei er nicht der Ansicht, „dass der Kurs in den kommenden Tagen und Wochen auf 30.000 Dollar steigen wird.“

Der Grund: Der massive Kursanstieg der letzten Wochen basiere laut Hettler vor allem auf der Hoffnung auf eine langfristig höhere Nachfrage – „eine Einschätzung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen kann“.

Gleichzeitig glaubt Hettler aber nicht, dass zeitnah ein akuter Kurseinbruch bevorsteht. „Ich nehme an, dass sich der Bitcoin-Kurs in den nächsten Tagen und Wochen weiterhin zwischen 20.000 und 25.000 Dollar bewegen wird“, so Hettler.

Neue Konjunkturdaten dürften sich indes nicht massiv auf das Geschehen an den Märkten auswirken, denn in der Woche bis Donnerstag stehen nur wenige Daten auf der Agenda, die allesamt kaum marktbewegend sein dürften. In Deutschland könnte am Dienstag als wohl wichtigstes Ereignis allenfalls das GfK-Verbrauchervertrauen für Januar in Blick rücken.

Auch mit Blick auf deutsche Unternehmen dürfte es ruhig zugehen. Allerdings werden Änderungen an den Indizes wirksam. Während im Dax alles so bleibt, steigt Siemens Energy in den MDax auf und verdrängt so den Leasingspezialisten Grenke.

Dieser steigt in den SDax ab, wo er den Platz von Tele Columbus einnimmt. Zudem kommen unter anderem Corona-Krisengewinner wie die Online-Möbelhändler Home24 und Westwing, sowie der Online-Broker FlatexDegiro neu in den SDax.