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Wie zu viel Koffein den Körper austrickst — und was dadurch mit dem natürlichen Schlafdruck passiert

·Lesedauer: 3 Min.

Wenn unser Energielevel nachmittags in den Keller rauscht, wir uns antriebslos und matt fühlen, greifen viele von uns zum Kaffee. Ein Espresso und das Leben hat wieder einen Sinn. Koffein kurbele unsere Lebensenergie wieder an, glauben wir zumindest. Doch das funktioniert nicht immer zuverlässig – im Gegenteil.

Der zu häufige Konsum kann selbst zu Müdigkeit führen, schreibt die "New York Times". „Das Paradox des Koffeins besteht darin, dass es kurzfristig die Konzentration und Aufmerksamkeit steigert“, sagt dort Mark Stein, Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung an der Washington Universität. „Aber der kumulative Effekt bewirkt langfristig das Gegenteil.“

Zum Teil beruht dieser paradoxe Effekt auf einem Phänomen, das Forscher „Schafdruck“ nennen. Je höher der Schlafdruck, desto müder werden wir im Laufe des Tages. Von dem Moment an, an dem wir aufwachen, tickt unsere innere Uhr, die uns mahnt, uns abends schlafen zu legen.

Der Wach- und Schlafrhythmus ist bei Menschen sehr verschieden. Es gibt Frühaufsteher, Nachteulen und Menschen, die schon nach fünf Stunden Schlaf frisch und erholt aus den Federn hüpfen. Andere brauchen acht Stunden Nachtruhe. Je nachdem, welcher Typ man ist und wie dieses natürliche Schlafbedürfnis mit den täglichen Aufgaben und Arbeitszeiten zusammenpassen, helfen Menschen mit Koffein nach – manchmal mit sehr hohen Dosen.

Der Neurowissenschaftler und Schlafforscher Seth Blackshaw von der Johns Hopkins Universität sagt dem Zeitungsbericht zufolge, dass Experten erst jetzt beginnen herauszufinden, wie sich der Schlafdruck im Körper aufbaut. Im Laufe des Tages verbrauchten wir Energie in Form des Moleküls Adenosintriphosphat (ATP). Wenn wir ATP verbrauchen, zum Beispiel durch Denken, Sport, Erledigungen oder bei einem Konferenz-Call, produzierten unsere Zellen als Abfallprodukt Adenosin. Dieses Adenosin docke im Gehirn an spezielle Rezeptoren an, um uns müde zu machen. Es sei das Signal des Körpers, das uns anzeige, wie viel Energie verbraucht werde, bevor der Speicher leer sei und wir wieder „auftanken“ müsse, so ein Teil der Erklärung.

Wie das Koffein den Körper austrickst

Chemisch sieht Koffein dem Adenosin auf molekularer Ebene derart ähnlich, dass es die Adonosin-Rezeptoren im Gehirn kapern kann. So kann Adenosin dort nicht mehr andocken. Dies ist der Mechanismus, mit dem Koffein den Schlafdruck unterdrückt und uns wach hält. Aber Adenosin baut sich im Körper dennoch auf. Wenn das Koffein dann verbraucht sei, habe man einen hohen Schlafdruck aufgebaut "und dann folgt die Quittung" für den Kaffeekonsum, sagt Blackshaw. Der einzige Weg, den Schlafdruck nun abzubauen, ist: zu schlafen.

Je mehr Kaffee wir trinken, desto mehr gewöhnt sich der Körper daran. Unsere Leber passt sich dem Konsum an und baut Koffein schneller ab. Im Gehirn bilden sich in der Folge mehr Adenosin-Rezeptoren. Dies soll dazu führen, dass Adenosin an neu gebildete, freie Rezeptoren andockt und den Schlafdruck aufbauen kann. Am Ende beeinflusst zu viel Koffein auf diese Weise unseren Schlaf – und wir fühlen uns matt und müde, statt uns wacher zu fühlen. So kann vermehrter Kaffeekonsum also zu mehr Müdigkeit führen.

Wer einmal ausprobieren möchte, wie Koffein-Entzug sich auf den Körper auswirkt, kann an einem Wochenende ein Experiment wagen und ab Freitag den Kaffee (oder/oder schwarzen sowie grünen Tee) weglassen. Nach circa einem Tag überfallen viele Menschen dann starke Kopfschmerzen sowie ein Gefühl körperlicher Abgeschlagenheit. Je nach der Menge des vorherigen Kaffeekonsums und der individuellen Verstoffwechslung des Koffeins im Körper sind einige Menschen durch den Entzug ein oder zwei Tage lahmgelegt. Danach normalisiert sich der Zustand wieder, der Schlafdruck baut sich normal auf und ab.

Ein paar Tassen Kaffee pro Tag sind für die meisten Menschen kein Problem. Im Gegenteil, Kaffee ist gesund. Aber ein Überkonsum, vor allem in den späten Stunden des Tages, kann den Schlafrhythmus negativ beeinflussen. In den vergangenen Jahren haben sich daher koffeinfreie Sorten für verschiedene Kaffeemaschinen stark verbreitet. Ein koffeinfreier Espresso oder Kaffee kann so wunderbar schmecken wie ein „richtiger“. Nur der unmittelbare Konzentrations-Kick fehlt. Wer es schafft, diesen auf ein gesundes Maß zu reduzieren, kann erholter schlafen – und die Mattigkeit am Tag mit einem ganz einfachen Mittel besiegen.

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