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„Verkalkuliert“ – Berliner Shopaufkäufer SellerX kündigt Dutzenden Mitarbeitern

Markensammler: Die SellerX-Gründer Philipp Triebel und Malte Horeyseck. - Copyright: Sellerx
Markensammler: Die SellerX-Gründer Philipp Triebel und Malte Horeyseck. - Copyright: Sellerx

Der hochfinanzierte Berliner E-Commerce-Aufkäufer SellerX setzt beim Personal den Rotstift an. Wie das Branchenportal Sifted unter Berufung auf vertraute Personen berichtet, wurde 28 Mitarbeitenden gekündigt – das entspricht rund vier Prozent der gesamten Belegschaft (700 Mitarbeitende). Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigte das Unternehmen die Kündigungen. Diese seien bereits Anfang Mai erfolgt. Welche Abteilungen davon betroffen waren, ließ das Unternehmen unkommentiert.

SellerX kaufte erst vor Monaten kräftig zu

SellerX ging erst im August 2020 als europäisches Pendant zum US-Unternehmen Thrasio an den Start. Das hatte zwei Jahre zuvor damit angefangen, kleinere Amazon-Händler aufzukaufen und sich so in kurzer Zeit zu einem E-Commerce-Riesen mit Milliardenumsatz zu entwickeln. Hinter SellerX stehen die Gründer Philipp Triebel und Malte Horeyseck, zwei Havard-Absolventen. Für ihr Startup haben die beiden Gründer von Investoren und Banken bislang mehr als 750 Millionen Euro erhalten.

Davon hat SellerX nach eigenen Angaben bislang mehr als 40 Shops übernommen. Im vergangenen Dezember kaufte das Berliner Startup zudem KW Commerce auf, einen zehn Jahre alten Private-Label-Verkäufer mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Dollar und acht Millionen Kunden über 190 Ländern. Mit der Übernahme wuchs das Produktportfolio von SellerX auf 25.000 Amazon-Produkte an, zudem sicherte sich das Unternehmen so wichtige Lagerflächen und IT-Infrastruktur.

„Händler haben sich verkalkuliert“

Wegen der kriselnden Wirtschaft ist das Geschäft der Shop-Aufkäufer zuletzt jedoch unter Druck geraten. So kündigte im Juni der SellerX-Konkurrent Berlin Brands Group rund 100 Angestellten. Am Montag wurden zudem Massenentlassungen beim britischen (und von zwei Deutschen gegründeten) Aufkäufer Heroes bekannt. Laut Business Insider mussten 20 Prozent der Angestellten gehen.

Für den Investor und E-Commerce-Experten Philipp Klöckner hat die Misere der Amazon-Händler mehrere Gründe. „Viele Händler haben sich wegen der Hoffnung auf wirtschaftlich bessere Zeiten beim Einkauf verkalkuliert und leiden jetzt unter zu hohen Warenbeständen“, sagt Klöckner. Dadurch würden die Margen der E-Commerce-Aggregatoren in den kommenden Monaten sinken.

Gleichzeitig seien die Kosten Logistik und Fulfillment um bis zu ein Fünftel gestiegen. „Das hat vor allem mit Fachkräftemangel und Lohninflation zu tun“, so der Investor. Ob das Geschäftsmodell von Unternehmen wie SellerX langfristig Erfolg hat, müsse sich indes noch zeigen. Zumal nur wenige Unternehmen hohe Umsätze außerhalb von Amazon generierten. „Die Abhängigkeit ist hoch“, so Klöckner.

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