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Verbraucherzentrale: Jede Menge Luft im Eis

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 4 Min.

Industriell hergestelltes Eis enthält viel Luft. Die Verbraucherzentrale hat die mal rausgelassen. Ergebnis: Manche Packung war nur noch halb voll.

Vanilla Ice Cream Scoops
(Bild: Getty)

Gerade im Sommer ist Eis eine herrliche Leckerei. Das Angebot in den Kühltruhen der Supermärkte ist groß. Doch viele Hersteller schummeln bei den Mengen Ihrer Produkte, wie die Verbraucherzentrale Hamburg herausfand.

Industriell hergestelltes Eis wird mit Luft aufgeschlagen, um es cremiger zu machen. Das lieben auch viele Verbraucher. Allerdings nutzen das einige Hersteller zu ihrem Vorteil und tricksen quasi bei den Inhaltsangaben.

Angabe in Gramm nicht verpflichtend

Denn auf den Packungen muss der Luftanteil nicht deklariert werden, der Inhalt wird in Volumen angegeben, eine Kennzeichnung des Inhalts in Gramm ist nicht verpflichtend.

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Die Verbraucherzentrale machte die Probe aufs Exempel: Um die Luft aus sechs abgepackten Fertigeisprodukten zu lassen, blieb das Eis einfach bei Zimmertemperatur stehen und es wurde dokumentiert, wie es sich nach vier beziehungsweise 24 Stunden veränderte. Danach wurde das Eis umgerührt und wieder eingefroren.

Verbraucher werden getäuscht

Ergebnis: Manche Packung war nur noch halb gefüllt. Zutaten wurden also einfach durch Luft ersetzt. Das sorge zwar für cremigen Eisgenuss, spare aber auch Kosten und täusche die Konsumenten, so die Verbraucherzentrale. Und das sei sogar erlaubt.

„Die Schaumschläger unter den Eisherstellern profitieren von der aktuellen Rechtslage. Dass sich daran wohl auch in Zukunft nichts ändern wird, ist ärgerlich und nicht nachvollziehbar“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Der Gesetzgeber hatte ursprünglich vorgesehen, die Kennzeichnung von Speiseeis mit einer Masseeinheit wie Gramm verbraucherfreundlicher zu gestalten. „Doch die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie haben sich mal wieder durchgesetzt und die Verbraucher stehen hinten an“, so Valet.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Oben Schaum unten Flüssigkeit

Überrascht waren die Verbraucherschützer auch darüber, dass einige Sorten selbst nach 24 Stunden bei Zimmertemperatur auf den ersten Blick gar nicht geschmolzen schienen. Das Volumen habe sich kaum verändert, da sich oben Schaum und unten Flüssigkeit gebildet habe. Erst durch Umrühren sei die Masse zusammengesackt.

Konkrete Ergebnisse

Folgende Eissorten ließen die Verbraucherschützer dahinschmelzen: Cremissimo Bourbon Vanille und Cremissimo Bourbon Vanille Laktosefrei von Unilever, Mövenpick BourbonVanille von Froneri Schöller, Landliebe Eiscreme Bourbon-Vanille von Froneri Ice Cream, Eiscreme Edeka Bio Bourbon-Vanille von Edeka und Häagen-Dazs Vanilla von General Mills.

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Am besten schnitt das teuerste Eis ab: Häagen-Dazs fiel beim Test nicht durch einen übermäßig hohen Luftanteil auf (etwa 25 Prozent). Beim laktosefreien Eis von Cremissimo betrug der Lufteinschlag weit mehr als 100 Prozent. Das Eis von Mövenpick, Edeka Bio und Cremissimo in der herkömmlichen Variante hatte einen Lufteinschlag von über 50 Prozent.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Stabiles Eis

Das Eis von Landliebe tat sich beim Test durch eine merkwürdige Besonderheit hervor. „Der Schaum des Fertigeises blieb aufgetaut über Tage stabil und ließ sich – anders als bei allen anderen Produkten – nicht mit der Flüssigkeit verrühren. Deshalb konnten wir keinen Luftanteil abschätzen.“, so die Verbraucherzentrale.

Luft und Chemie

Auffallend sei auch, dass bei den Sorten, in denen besonders viel Luft steckt, mit Chemie nachgeholfen wird. Bei manchen Sorten entdeckten die Verbraucherschützer gleich mehrere Stabilisatoren in der Zutatenliste: „Im Cremissimo Bourbon Vanille Laktosefrei verarbeitet Unilever gleich drei Stabilisatoren (Guarkernmehl E412, Johnannisbrotkernmehl E410, Carageen E407) und einen Emulgator (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren E471). Dazu kommen noch ein Farbstoff sowie Aroma, damit das stark aufgeschlagene Eis auch nach etwas schmeckt.“

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Im „teuren“ Häagen-Daz steckt dagegen nicht nur wenig Luft, sondern auch kein einziger dieser Zusatzstoffe und es besteht aus nur fünf Zutaten. Beim Cremissimo Bourbon Vanille Laktosefrei fanden die Verbraucherschützer dagegen 14 Zutaten inklusive der Zusatzstoffe.

Preisvergleich ist schwierig

Wie viel Eis Kunden für ihr Geld tatsächlich bekommen, ist meist schwierig zu sagen, da durch die Volumenangaben auf den Verpackungen kein echter Preisvergleich möglich ist. Die tatsächliche Eismasse werde bei der Deklaration des Preises nämlich nicht berücksichtigt und die „Luftnummern“ unter den Eismarken profitieren, so die Verbraucherzentrale.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Wird der Grundpreis pro Liter in den Grundpreis pro Kilogramm umgerechnet, stellt sich schnell heraus, dass augenscheinlich günstiges Eis gar nicht so günstig ist.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale Hamburg.

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