Deutsche Märkte öffnen in 4 Stunden 11 Minuten

USA haben die meisten und besten KI-Patente – Europa und China hinken hinterher


Ob in der Wirtschaft oder an der Börse: Amerika dominiert mit Konzernen wie Apple, Amazon, Pfizer und Exxon. Das Land ist aber auch führend, wenn es um die Grundlagen für die künftige Forschung geht.

US-Unternehmen besitzen 60 Prozent aller Weltklassepatente im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Ganz vorne: Microsoft mit 1339 erstklassigen Patenten, gefolgt von der Google-Holding Alphabet mit 901 Patenten und Intel mit 409. Das ermittelte das unabhängige Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Econ Sight in einer aufwendigen Studie mit umfassenden Informationen zur Künstlichen Intelligenz.

Amerikas Technologiekonzerne um Microsoft Alphabet, Intel, Qualcomm und Apple liegen nicht nur in der IT weit vorn, sondern in allen Zukunftsbereichen. So drängen die US-Konzerne beispielsweise mit Biotech-Zukunftstechnologien auch massiv in den Gesundheitsbereich vor.

Europäische Unternehmen hingegen hinken hinterher. Nur drei Firmen schaffen es in die Top-50: Der niederländische Mischkonzern Philips kommt auf Rang 14 mit 108 Patenten, Siemens – als einziges deutsches Unternehmen – belegt mit 99 Weltklassepatenten den 16. Rang und der Schweizer Pharmaproduzent Roche liegt mit 50 Patenten auf dem 46. Platz.

Bei Künstlicher Intelligenz geht es um Anwendungen, die menschliche Fertigkeiten nachahmen und strategisches Denken voraussetzen. So sollen beispielsweise Software und Maschinen in die Lage versetzt werden, menschliche Aufgaben genauso gut, im Idealfall besser auszuführen. Für Siemens etwa bietet Künstliche Intelligenz großes Potenzial bei der Optimierung seiner Gasturbinen, der Überwachung intelligenter Stromnetze oder der vorausschauenden Wartung von Industrieanlagen.


Auffällig ist, dass US-Unternehmen die Grundlagenforschung zur Künstlichen Intelligenz auch in anderen Ländern dominieren. In der Europäischen Union halten amerikanische Unternehmen mehr Weltklassepatente (1209) als die Europäer (972).

Um die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz weltweit für verschiedene Anwendungszwecke nachzuzeichnen, bietet sich das Patentsystem an. Wichtig ist, hierbei die Wertigkeit der jeweiligen Patente zu ermitteln. Econ Sight hat deswegen in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum und Patentsight – einem Spezialisten für die Auswertung von Patentdaten – nicht bloß die Zahl der Patente gezählt, sondern auch deren Qualität ermittelt und den jeweiligen Ländern, Regionen und Unternehmen zugeordnet.

Gemessen wurde: Wie überzeugt sind die Firmen von ihrem eigenen Patent? Und in wie vielen Ländern und Märkten melden sie es an? Dabei gilt: Die schutzrechtliche Abdeckung ist in jedem einzelnen Land mit hohen Kosten für das Unternehmen verbunden – und das lohnt demzufolge nur bei wirklich erfolgversprechenden Patenten.

Darüber hinaus ist wichtig: Wie schätzen Dritte die Bedeutung eines Patents ein, wie oft werden Patente weltweit zitiert? Je öfter sich andere Patente auf ein bestimmtes Patent beziehen, desto höher ist die technologische Relevanz. Durch die interne und externe Bewertung fallen unwichtige Patente heraus, übrig bleiben neue und bereits bestehende Weltklassepatente.

Chinas Aufstieg geht zu Lasten Japans

Auffällig ist, dass die Marktmacht der führenden Unternehmen noch weiter zunimmt: Die zehn Unternehmen mit den meisten Weltklassepatenten – darunter sind sechs US-Konzerne – halten 27 Prozent aller Weltklassepatente in Künstlicher Intelligenz. Vor fünf Jahren lag der Anteil der Top 10 noch bei 19 Prozent.

Die wichtigsten Anwendungen für Künstliche Intelligenz finden sich im Gesundheitsbereich (2891 Weltklassepatente), gefolgt von Datensicherheit (1935) und der Industrie 4.0 (1674).


US-Unternehmen dominieren die Technologie eindeutig. Unternehmen aus China (9,3 Prozent), Japan (zehn Prozent) und der Europäische Union (8,8 Prozent) sowie die jeweiligen Regionen liegen, jeweils auf ähnlichen Niveau, weit dahinter. Die chinesischen Unternehmen haben ihren Marktanteil in den vergangenen drei Jahren verdoppelt, während die Anteile der US- und EU-Unternehmen konstant geblieben sind.

„Der Aufstieg Chinas ging vor allem zu Lasten Japans“, erläutert Econ-Sight-Geschäftsführer Kai Gramke. „Die Wachablösung in Asien ist vollzogen und schon in diesem Jahr wird China zur alleinigen Nummer 2 hinter den USA aufsteigen“, ist Gramke überzeugt.

Während europäische Unternehmen in der Gesamtwertung nur spärlich vertreten sind, zeigen sie sich immerhin in einzelnen Bereichen auf den vorderen Plätzen. In der Gesundheit beispielsweise, und hier vor allem in der Medizintechnik, führt Philips das Feld an. In der Top-10 der Gesundheitsbranche befinden sich außerdem Siemens und Roche.

Auch im Bereich Mobilität, der von Fahrzeugen bis hin zur Smart City breit definiert ist, sind europäische und besonders deutsche Unternehmen aktiv. Hier finden sich Continental, Bosch, VW und BMW in den Top-50. Allerdings wird auch dieses wichtige Feld der Künstlichen Intelligenz von den amerikanischen Unternehmen Intel, Alphabet, Microsoft, GM und Ford angeführt.