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US-Börsen schließen im Minus – Twitter-Aktie gerät stark unter Druck

·Lesedauer: 6 Min.

US-Anleger halten sich am Montag zurück. Spannungen auf politischer Ebene haben aber wenig Einfluss. Die Märkte blicken bereits einen Schritt weiter.

Nach dem verhaltenen Wochenauftakt an den europäischen Börsen agieren auch Anleger in den USA am Montag vorsichtig. Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,3 Prozent tiefer auf 31.008 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 1,3 Prozent auf 13.036 Punkte nach. Der breit gefasste S & P 500 büßte 0,7 Prozent auf 3799 Punkte ein.

In der Vorwoche hatten die wichtigsten Indizes regelmäßig neue Rekordstände erreicht. Die Aussicht auf ein neues Konjunkturpaket nach der Amtsübernahme durch Joe Biden hatte Anleger zum Kaufen angeregt. So passierte etwa der Nasdaq-Index am vergangenen Freitag erstmals die Marke von 13.000 Punkten.

Aufgrund der Sperrung der Nutzerkonten des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump ging es beim Twitter-Kurs bergab. Twitter-Aktien brachen um zeitweise gut zwölf Prozent ein. Am Ende stand ein Minus von mehr als sechs Prozent.

Twitter hatte am Freitagabend dauerhaft die Trump-Accounts gesperrt. Zuvor hatten Twitter und Facebook jeweils eine Sperrung von 24 Stunden veranlasst. Mit dem Ausschluss verlor Trump kurz vor Ende seiner Amtszeit sein wichtigstes Kommunikationsmittel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte das Vorgehen des Kurznachrichtendienstes infrage. Sie sei der Ansicht, dass der Gesetzgeber die Regeln für die Plattformen festlegen sollte, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag. „Die Komplettsperrung des Accounts eines gewählten Präsidenten ist problematisch“, sagte Seibert.

Hintergrund für den Ausschluss von Trump auf den Social-Media-Kanälen ist der Sturm auf das Kapitol durch Trump-Anhänger in der vergangenen Woche. Fünf Menschen starben im Zusammenhang mit den Ausschreitungen, die weltweit für Entsetzen sorgten. Trump hatte zuvor seine Anhänger aufgefordert, zum Kapitol zu marschieren, wo die Wahl seines Rivalen Joe Biden gerade offiziell bestätigt werden sollte. Twitter befürchtete eine weitere Anstiftung zu Gewalt und reagierte mit der Sperrung des Zugangs von Trump.

Die politischen Spannungen hatten die Börsen in der Vorwoche aber kaum berührt. Insofern dürfte der Kursverlauf am Montag nicht darauf zurückzuführen sein, dass eine vorzeitige Amtsenthebung des bald scheidenden Präsidenten intensiv diskutiert wird. Ohnehin haben Investoren ihr Augenmerk längst auf die Zeit nach Trump gerichtet.

De-Listing dreier Firmen erfolgt

Eine seiner konkreten Handlungen jedoch hat merklichen Einfluss: Am heutigen Montag tritt der Ausschluss dreier chinesischer Telekommunikationsfirmen von der New Yorker Börse in Kraft. Der Börsenbetreiber Nyse hatte zu Jahresanfang die Streichung von China Telekom, China Mobile und China Unicom angekündigt, da diese Unternehmen zu enge Verbindungen zum chinesischen Militär aufweisen. Hintergrund ist ein Erlass von Trump, der US-Investitionen in diese Firmen verbietet.

Vergangene Woche hatte die Nyse dann für Aufruhr an den Märkten gesorgt. Zunächst erklärte sie, von ihren bisherigen Plänen abzuweichen und den Ausschluss aufzuheben. Erst nach Intervention der Politik – US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte sich persönlich eingeschaltet –, hielt der Börsenbetreiber am geplanten De-Listing fest. Das schickte die Kurse der betroffenen Firmen im New Yorker Handel ins Minus. Da vor allem US-Investoren eingesetztes Kapital verloren, geriet die Nyse öffentlich unter Druck.

Nun erklärten die US-Großbanken JP Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs, knapp 500 weitere Finanzprodukte mit China-Bezug vom Markt zu nehmen. Dabei handelt es sich überwiegend um Derivateprodukte mit Bezug zu den ausgeschlossenen Unternehmen oder zum Hongkonger Leitindex Hang Seng. Der Schritt der Geldhäuser erfolgt zum 25. Januar. Ab Dienstag können Händler in den USA ihre Positionen in diesem Segment veräußern.

Bitcoin: Anleger machen Kasse

Unterdessen nutzten auch Bitcoin-Anleger die jüngste Rally für Gewinnmitnahmen. Die älteste und wichtigste Cyberdevise verbilligte sich um bis zu 20 Prozent im Vergleich zu ihrem Rekordhoch von fast 42.000 Dollar, das sie am Freitag erreicht hatte.

Das sei eine Erinnerung daran, dass Kryptowährungen nichts für schwache Nerven seien, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. Dieser Kursrutsch sei aber kein Grund zur Panik, sondern eine Gelegenheit zum Einstieg, betonte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses Avatrade. „Die Rally ist noch nicht zu Ende.“ Langfristig trauen Experten Bitcoin ein Vielfaches der aktuellen Kurse zu.

Dennoch warfen Anleger Firmen aus dem Segment der Kryptowährung aus ihrem Depot, ebenso Unternehmen, die sich mit der Bitcoin & Co. zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen. So fielen die Aktien der Bitcoin Group, die eine Kryptowährungsbörse betreibt, im deutschen Handel um mehr als zehn Prozent. An der Wall Street brachen die Papiere von Silvergate um 13 Prozent ein.

Blick auf die Einzelwerte

Moderna: Eine Meldung zu möglichen zusätzlichen Bestellungen von Coronavirus-Impfstoffen durch die EU ermuntert Anleger zum Einstieg bei den genannten Pharmafirmen. Insidern zufolge will die EU bei Moderna weitere Impfdosen ordern. Die Aktie liegt vier Prozent höher bei 117,26 Dollar. Außerdem liefen Gespräche mit Valneva und Novavax. Valneva-Papiere legen sieben Prozent zu, Novavax-Papiere hingegen verlieren fünf Prozent.

Gilead Sciences: Der US-Pharmakonzern hat wegen der hohen Nachfrage nach seinem Medikament Remdesivir zur Behandlung von Covid-19-Patienten seine Jahresprognose angehoben. Nunmehr werde ein Produktumsatz von insgesamt bis zu 24,35 Milliarden Dollar erwartet, teilte Gilead mit. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte in der Spanne von 6,98 bis 7,08 Dollar liegen, nachdem das Management bislang 6,25 bis 6,60 Dollar je Aktie in Aussicht gestellt hat. Der Kurs verlor leicht auf 62,50 Dollar.

Crocs: Die Aussicht auf einen Jahresumsatz über den bisherigen Erwartungen beflügelt Crocs. Die Aktien des für seine Kunststoff-Schlappen bekannten Schuh-Fabrikanten klettern um zwölf Prozent auf knapp 75 Dollar. Die Erlöse 2020 stiegen ersten Berechnungen zufolge um mehr als zwölf Prozent. Für das angelaufene Jahr peilt Crocs ein Wachstum von 20 bis 25 Prozent an.

Facebook: Nicht nur Twitter-, auch Facebook-Aktien geraten nach der Sperrung der Trump-Konten unter Druck. Das Papier verliert vier Prozent.

Boeing: Die Aktien des Flugzeugbauers geben 1,5 Prozent ab. Am Wochenende war eine alte Maschine des Typs 737-500 in Indonesien abgestürzt. Der Flieger sei zwar keine 737 Max, werfe aber einen weiteren dunklen Schatten auf das Unternehmen, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Die 737-Max-Maschinen waren nach zwei Abstürzen mit einem weltweiten Flugverbot belegt worden.

Eli Lilly: Studienergebnisse des US-Pharmakonzerns schüren Hoffnung bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Alzheimer. In einer klinischen Studie der Phase-2 führte der Antikörper Donanemab bei Patienten mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit zu einer signifikanten Verlangsamung der Abnahme der kognitiven Leistung, wie der US-Konzern am Montag mitteilte. Die Aktie schießt um zwölf Prozent in die Höhe auf 185 Dollar.

Office Depot: Der erneute Übernahmeversuch durch den Rivalen Staples hievt die Aktien des Konzerns auf den höchsten Stand seit gut drei Jahren. Die Papiere des Büroartikel-Händlers steigen um 19 Prozent auf 44,14 Dollar. Staples bietet 40 Dollar je Aktie oder insgesamt 2,1 Milliarden Dollar.

mit Material von Reuters