Deutsche Märkte geschlossen

UPS bestellt 10.000 Elektro-Vans beim britischen Start-up Arrival

Der Paketdienst investiert auch in eine Minderheitsbeteiligung an Arrival. Klassische Autokonzerne hätten die Anforderungen nicht erfüllt.

Der weltweit tätige Paketzusteller UPS versetzt den klassischen Autoherstellern eine Ohrfeige: Die Amerikaner bestellen insgesamt 10.000 Elektro-Transporter bei dem britischen Start-up Arrival. Außerdem hat sich die Wagniskapitaltochter UPS Ventures mit einer Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen beteiligt. „Dieser Schritt katapultiert uns in eine neue Ära“, sagte Luke Wake, International Director of Automotive Engineering & Advanced Technology bei UPS, dem Handelsblatt.

„Wir sagen seit Jahren, dass wir mehr Elektro-Fahrzeuge wollen. Aber die großen Autohersteller haben uns nichts geboten, das unseren Bedürfnissen entspricht”, erläuterte Wake. Schließlich habe UPS schon vor Jahren angekündigt, dass sie bis 2020 25 Prozent ihrer Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bestücken wollen. Gerade für Kurierdienste, die in Städten im Einsatz sind und nachts ihre Fahrzeuge aufladen können, stellten E-Autos die ideale Alternative dar, so der UPS-Manager. „Die traditionellen Autohersteller wandeln sich zwar derzeit. Aber der Wandel geht zu langsam voran“, kritisiert Wake.

Die Elektro-Autos von Arrival basieren auf einer schmalen Plattform mit dem Elektroantrieb. Sie können dann nach den Wünschen von UPS in verschiedenen Großen und mit verschiedenen Anforderungen maßgefertigt werden. Sie sollen auch in kleineren Fabriken an verschiedenen Standorten hergestellt werden können.

Bisher hat UPS verschiedene Marken in seiner Flotte von 120.000 Fahrzeugen, unter anderem auch Mercedes und Ford. Außerdem lässt UPS seine alten Diesel-Transporter in Deutschland von EFA-S in Elektrofahrzeuge umbauen. „Damit sind wir sehr zufrieden. Aber das sind noch nicht die Skaleneffekte, die wir wollen“, erklärte Wake.

Die neuen Fahrzeuge sollen den Fahrern ein ergonomischeres Umfeld und einen niedrigeren Einstieg in das Fahrzeug bieten, sie aber auch mit neuer Technologie beim Fahren unterstützen und damit für mehr Sicherheit sorgen. Es gehe nicht darum, eines Tages ganz auf die Fahrer zu verzichten, stellte Wake klar. „Schon heute verbringen die Fahrer viel mehr Zeit mit dem Kontakt mit den Kunden als beim eigentlichen Fahren. Das wird auch so bleiben“, sagte er. Aber auf privatem Boden, wie etwa in den Logistikzentren, wäre ein gewisser Einsatz von autonomem Fahren durchaus denkbar.

Die E-Fahrzeuge von Arrival sollen dieses Jahr als Test genutzt werden und zunächst in London und in Paris auf die Straßen kommen, später auch in den USA und in anderen europäischen Städten.

Auch andere Logistikunternehmen setzen verstärkt auf Elektrofahrzeuge. Der Onlinehändler Amazon hatte im September 2018 zwar 20.000 Sprinter von Mercedes für die eigene Flotte bestellt, gleichzeitig aber klargemacht, dass sie den Transporter am liebsten auch als E-Version haben wollten. Ein Jahr später beteiligte sich der Onlinehändler mit 700 Millionen Dollar an dem E-Fahrzeug-Start-up Rivian und orderte zudem 100.000 E-Kleinlaster dort.

Auch die Deutsche Post hat ihre Nachfrage nach Elektro-Transportern dank eines Start-ups gelöst. 2014 übernahm die Post den E-Fahrzeug-Hersteller Streetscooter. Das Unternehmen aus Aachen kann mittlerweile 20 000 Fahrzeuge jährlich produzieren. Dabei sieht sich die Post eigentlich nicht als Autohersteller und sucht nach einem Partner für Streetscooter.