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Union Investment sieht weniger Dividenden, Boni bei Banken

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Die Fondsgesellschaft Union Investment rechnet auf absehbare Zeit kaum mit Dividenden europäischer Banken. Vielmehr könne die Europäische Zentralbank ihre Empfehlung zur Aussetzung von Auszahlungen angesichts der Coronakrise noch erweitern, meint Portfoliomanagerin Alexandra Annecke. Einer der Gründe sei die zu erwartende Risikovorsorge der Institute.

“Ich könnte mir vorstellen, dass die EZB ihre Empfehlung, von Ausschüttungen abzusehen, über den Oktober hinaus verlängern wird”, erklärte Annecke in einem Interview mit Bloomberg News. Ob es Dividendenzahlungen gebe, werde also nicht allein die Entscheidung von Vorständen und Aufsichtsräten sein.

Die EZB hatte die Banken in Europa aufgefordert, vorerst bis Oktober auf Dividenden für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 zu verzichten, um die Kapitalbasis zu stärken und so besser Verluste abfedern zu können. Zu den Instituten, die ihre Ausschüttungen aussetzten, zählen Commerzbank AG, Aareal Bank AG und Deutsche Pfandbriefbank AG. Bei der Deutschen Bank AG war keine Zahlung vorgesehen.

Ein Vertreter der EZB wollte sich zu einer möglichen Verlängerung der Empfehlung nicht äußern.

Moratorien verschleiern Lage

“Für das zweite Quartal erwarte ich nochmals eine sehr hohe Risikovorsorge bei den europäischen Banken. Und auch für den Rest des Jahres und 2021 dürfte sie auf erhöhtem Niveau bleiben”, sagte Annecke. Eine genaue Einschätzung sei schwierig wegen der vielen Moratorien. Erst nach Auslaufen dieser Zahlungsaussetzungen werde wohl das volle Ausmaß möglicher Kreditausfälle sichtbar.

Deutsche Banken befanden sich ihrer Aussage nach schon vor der Coronakrise in einer schwierigen Situation aufgrund ihrer im europäischen Vergleich unterdurchschnittlichen Profitabilität. “Wenn die Gewinne schwach sind, dann gibt es natürlich auch weniger Puffer, um die unausweichlichen Kreditausfälle zu absorbieren”, sagte Annecke.

Vor diesem Hintergrund glaubt sie nicht, dass Europas Banken in der Breite für die Jahre 2019 und 2020 Dividenden zahlen werden. Und diejenigen, die sich doch dafür entscheiden, werden die Ausschüttungen ihrer Meinung nach gering halten.

Beschleunigte Konsolidierung

Auch der Großinvestor DekaBank rechnet nicht damit, dass der Bankensektor vor 2022 zu normalen Dividendenzahlungen zurückkehrt. Fondsmanager Andreas Thomae äußerte in einem Gespräch mit Bloomberg die Erwartung, dass sich das Verbuchen von Kreditausfällen zwei Jahre lang hinziehen werde.

Union Investment will derweil, dass variable Vergütungen von Bankern den Unternehmenserfolg widerspiegeln. “Sollten die Gewinne sinken oder Verluste anfallen – wie nun wahrscheinlich in der Coronakrise – wäre es nur konsequent, die Boni zu kürzen”, sagte Annecke.

Ihren Worten zufolge könnte die Coronakrise die Banken-Konsolidierung in Europa beschleunigen, allerdings zunächst nur auf Landesebene. Grenzüberschreitend sei das weiter schwierig. “Die regulatorischen Hürden dafür sind sehr hoch”, sagte sie. So sei es zum Beispiel nicht ohne Weiteres möglich, Einlagen aus einem Land in ein anderes zu transferieren und dadurch Synergien zu heben.

Insgesamt seien europäische Banken derzeit sehr günstig bewertet, erklärte Annecke. “Aber natürlich ist die Unsicherheit auch groß.”

(Zitat ergänzt im letzten Absatz)

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